Ausgabe 
13 (29.5.1853) 22
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erfrischen. Mit kindlicher Verehrung zeigte unS^dcr Einstedler die einfache hölzerneFeldbettstelle, auf der Wittmann geruht, und das Tischchen, auf dem er seine Medi-tationen niedergeschrieben. Von frommer Erinnerung an den großen Todten durch-schauert schieden wir von dem Klausner und dem einsamen, reich mit Täfelchen undlebendigen Blumen gezierten Kirchlein, in welchem an Sonn- und Festtagen die LeuteauS der Nachbarschaft zum Gebete sich einzufinden pflegen. ?.

Rom»

Rom, 29. April. Am verflossenen Dienstag den 26. v. M. hat der hochw.Bischof von Münster die Hauptstadt der Christenheit aus 14 Tage verlassen und eineReise nach Neapel angetreten, wo Hochderselbe gestern schon angekommen seyn wird.In den Tagen vorher unternahm^! se. ischöfl. Gnaden auch, begleitet von demgeheimen Kammerherrn Sr. Heiligkeit Fürsten Hohenlohe. einen Ausflug nach Su-biako, um diese eben so durch vie Großartigkeit der Natur als der damit verbundenenreligiösen Erinnerungen und Institute merkwürdige Stätte kennen zu lernen. In einerder schauerlichen Felsgrotten dieser Gegend legte nämlich vor dreizehnhundert Jahrenein junger Mann in stiller Zurückgezogenheit den Grund zu einer Unternehmung, welcheihre friedlichen Colonien viel weiter aussandte, als vaS kriegerische Rom seine Er-oberungen ausgedehnt hat: der heilige Benedict von Nursta stiftete hier den Benedik-tiner -Orden. Zwei Klöster zu Subiako bewahren noch das Andenken an diesen heil.Patriarchen. DaS eine, welches den Namen seiner Schwester, der heil. Scholastik«,trägt, schließt Monumente aus verschiedenen Zeitepochen in sich, eine Kirche im neuenStyl, eine Sacrisiei aus dem dreizehnten Jahrhundert und einen Kreuzgang aus demzehnten, einen andern aus dem dreizehnten Jahrhundert; daS Kloster selbst wurde 520vom heil. Benedict gegründet. In einiger Entfernung und höher in den Felsklüftenist ein anderes Kloster fast wie ein Vogelnest an eine Bergwand geheftet, San Be-nedetto genannt, eS schließt die Grotte, in welcher der heil. Benedict fern und unge-rannt von der Welt in den strengsten Bußübungen lebte, und^ somit die eigentlicheWiege deS Mönchsordens deö AbenvlandeS ein und zeigt überaus interessante Bauten.Von beiden Klöstern ist bekanntlich der Papst selbst immer der Abt; PiuS IX. abersandte zu seiner Stellvertretung den durch seine unermüdlichen Bemühungen für dieHerstellung der strengen Ordensdisciplin berühmten Abt Casaretti, jetzt Generalabtder casstnetischen Provinz, dorthin, und unter dessen Leitung ist die ehrwürdige Stif-tung wieder eine der schönsten und hoffnungsvollsten Pflanzschulen der Kirchen geworden.Fast alle Nationen find schon in dem blühenden Hause vertreten, selbst die Schwarzenfind durch drei Mohren repräsentirt; alle bereiten sich vor, um als Missionäre wildenVölkern daS Licht deS heil. Glaubens zu bringen, und der Eindruck, den diese Gesell«schaft macht, wenn man sich deS Abendö bei dem Nachtessen zum Erstenmale in ihrerMitte befindet und den langsam-feierlichen Choral hört, in dem fie das Tischgebetfingen, wird gewiß jedem unvergeßlich seyn. Zwei Uhr in der Nacht erhoben sichAlle und sangen mit demselben heiligen Ernste daS Matutinum und die LaudeS , dieum vier Uhr Morgens zu Ende waren. Der hochw. Bischof von Münster wurdesehr ehrerbietig von den Vorstehern deS Klosters empfangen; der heil. Vater hatteihm zur Wohnung die päpstlichen Gemächer anweisen lassen; eine große Freude wares für ihn gewiß, unter den jungen Denedictinern auch einen seiner Diöcesanangehö-rigen alö Pater LudgcruS wieder zu finden. Am andern Morgen brachten Se. bischöfl.Gnaden auf dem in der FelSgrotte deS heil. Benedict errichteten Altare das heiligeMeßopfer dar und traten nach genauer Besichtigung aller Localitäten die Rückreisenach Rom über Tivoli an. (Münsterer S.-Bl.)

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