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solche auf GlaubenSlostgkeit gründen zu können wähnten. Ueber daS Maaß derselbenhaben die Begriffe gewechselt; die Kirche selbst hat dieses nie weiter ausgedehnt, alswie eS allen Menschen, zu allen Zeiten, an allen Orten zu erfüllen möglich; Schwe-reres sich aufzulegen hat sie dem Willen, dem Eifer deS Einzelnen anheimgestellt.Wer gerne an Zeltbegriffe und Zeilrichtung Berufung einlegt, der muß fichS gefallenlassen, daß dieser hohe Gerichtshof je zu Fristen anders bestellt gewesen ist, als geradein demjenigen Augenblick, in welchem er denselben zum Spruch aufruft, in Zuversicht,daß dieser nunmehr nach seinem Wunsch sich erklären werde. JeneS war der Fallin dem Zeitraum, in welchen Mariens Leben fällt. ES wurde auch damals denGütern der Welt und den Freuden des Lebens und dem Gepränge der Großen ihreGeltung zugestanden, liebendem aber nicht mißkannt, daß dem zwischendurch sichziehenden freiwilligen Missen derselben aller Werth nicht dürfe abgesprochen werden.Umgab jenes Alles, an die Stellung geknüpft, die Erzherzogin von außen, so waltetedieses in ihrem Innern. Von Natur in leiblichen Genüssen mäßig, fügte sie derEntsagung, welche die Kirche ihren Kindern, um sie in Gehorsam und Demuth zuüben, auferlegt. Einiges noch freiwillig hinzu. Jeder Dienstag, ihres GemahlsTodeStag, war für sie durch lange Jahre ein Fasttag. Auch äußerer Strenge unter-warf sie bisweilen den Körper, besonders in der Zeit, in welcher die Kirche desLeidens ihres Herrn ernster und inniger gedenkt, so daß nicht selten der Beichtvaterihrem Eifer eine Schranke setzen mußte. Häufig trug sie unter dem fürstlichen Gewandd>n groben Bußgürtel von der Bruderschaft deS heil. Franz, oder Armbänder vonhärenen Stricken. Da ihre Kammerfrau, die Gräfin von Wildenstein, diese Abtöd-tungSmittel einst entdeckte und sich gegen ihre Herrin die Bemerkung erlaubte: „EuerDurchlaucht leben allzu streng," versetzte die Erzherzogin nicht ohne einige Heftigkeit:„„Wie sollte ich daS nicht, da ich eine große Sünderin bin!"" Anbei verbot sie ihr,gegen irgend Jemand von dem Wahrgenommenen etwas verlauten zu lassen. Daßaber diese Strenge der ächten Wurzel entwuchs, zeigte sich darin, daß sie dieselbe bloßgegen sich selbst anwendete, Andern nur ihre Milde zu erkennen gab.
DaS Alles konnte nicht ohne Einfluß bleiben auf jenen tiefen Ernst, dessenFrucht fleckenlose sittliche Würde ist, die ihr als Grundbedingung alles Gedeihlichengalt. „War," schrieb sie an Rumpf nach dem unglücklichen AuSgang eineS Treffensbei Neuhäusel , „wie die Sage geht, in unserem Lager ein solches gotteslästerlichesLeben, daß alle Laster darin im Schwange gingen und ihnen kein Einhalt gethanwurde: dann war eS natürlich, daß am Ende Gott die Schuldigen mit den Unschul-digen strafen mußte."
Bei einer solchcn LebenSrichtung galt ihr daS Gegenwärtige als vorübergehend,als bleibend einzig daS Künftige. Im Hinblick auf dieses hörte man sie bisweilensagen: „Gott ! wie wird eS dort so wunderbar zugehen! Wie wird so mancherMensch anders sich zeigen, als er hier schien! Wie viel Heller sieht nicht Gott alswir, die wir uns Alle in so manchen Dingen versündigen; die wir so vieles anunserer eigenen Person nicht erkennen, waS Gott aber wohl weiß und dessen Kenntnißhat." — Derlei Gesinnung mußte zu dem sorgsamsten Aufmerken auf sich selbstauffordern. Maria ward zu demselben um so dringlicher ermuntert, da sie in ihrenletzten Jahren oft zu. sagen pflegte: „ich weiß, daß ich nicht mehr lang leben, sondernbald sterben werde!"
Deßwegen, bei dem Verein so mancher, zu allem Höhern sie emporhebenderTugenden, war sie auch eine starkmüthige Frau, unverzagt in Gefahren, selbst An-derer Muth zu heben geeignet. Wie die Rebellion der Ungarn im Jahr 1605 auchdes SohneS Landschaften bedrohlich zu werden schien, fuhr sie täglich in ihr Klosterund öfters als sonst zu Kranken, bloß damit daS Volk, wenn sie so unverzagt ihmsich darstelle, Muth fasse. Dem Adel aber sagte sie: „sollte er Meinen, nur Pracht,Wohlleben und Faulheit nachgehen zu dürfen, so werde sie als Weib in den Kriegziehen. Nicht ihrer Person, wohl aber ihnen, welche Rittersleute seyn wollten,könnte eS zur Unehre gereichen, wenn statt ihrer ein Weib streiten müßte."