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der sich stets gegen mich wohlwollend, ja ehrerbietig benommen, zu der so ausgezeich-neten Würde eines Metropolitan-Capitels erhoben sehe."
„WaS meine schwache Person anbelangt, so ist eS Allen bekannt, daß sie ander Anregung dieser Angelegenheit keinen Antheil genommen hatte, und daher auchnicht theilhaftig seyn könne deS Ruhmes der Erhebung dieses bischöfliche» Sitzes zurMetropolitanwürde. Ich erkenne übrigens darin die göttliche Vorsehung und Güte,ja tiefgebeugt bete ich sie an, daß sie nach so vielen Unannehmlichkeiten, die ich imVerlaufe meiner fast sechzehnjährigen Verwesung deS BiöthumS zu erleiden hatte, diezumeist aus den ungünstigen Zeitverhältnissen hervorgingen und die zuweilen so herbwaren, daß ich den bischöflichen Sitz nicht mit Ehren mehr behaupten zu könnenerachtete und bereits ernstlich mich mit dem Gedanken ihm zu entsagen beschäftigte;daß, sage ich, nach so vielen Leiden und Wechselsällen die Lösung dieser Frage, die,wie wir auS der eben kurz vorher verlesenen päpstlichen Bulle erfahren, seit dem Jahre1227, also durch sechs Jahrhunderte und länger, verhandelt wurde, gerade in die Augen-blicke meiner Amtsverwaltung fallen mußte.
(Schluß folgt.,
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III IKl/l'j
Ueber die Mission auf dem Tpielberg
berichtet der hochw. Herr Bischof von Brünn in einem Hirtenbrief an seinen Klerus:„Der überaus günstige Erfolg, der die im August v. I. im hiesigen Provincial-Strafhause abgehaltene Mission begleitet, ist Veranlassung geworden, daß man dieselbeWohlthat auch für die Gefangenen des Spielberges in Antrag brachte. Die ehrwür-digen Väter auS der Congregation des allerheiligsten Erlösers sollten das apostolischeWerk übernehmen, und da die Kirche ob dem Spielberge gerade vor 100 Jahren ihreheilige Weihe erhalten, so sollte die vom 10. bis 17. April, also durch 8 Tage an-dauernde Mission zugleich die Stelle der Säcularfeier vertreten. Und fürwahr hätteeine passendere Feier nicht auSgedacht werden können. Der Herr zog in den Tagender Misston in hundert und hundert hochbeglückte Herzen ein und machte sie zu Seinenlebendigen Tempeln, wie Er vor 100 Jahren das aus Steinen gebaute HauS zueinem Gnadenwohnsitze erkoren und in dasselbe Seinen ersten Einzug gehalten hatte.Wir werden der erbaulichen Weise nicht vergessen, in welcher am 15. April die Sträf-linge slavischer Zunge und am 17. die deutschen Gefangenen die heilige Communionempfingen und der Andacht, mit welcher 110 der unfreiwilligen Bewohner des HauseSzum Empfange deS heiligen Sacramentes der Firmung vor uns erschienen."
„Wohl hatte schon in den ersten Tagen die Gnade mächtig gewirkt, die Krankenselbst begehrten, den Vorträgen in der Kirche beiwohnen zu dürfen, und denen dießvon Seite des Hausarztes gestattet wurde, die ließen sich auf den Schultern ihrerKameraden in die Versammlung tragen, die Andern harrten sehnsuchtsvoll der Rück-kunft ihrer glücklicheren Genossen, um über das in der Kirche Vernommene von ihnenbelehrt, dadurch getröstet und ausgerichtet zu werden. Den 15. April, den Freitag inder Missionswoche, begingen sämmtliche Gefangene als einen Fast- und Bußtag.Niemand hatte sie dazu aufgefordert; sie thaten dieß freiwillig und bestimmten, daßvon dem Betrage, der so bei ihrer Verköstigung entfiel, 20 fl. C. M. dem von Seinerkaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge Ferdinand Mar angeregtenKirchenbau und gleiche 20 fl. C. M. dem zu errichtenden Knaben-Seminarium zuge-führt werden; einen Theil des Betrages aber verwendeten sie zur Bekleidung einesWaisenknaben. So ist wieder, wo die Sünde übergroß gewesen, die Gnade nochüberschwenglicher geworden (Röm. V. 20), und einer der Sträflinge hat dieser That-sache in den nachstehenden Zeilen Wort und Ausdruck geliehen, die, weil zur Danker-stattung an den Hausseelsorger gerichtet, zugleich ein Zeugniß abgeben werden, daßdie Auctorität des ordentlichen Seelsorgers durch die Berufung einer Mission nichtleidet."