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neun Jahren in kindlicher Einfalt und sehr rührenden Ausdrücken an die heil. Jungfraurichtete. Während der vier Jahre, welche Adele im Kloster zubrachte, diente sie allezeitihren Gefährtinnen als leuchtendes Beispiel. Sie sah gerade ihrer ersten heil. Com-munion entgegen, als ihre Mutter von einer schmerzlichen Krankheit befallen, der sieauch erlag, dem Wunsche nicht widerstehen konnte, in der Gesellschaft ihrer Tochtereine Erleichterung ihrer Schmerzen zu finden und sie zu sich berief. Daß sie geradein diesem Augenblicke daS Kloster verlassen sollte, war Adele sehr schmerzlich, aberdennoch folgte sie dem Rufe der Pflicht, nicht achtend aus die verschiedenen Meinungenihrer Verwandten. „Meine Mutter verlassen, sagte sie, „und das gerade in einemAugenblicke, wo sie meiner Tröstungen am meisten bedarf! nein, ich würde es mirmein ganzes Leben vorwerfen" Ihre kindliche Liebe erhielt auch den süßesten Lohn,die heiß erflehte Gewährung ihres Gebetes, ihre Mutter sich Gott mehr nähern unddahin scheiden zu sehen mit den erbaulichsten Gefühlen christlicher Frömmigkeit, gestärktdurch die Tröstungen unserer heiligen Religion. War nun darin auch einiger Trost,so fühlte das arme Kind nicht minder schmerzlich den unersetzlichen Verlust. Aber ihrGlaube hatte sich befestiget während dieser PrüsungSzeit; der tägliche Anblick ihrerleidenden Mutter sie in steter Ergebung in den Willen Gottes erhalten.
Zwei Monate nach dem Tode ihrer Mutter kehrte Adele in daS Kloster zurück.Das Leben außerhalb desselben hatte ihr nichts von ihrer Andacht und ihrem pünct-lichen Gehorsam geraubt. Um auf dem Wege der Erkenntniß Gottes und ihres eigenenHerzenS immer weiter fort zu schreiten, hatte sie die sromme Gewohnheit genommen,einen Tag in jedem Monate der besondern Zurückgezogeuhcit und dem Gebete zu weihen,von welcher Uebung sie selbst während der Ferien nicht abließ. Ihre aufrichtige undhandelnde Frömmigkeit war zugleich innig und zart; ihre vorzügliche Liebe und Ver-ehrung zur heil. Jungfrau, der sie wirklich so recht als gehorsame Tochter diente, machtesie bald werth, in den Verein der sogenannten Marienkinder (eokmts äe Mrie) auf-genommen zu werden, was schon lange ihr sehnlichster Wunsch war. Bald nachherwurde sie krank, konnte sich aber nicht entschließen, nach dem Krankenzimmer zu gehen,weil, wie sie sagte, sie dasselbe nicht mehr verlassen würde. MS man sie aber endlichdoch dazu beredet hatte, fügte sie sich darein, indem sie wie gewöhnlich mit den Wortensich tröstete: „Gott will eS also." — Als man sie übrigens beruhigen wollte über denGedanken an ihren Tod, meinte sie: „O nein, nein, glaubt doch nicht, daß derTod für mich etwas Trauriges habe; wenn etwas mich könnte genesen lassen, so wäreeS der Gedanke daran. Wie könnte eS mich betrüben, zu Gott zurückzukehren, dermein bester Vater ist und nur mein Wohl will!" Da ihr Uebel immer zunahm, hatteman sie auf'S Land gebracht, die gehoffte Besserung erfolgte aber nicht. FortwährendesErbrechen, begleitet von einem auszehrenden Fieber, brachten sie bald an den Randdes Grabes. Als man ihr solches entdeckte, schien sie doch etwas betroffen; der Herrwollte in seiner Weisheit ein vollkommenes Opfer ihres Lebens, denn er ließ es zu,daß die natürliche Anhänglichkeit an das Leben in ihr erwachte, und sie, die mit solcherFreude dem Tode entgegen gesehen, ihn jetzt fürchtete. Mehrere Tage dauerte derKampf, bis sie endlich einen vollkommenen und glorreichen Sieg erlangte, und derHerr, mit dem Opfer zufrieden, ihr ihre erste Sehnsucht wieder zurückgab. Ihr ein-ziges Stärkungsmittel war, öfter in der Woche das heil. Sacrament zu empfangen,und an den Tagen, wo ihr solches nicht vergönnt war, sich wenigstens geistlicherWeise recht innig dem Herrn zu vereinen. Den Tag, an dem sie die letzte heil. Oelungempfing, wurde ihr lebendiger Glaube noch erhöht; sie fühlte sich wohler darauf, wiedieß oft der Fall ist. „Ach l" seufzte sie — „ich leide nicht mehr; welches Unglück,wenn ich genesen sollte!" Von diesem Augenblicke an verschwand das Irdische mehrund mehr aus ihrer Erinnerung, sie sah nur mehr den Himmel und seine Schönheitund den Herrn, der ihr die Arme liebreich entgegenhielt. An einem der letzten Tageihres Lebens, da sie sich allein glaubte, hörte man sie plötzlich stärker als gewöhnlichausrufen: „Wie viele Menschen, die Dich, o Gott, nicht kennen! die Dich lästern,statt Dich zu lieben, wie es Deine Güte gegen Alle doch so sehr verdient. Arme