Ausgabe 
13 (29.5.1853) 22
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Der Dorfeaplan tn den Tyroler Mpen.

(Charakterbild von B-da Weber.)s»,t»7 nno«,z.4> ,!j!>...ss'-'iII (Schluß:) '.'.!',' ?:M siüig .wm.?^',i!'.!>k.n,H

Die Tonkunst war ihm schon in frühester Jugend lieb geworden, besonders derGesang. Mit allen Musikltebhabern, Organisten und Sängern der Nachbarschaftstand er auf vertrautem Fuß und half ihnen treulich bei jeder Aufführung kirchlicherMusikstücke. Auch in seiner Gemeinde befiederte er das Singen lehrreicher und lustigerLieder, vorzüglich unter den Kindern, die er in der Kirche zum Gottesdienste brauchenkonnte. So kam es, daß er auch während seiner Krankheit von unaufhörlichen Musik-festen umrauscht war.O. heute war eS so lieblich in ver Kirche," wiederholte eröfters,die Kinder sangen ein neues schönes Lied vom Mai, wie er kommt und dieReben weinen macht und tausend Keime in'S Sonnenlicht emporweckt. Und die ganzeGemeinde stimmte ein, und eS ging ein mächtiges Klingen von einem Berg zum andern,und alU Wälder zitterten vor Lust, und «elbst auf den höchsten Alpen spürte man dieKraft der Töne, welche durch die blühenden Thäler schollen. Ich fühle mich durchdieses Lied wahrhaft erleichtert, meine Seele emporgerichtet zu Gott, von dem alleLieder ausgehen und zu dem sie wieder jubelnd zurückkehren. Er legte sich mit ver-klärten Zügen zurück auf'S Kissen und ruhete lächelnd wie ein Kind im Traume. DieLippen zuckten leise, die Stirn verlor al!e Runzeln, ein flüchtiges Roth zog wieAbendsonnenschein über sein Angesicht. Und als er wieder erwachte, schlug eS zwölfUhr Mittags; er fühlte sich gestärkter, betete mit erhobenen Augen und lispelte:Frieve und Freude und Segen im heil. Geist!"

Alles, was auf seinen Ge/vissenSzustand Bezug hatte, nahm er mit Freudenauf, und sein- Reue wurde zur herrschenden Seelenstimmung, die sich unablässig mitJesuS, dem Quell der Versöhnung, beschäftigte. Dom Tode war keine leise Ahnungmöglich bei diesew regen Gemüthsleben, kein Schmerz fühlbar, er konnte seinen glück-lichen Zustand nicht genug preisen. Immer enger zogen sich die Kreise seiner Wahr-nehmung, selbst die Rede, sonst so überfließend, strömte sparsamer. Nur bisweilenbrach er mit ver alten Kraft vurch das lose.Gespinnst flüchtig vorüberwallenderGedanken.

Wie lange der Tag und die Nacht ist fühlt ein Dorfeaplan mehr, als manim ruhelosen Wirbel der Städte glauben mag. Um sich auf angemessene Weise zubeschäftigen, besonders in den langen Winterabenden, begab er sich auf das eifrigeLesen. Die Zeitläufte und Wellbegebenheiten fanden an ihm den aufmerksamstenBeobachter, unv er bemerkte oft scherzend, daß man ein Dorfeaplan werden müsse,um die Zeitungen mit gehöriger Umschau zu lesen, da sie die Stelle der Conversationersetzen müßten. Und was ihn darin am meisten anzog, war das Schicksal derkatholischen Kirche , daS er mit emsiger Gewandheit nach allen Seiten hin verfolgte.AIS Deutscher seufzte er oft schmerzlich über den Versall deS Glaubens unv der Andachtin deutschen Landen, und schon nahe dem Grabe konnte er deßhalb eine ängstlicheSorge nicht bergen. AuS der Fieberhitze hob er gegen Abend sein Haupt und sagtetreuherzig zu mir-Also draußen geht eS herzlich schlecht! In Deutschland meineich. Mit der Bibel springen sie um, wie mit einem alten löcherlichen Pergamente;deßwegen heißen sie auch richtig Nichtbibelchristen. Sie suchen den Meister in ihrerMitte aus sündigem Fleisch und Blut. Und ihre unverschämten Reden in Zeitblättern!Es fehlt an der Nation, die solche Schmach duldet. Und Alles geräth so geistreich,daß man vor lauter Pfeffer Kopfweh bekömmt. So liegt daS Land wie die WiesedeS Schneiders Franz voll Maulwurfshügel statt der Blüthen. Und ihr Kleid hat soviel Löcher, daß die Katze die MauS, und die MauS die Katze nicht findet. Unddarüber hesten sie einen Klaftenlangen Aufsatz mil dem Titel, die deutsche Einheit,^soll heißen: Abneigung gegen alle Kräfte der Einigung."

Eine andere Unterhaltung, die erLuruS" zu nennen pflegte, war seine regeWanderlust, selten in weite Fernen, sondern ringsumher in die Nachbarschaft zu