Ausgabe 
13 (5.6.1853) 23
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auch blieb sie in dieser traurigen Verwüstung bis zum Jahre 1466, in welchemOswald den bischöflichen Sitz einnahm. Dieser würdige und durch seine Tugendausgezeichnete Kirchenfürst hat nicht nur bei seinen Lebzeiten viel zur Entfernung derUebelstände beigetragen, welche seiner Verlobten anklebten, sondern vermachte ihr auchin seinem Testamente eine ansehnliche Geldsumme zu ihrer Wiederherstellung und Er-bauung ihrer Thürme. So wurde denn dieser edle Tempel durch den unermüdetenEifer und die frommen Opfer der nachfolgenden Bischöfe, besonders aber des BischofsLukaS, dann des Thomas Bakocz von Erdeud, später Erzbischof von Gran undPrimaS von Ungarn , in seinem ursprünglichen Glänze wieder hergestellt. Doch nichtallzulange dürfte er sich dieses Gedeihens erfreuen; denn bald darauf, namentlich zuAnfang deS sechzehnten Jahrhunderts, während der Zapolyischen Unruhen wurde erunter dem Bischöfe Simon von Erdeud neuerdings verwüstet. AIS nämlich durchspanische Truppen daS erzbischöfliche Schloß belagert ward, wurden auch der Kirchezahllose Wunden versetzt, so zwar, daß ihre vom Bischöfe Oswald erbauten Thürmein Trümmer zusammenstürzten. Viele Jahre nach dem Bischöfe Simon entbehrtedie Basilika des Daches, und wie die Ueberlieferung verkündet hatte sie sogar durchvierzig Jahre unter einem Strohdache geseufzt."

Nachdem sie sodann durch die Vorsorge des Bischofs DraSkovic und dessenNachfolger einigermaaßen hergestellt worden, brannte sie 1624 vom Blitze getroffenab, bei welchem traurigen Vorfalle sie ihrer kostbarsten Geräthschaften beraubt wurde,so daß der durch jenes Gewitter entstandene Schaden auf 200,000 fl. geschätzt wurde."

Die nachfolgenden Bischöfe und unter ihnen besonders Franz ErgheliuSschonten keine Mühe, keine Arbeit, keine Kosten, daß diese ihre geliebte Braut ihrerTrauer entkleidet und würdig geschmückt werde. Und in der That gelangte unsereKirche auch durch die Freigebigkeit und den frommen Eifer mehrerer ihrer Vorsteherund mehrerer Domherren allmälig zu diesem ihrer Würde entsprechenden Zustande,den sie heute darbietet und den nicht wenige Fremde mit lebhaften Wohlgefallen zubetrachten pflegen, und sie dürfte mit der Zeit, so Gott will, auch noch eine Ver-mehrung ihres Schmuckes erhalten."

Bei alledem erscheint mir besonders bewundernSwerth, daß dieß GotteShauSnach so vielen und mannigfachen harten Leiden und so langer Zeit, deren eS bedürfte,um diese Riesenlast aus gehauenen Steinen aufzuführen, dennoch die ursprünglicheedle Reinheit ihrer Bauart beibehalten konnte."

Aber so vielen Schmuck und Zierden auch im Verlaufe so langer Zeiten unsereKathedrale erlangt haben mag, so sind sie doch alle zusammen nicht von so hohemWerthe, daß sie mit dem, den deS heutigen TageS Glück darbringt, verglichen werdenkönnten. Denn heute wird ihr der Name und die Würde einer Metropolitankirchedes gesammten Vaterlandes: nämlich der Königreiche Kroatien und Slavonien, zuTheil, wodurch alle Wunden, die ihr jemals durch der Zeit der Nöthen geschlagenwurden, alö geheilt betrachtet werden müssen. Ja nickt nur sind diese Wunden ge-heilt, sondern neue stärkende Kraft, neue Gnade, Mer Schmuck strömt ihr zu, sozwar, daß alle bisher von ihr errungenen Ruhmespreise durch dieses Diadem deSGlanzes geheiligt erscheinen."

WaS das Episkopat, daS Capitel und den übrigen KleruS anbelangt, so findeich nichts Besonderes zu bemerken. Denn ihr LooS, ihre Würde und all ihr Glück istinnig mit dem Schicksale der Kirche, ihrer Braut und Mutter verbunden; so zwar,daß wenn diese trauert, auch sie trauern, wenn jene von Gefahren bedroht wird,auch sie selbst durch eine beweinenSwerthe Last gedrückt werden und im Gegentheile,wenn jene getröstet und erhoben wird, auch sie sich erfreuen und frohlocken müssen."

Ich will bloß hinzufügen, daß es mich mit besonderem Wonnegefühle durch-strömt, daß ich meinen ehrwürdigen Senat, der sich stets und in jeder Hinsicht mitanderen Kathedral- und Metropolitan-Capiteln messen konnte und seinem Umfangenach leicht in der Monarchie den Vorrang hat; daß ich diesen meinen Senat sogleich,der mir stets ein getreuer Beistand in Erfüllung der heiligen ReligionSzwecke war, nnd