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„Wenn wir nun die Blicke auf diese unsere Stadt werfen, so finden wir ihrenUrsprung beinahe ungewiß. Doch steht eS unbezweifelt fest, daß der Ort, der unterdem Namen Agram am Bache Cirkveniza schon vor der Invasion der Tartaren bestand,durch diese beinahe zerstört wurde. Unbezweifelt steht eS ferner fest, daß der Berg,auf welchem heut zu Tage die obere Stadt gelegen ist, durch ein Privilegium KönigBela'S deS IV. nach der Vertreibung der Tataren zu einer Festung und königl. freienStadt erhoben worden ist und zwar kraft eines Diploms oder einer goldenen Bulle,die am 16. Nov. 1242 ausgefertigt wurde und deren sechshundertjährige Gedächtniß-feier wir jüngst gefeiert haben. Welche mannigfachen Wechselfälle im Verlaufe diesersechs Jahrhunderte unsere Stadt erfahren habe, zu erzählen, wäre wohl zu weitläuftigund auch fremd dem Orte und Zwecke dieser Feierlichkeiten. So viel ist gewiß, daßsie im Verlaufe so langer Jahre so zu sagen mit eigenen Augen die Schaaren dermohamedanischen Heere schaute, welche das Blut der anwohnenden Völkerschafteneinsogen, deren Wildheit jedoch die Tapferkeit der Kroaten, angefeuert durch die Treueund Liebe zum Kreuze mit solchem Glücke widerstand, daß dieser mächtigste Feind deöchristlichen Namens in die Stadt selbst niemals einzudringen vermochte. Nachdem daSVaterland von dem ungeheuren Joche der Türken durch beispielloses Vergießen christ.lichen BluteS befreit wurde, wuchs Agram trotz mancher herben, zeitweise auch blutigeninneren Verwirrungen und Aufstände, trotz der Feuersbrünste und mancher anderenLeiden mit den Jahren auch in der Anzahl seiner Bewohner, der Zahl und Zierlichkeitseiner Häuser, durch die Mannigfaltigkeit der schönen Künste und literarischen, so wieendlich durch Industrie, Handel und Ausbildung christlicher Sitten derart heran, daßsie in jeder Beziehung der Würde einer Metropole der Königreiche Kroatien undSlavonien würdig erachtet wurde. Sie wurde auch durch die neueste RegulirungOesterreichs der Sitz beinahe aller Dikasterien, welche sowohl in militärischer als inpolitischer und juridischer Hinsicht die öffentlichen Angelegenheiten leiten und hat durchdie neuerlich stattgefundene Ankunft ihres hohen Regenten, der sie gewürdigt wurde,solchen Schmuck erhalten, wie sie dessen selbst im Verlaufe langer Jahrzehnte nichttheilhaftig geworden ist."
„Einen wahrhast neuen und außerordentlichen Glanz jedoch bringt ihr der heu-tige Tag, an dem sie auch in kirchlicher Beziehung die Metropole veS Vaterlandeswird. Diese Zierde schien ihr bisher allein zur vollkommenen Würde zu fehlen. Undin der That muß dieser Zuwachs an Auszeichnung für sie auch einen um so größerenWerth haben, alö eö Allen bekannt ist, daß eS im ganzen Umkreise deS großenösterreichischen KaiserstaateS nicht mehr als zwölf und diese großentheils durch Größeund Ansehnlichkeit hervorragende Städte gibt, die der Prärogative sich rühmen können,welcher nun Agram theilhaftig wird."
. „Ich komme nun zur Kirche, meiner vielgeliebten Braut, welche deS heutigenTageS Festlichkeil ganz eigentlich betrifft. ES ist unzweifelbar, daß daS BiSthum unddie Kirche AgramS vom heiligen LadiSlauS, dem Könige Ungarns , gegründet wurde,wie auS den Diplomen der Nachfolgenden Könige, besonders dem im Jahre l2l7erlassenen Decrete Andreas II hervorgeht, obwohl eS ungewiß erscheint, ob die vomheiligen LadiSlauS gestiftete Kirche auch wirklich als dieselbe angenommen werdenkönne, welche unS in diesem Augenblicke in ihrem heiligen Schvoße umfaßt, da dieGeschichtschreiber in dieser Beziehung in verschiedenen Versionen abweichen. Dennochist nicht zu bezweifeln, daß auch die Agramer Kirche durch die alleS mit Feuer undSchwert vertilgenden Tataren beinahe vom Grund aus zerstört worden ist, und zwargegen das Jahr 1240, und daß sie anfangs deS vierzehnten Jahrhunderts noch nichtwieder hergestellt war, da der selige AugustinuS, der den Bischofssitz Agram im Jahre1306 eingenommen, die Zerstörung seiner Kathedralkirche in einer seiner Reden bitterbeklagte. Kaum daß sich unsere Kirche von dieser Verheerung zumeist durch dieSorgfalt unserer Bischöfe einigermaßen erholt hatte, erlitt sie gegen daS Ende desvierzehnten und zu Anfang deS fünfzehnten Jahrhunderts neue und (nicht ohne tiefeTrauer darf man dessen gedenken) durch Bürgerkriege hervorgerufene Zerstörungen;