Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
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Allgsbnrger Postzeitung.
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14 August. ^ SS 1853.
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<lm» ! >IIU^ AMi S! s. (Zweiter Artikel.)
Die großen Bemühungen des Papstes Eugen IV. , die lateinische und griechischeKirche wieder zu vereinigen, scheiterten zunächst an dem Haß und der Halsstarrigkeitder russischen Großfürsten, die nicht selten in ihrem verwerflichen Bestreben von feilenund charakterlosen Metropoliten unterstützt wurden. Alle Mühen des frommen Jsidor,die Beschlüsse des allgemeinen Concils von Florenz , an deren Abfassung er so treumitgearbeitet hatte, zur Ausführung zn bringen, waren vergebens, obschon er gleichnach dem Schlüsse dieses Concils das Werk der Wiedervereinigung mit Muth undFestigkeit in Angriff nahm. Schon auf dem Rückwege, von Ofen aus, sandteJsidor seine Hirtenbriefe nach Rußland , namentlich aber an die Bischöfe der südlichenMetropolen, in welchen er ihnen die eben^ zn Florenz erfolgte Vereinigung beiderKirchen anzeigt, sie znr Annahme des Unionödecreteö ausfordert, und zugleich dielateinischen Bischöfe von Polen, Litthauen und Livland ermuntert, die Griechen nunin aller Wahrheit als ihre Brüder zu lieben und mit ihnen in Sachen des Glaubensund Gottesdienstes ohne Unterschied deS kirchlichen Ritus innige Gemeinschaft zuunierhalten.
Noch vor dem Ablauf beö Jahres 1439 langte Jsidor zu Kiew an, undward unter allgemeinem Jubel des Volkes, des Klerus und der Herrscher von Polen und Litthauen empfangen. Die Union fand hier in Kiew keinen Widerstand; allenahmen sie freudig au. — Ganz anders aber stand eS in Moskau , wo Jsidor imFrühling des folgenden Jahres anlangte, und da der Ruf der erfolgten Union ihmvorangeeilt war, mit großer Gespanntheit erwartet wurde. Doch muthigen Geistes,ohne sich durch die bevorstehenden Gefahren abschrecken zu lassen, begab er sich gleichbei seiner Ankunft unter Vvrtragnng des lateinischen Krenzes und dreier silbernenBischofsstäbe in die Kirche zur heil. Jungfrau im Kremel, wo ihn die Geistlichkeit,die Bojaren, Fürsten und ein zahlreiches Volk empfingen. Kaum hatte Jsidor denGottesdienst geendet, so bestieg in seinem Auftrag ein Diakon die Kanzel und verkün-dete den Anwesenden das florentinische Unionsdecret. Alle schüttelten hierbei die Köpfeund gingen bestürzt nach Hause. Nun überreichte Jsidor dem Großfürsten ein eigen-händiges Schreiben des Papstes, welches in den liebevollsten Worten abgefaßt war.Der Papst ersuchte in diesem Schreiben den Großfürsteil zur Annahme d-r Union undbat ihn zugleich, den Metropoliten in, Liebe aufzunehmen und ihn im rnhigcn undfriedlichen Besitze seiner Rechte zu lassen. Doch der Großfürst war der Union durchausabgeneigt; er wollte von ihr nichts wissen, wie sehr und beredt ihm auch der Nutzenderselben für Rußland von Jsidor dargestellt wurde. Er ließ vielmehr nach wenigenTagen den eifrigen Jsidor ergreifen, ihn aus seiner Wohnung holen und in einKlostergefängniß abführen. In diesem Gefängniß schmachtete er zwei Jahre, bis erendlich im September 1443 heimlich durch die Flucht entkam und nach Rom eilte.Hier wirkte er mit seinem frühern Eifer für die Aufrechthaltung der Union der Kirche