Ausgabe 
13 (12.6.1853) 24
Seite
189
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

180

und besonders in dieser berühmten Stadt in immer lebhafterem Glänze erscheint, zulöschen, sondern sie gegen den Urheber jeder vollkommenen Gabe*) aufsteigen zu lassen.Und wer könnte eS Euerm Bischöfe, der in Mitte der Wunderwerke Eurer stets weiter-schreitcnden Industrie lebt, verargen, wenn er Euch die Gefahren bezeichnet, welcheder Religion begegnen könnten bei dieser allgemeinen Hingebung aller Eurer Fähig-keiten an neue Erfindungen, bei diesem heißen Kampfe aller arbeitenden Geisteskräfte,welche dem Geheimnisse, in kürzester Zeit und mit wenigen Händen recht viel Wohlstandzu schaffen und so das allgemeine Beste wie daS deS Einzelnen recht schnell zu fördern,immer mehr auf den Grund ju kommen streben.

Vergesset, geliebteste Brüder, den TitelKinder GotteS" nicht, den Ihr bei derheiligen Taufe erhieltet und vergesset die Versprechungen nicht, welche man damalsfür Euch machte und die Ihr bestätigt habt. Zu Christen müssen Wir in christlicherSprache reden! Durch die um Euch her wogende Fluth von Aufklärung verblendet,könnten Eure Augen vielleicht die Klippen n>cht gewahren, deren die Laufbahn derIndustrie in Fülle zählet; Wir wollen Euch selbe zeigen. Euer Geist, bezaubert vonden Reizen der an Wunder gränzenden Schöpfungen menschlicher Macht, könnte sichwohl leicht gefährlichen Täuschungen hingeben und vor solcher Bethörung wollen WirEuch wahren. Für eine unsterbliche Seele beschränkt sich nicht Alles auf die Erde,und daS Ziel ihres StrebenS sey nicht allein daS Gluck eines TageS. Sie ist fürhöhere Bestimmungen berufen, und AlleS, waS sie veranlassen könnte, ein irdisches Gutmit der ganzen Kraft ihres ScynS zu verfolgen, prüfe sie mißtrauisch und vorsichtig.

Glaubet nicht, gcliebteste Brüder, daß Wir im Namen der Religion Hieher kamen,die Industrie ^u bekämpfen und sie Euch etwa als Freundin Eurer Seelen, VerderberinEurer Sitten und als Herd aller Leidenschaften darzustellen. Eine derartige Gering-schätzung wäre zu ungerecht, um von Lippen zu kommen, welche die Wahrheit sowohlals die Wissenschaft zu hüten berufen sind. Nein, wir verkennen nicht daS VermögendeS Menschen, täglich neue Mittel zu ersinnen, um Rohstoffe zu seinem Gebrauche zubearbeiten, die Elemente zu seinem Vortheile und Gefallen zu bezähmen, sich immermehr und mehr zu erheben, um einzudringen in die Plane der Vorsehung bei Bildungund Erhaltung der Geschöpfe, um einigermaßen die leisesten Geheimnisse der Naturzu entschleiern und so nach und nach die ihm von Gott über alle Schöpfungöwerkegegebene Herrschast auszudehnen und sich zuzusichern. Wir wissen, daß Gott seinemEbenbilde einen LebenSgeist eingehaucht habe, und daß jedes vernunftbegabte Geschöpfauf seiner Stirne das Siegel göttlichen Ursprungs trage.

Die Religion, geliebteste Brüder, theilt all Eure bewundernde Liebe zur Indu-strie, sie freut sich über deren glückliche Erfolge und muntert zu neuen Anstrengungenauf. Zeichnete nicht schon die heilige Schrift in ihren geweihten Blättern den Namendesjenigen auf, der zuerst versuchte, auf dem Ambos Eisen und Erz zu schmieden**)?Ueberhäufte sie nicht mir Lob den Sohn U'i's, der von GotteS Geist mit Weisheitund Kenntniß begabt, Werke in Gold, Silber und Erz" und Steine und Metalleschnitt***)? Feierte sie nicht den Ruhm Coliad's, dem keiner gleich kam in der KunstStoffe zu särden und ihr prächtiges Gewebe durch reiche Stickereien hervorzuheben?Wollre sie nicht bis auf die letzten Generalionen den Namen desjenigen verpflanzen,der so unvergleichliches Holzwerk zimmerte: ^i-titex liZnorum egre-Aius f)? Und liefertuns heutzutage der Kuustfleiß nicht sein wie Seide geiponneneö Gold, um unsere Altäremit den kostbarsten Werken seiner Hände zu bedecken. Für die Industrie gibt eS keinunbezwinglicheS Element m.hr. Will sie Einen von einer Hemisphäre in die anvereversetzen, so gehorchen Winde und Wellen ihrer Stimme, und daS wildaufbrausendeMeer vermag nicht, ihren flüchtigen Lauf zu sperren. Sie scherzt mit den Stürmenwie der Wallfisch in den Tiefen des Oceans.

") Jac. 1. t?") Genes. IV. 22.'") Lxod. XXXV. 3V.

5) Ibicj. XXXVIII. 23.