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anzuführen. Eines bloß, was meine Seele oft bewegt, glaubte ich bemerken zu müssen:daß selbst jene Leiden und Gefahren, welche von der Gottlosigkeit verworfener Menschenihm zugefügt und bereitet wurden, so wenig seinem unvergänglichen Ruhme Eintragzu thun vermögen, daß sie ihm vielmehr noch einen größeren Glanz verleihen. Denner erlitt diese Unwürdigkeiten wegen seiner unerschöpflichen Herzensgüte, wegen derausgezeichneten Aufrichtigkeit seines Gemüthes, wegen des zarten Gefühles der Huma-nität, das ihm angeboren ist, und endlich darum, weil ein Herz von solchem Edel«muth gern auch andere sich gleichgeschafsen wähnt und sich nicht leicht zu überredenvermag, daß eS einen solchen Grad von Verworfenheit unter den Menschen gebenkann, daß sie sich nicht scheuen, selbst die freiwilligen Gnadengeschenke edler Menschenzum Verderben ihrer Wohlthäter zu mißbrauchen."
„ES gibt noch einen Namen, der bei dieses heutigen TageS Wichtigkeit unserehöchste Beachtung, unsere tiefste Verebrung, unsere innigste Liebe erheischt. DieserName, eö ist Dein ausgezeichneter Name, der Name Deiner Eminenz, hochwürdigsterCardinalpriester der heiligen römischen Kirche, Erzbischof und apostolischer Nuntius!Du hast nämlich den Antrag der Erhebung zur Metropole dieser Kirche gleich in ihremBeginne gütig aufgenommen, thätig gefördert, mit Deiner mächtigen Stimme unter-stützt und mit allen Hülfsmitteln versehen, welche nur irgendwie zu einem glücklichenAusgange zu führen vermochten. Dieser Deiner ausgezeichneten Anstrengung hast Duüberdieß noch dadurch den höchsten Gipfelpunkt verliehen, daß Du nicht bloß mit be-reitwilligem Herzen diesen zum Vollzüge vom heiligen Vater Dir übertragenen Austragübernahmst, sondern auch, obschon Du die Befugniß hattest, zu diesem Behufe einenAnderen zu beauftragen, obschon Du ferner durch das mit dem österreichischen Hofeabzuschließende Concordat überaus in Anspruch genommen warst. doch weder durch dieBeschränktheit Deiner Muße, noch durch die Beschwerden der weiten Reise, noch auchdurch Deine neue CardinalSwürde, über der eS nach dem höchsten Pontificat in derKirche keine höhere gibt, Dich von der Hieherkunft abHallen ließest. Durch dieseThaten haft Du in den Herzen des kroatischen und slavonischen Volkes Dir ein unver-gängliches Denkmal gesetzt. Rom mag Deine Treue, Frömmigkeit und die unerschütter-liche Seelenstärke bewundern; Deutschland , in dessen Umfange Du in so vielen Sen-dungen mit Auszeichnung gewirkt hast, möge Deine Geistesschärfe, Deine ausgezeich-neten Kenntnisse preisen, Oesterreichs Hauptstadt möge Deine Großmuth, Aufrichtig-keit, Sanftmuth und übrigen Tugenden mit gerechtem Lobe seiern: unS genügt, wasich eben angedeutet, Dein- Menschenfreundlichkeit gegen uns und Dein gnädiges Wohl-wollen, um Dein Gedächtniß mit unvertilgbaren Zeichen in unsere Herzen zu graben;zumal wir in unsern Annalen keine Spur finden, daß ein apostolischer Nuntius dieseLänder mit seiner Gegenwart erfreut hätte. Nicht mein glühendster Wunsch allein,sondern (vertrauend spreche ich eS aus) der Wunsch des gesammten österreichischenKleruS ist es, daß wir niemals, so lange uns und Dir der Genuß dieses Lichtes übrigbleibt, Deines Anblicks, Deines Schutzes beraubt werden; waS wir indeß kaum zuhoffen wagen dürfen, schon aus dem Grunde, weil auch andere, aus dem allgemeinenJnteresse der Kirche entspringende Ursachen, früher oder später Deine Anwesenheit inder Metropole der Christenheit erfordern werden; der Trost bleibt uns jedoch bei DeinemScheiden, daß Dein theures Andenken so sehr unseren Herzen eingeprägt ist, daß keinTag es mehr zu verwischen und kein Wechsel glücklicher oder unglücklicher EreignisseeS jemals zu verdunkeln vermag. Doch wahrlich eS ist Zeit, meiner Rede Einhaltzu thun."
„Dir, himmlischer Vater, Gott des Erbarmens, Quell aller Gnade und allesTrostes sey der Schluß meiner Rede gewidmet! Von Dir gelangt alles das Gute,dessen wir uns erfreuen, von Dir, der wie Du oft deine Getreuen mit Deiner väter-lichen Strafe heimsuchst, so auch wieder bei günstiger Gelegenheit sie mit Freude auf-richtest unv sie mit den Wohlthaten Deiner Segnungen überfluthest. Lob, Ruhm undJubel Dir für so große Wohlthaten und ewige Dankbarkeit. Es ist wahrhast würdigund gerecht, wenn wir an diesem so vorzugsweise festlichen Tage Dir ein heiliges