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seines Vaterlandes und starb als erwählter Patriarch von Konftantinopel in Rom am27. April 1463, wegen seiner großen Kenntnisse und hohen Verdienste allgemein betrauert.
In JsidorS Stelle trat dessen treuer Gefährte, der fromme und friedfertigeGregor. Eugen IV. ertheilte ihm im't eigenen Händen in Rom die heil. Weihenim Jahre 1444. Aber alle Bemühungen, den Großfürsten von Rußland zur Aner-kennung dieses Metropoliten zu bewegen, scheiterten gänzlich. Er befahl vielmehr denrussischen Bischöfen, sofort zur Wahl eines neuen Metropoliten zu schreiten. Es wurdeJonaS, Erzbischof von Räsan, ein bitterer und erklärter Feind der Union, zumMetropoliten gewählt. Er war eifrig bemüht, die russische Kirche immer mehr unterdie Knechtschaft der Großfürsten zu bringen. Ein Nachfolger deS Jonas, der Me-tropolit Philipp von Moskau, erließ gegen die Gläubigen von Nowgorod , die mitihrem Erzbischof zur Union übertreten wollten, einen Hirtenbrief, worin er ihnen mitallen Strafen der Holle droht, falls sie die gottlose That der Aussöhnung begehenwürden. Sehr bald aber mußte die russische Kirche, da sie die Vaterhand des römischenPapstes von sich gewiesen, daS eiserne Scepter des Großfürsten führen. Iwan IV. war ein furchtbarer Tyrann, so daß er sich den Namen des Schrecklichen erworben.Im Staate wie in der Kirche kannte er kein anderes Gesetz als seine Laune, undkühlte sich überall, wo ihm nur Widerstand geschah, am unschuldigen Blute. KeinHerrscher vor ihm hat mit einer so gottlosen Frechheit, wie er, im Heiligthum gewü-thet, und die Zügel der Kirche an sich gerissen. Weder Tugend noch Verdienst, nochdie Würde der Oberhirten der Kirche war ihm heilig. Grausam wüthete er gegen denMetropoliten Philipp II. , der ihm sein Lasterleben vorgehalten hatte. Obschon einachtzigjähriger Greis, wurde er dennoch aus einem Schubkarren in ein Klostergefängnißgeschleift, wo ihn Iwan mit Keulen hätte todtschlagcn lassen, wenn ihn nicht dasJammergeschrei des Volkes abgehalten hätte. Acht Tage schmachtete der Metropolit,der sich in seinem Elend würdig und edel bezeugte, im Gefängniß und rang hier, auchdes Nöthigsten beraubt, mit dem Tode. Um ihn seine Rache noch mehr sühlen zulassen, wüthete der Czar mit gleicher Grausamkeit gegen seine Verwandten und schickteihm daö noch triefende Haupt seines edlen Neffen, das so eben unter dem Beile deöHenkers gefallen war. Philipp segnete es und schickte eS ihm gelassen zurück.Endlich ließ Iwan den Greis auf das grausamste im Gefängniß erdrosseln. —Auch der gewandte Pimen, Erzbischof von Nowgorod , der lange Zeit IwansFreundschaft genossen, entging dem Tode nicht. — Auch der Nachfolger PimenS,der Erzbischof Leo nidaS, ein feiger Lvbredner der Leidenschaften des Großfürsten,wurde, weil er dem Wüstling die von der griechischen Kirche verbotene vierte Ehe nichterlauben wollte, in eine Bärenhaut genäht und lebendig von Hunden zerrissen. —Der KleruS sank sehr tief unter diesem Despoten. Iwan raubte den Bischöfen alleRechte und Privilegien, und ließ ihnen nur das von ihrer Würde unzertrennlicheOrdinationSrccht, um die Kirche mit den nöthigen Dienern. versehen zu können. Erselbst rief die Concilien zusammen und war hier Vorsitzer und Richter in geistlichenwie in weltlichen Angelegenheiten der Kirche. Die Bischöfe mußten seine Verordnungenals Gesetze GotleS annehmen. Sie hatten nicht einmal die Freiheit, das sittlicheRichteramt bei ihrem Klerus ausüben zu können. Durch einen Ukas vom 12. April1552 errichtete er ein hohes polizeiliches Tribunal, dem zwei Laien vorgesetzt wurden,das über die Sittlichkeit deS gesammten KleruS, der Priester und Mönche, wachensollte. Seine beiden Günstlinge waren die ersten Vorsitzer dieses Sittengerichtshofes. —Iwan war seinem Glauben nach, wenn man sonst bei ihm von Glauben sprechenkann, ein trauriges Gemisch von Griechenthum, LutheraniSmuS und Heidenthum.Gegen daS Jahr 1565 zeigte er sich sehr geneigt, die AugSburgische Consession, dieihm sein Liebling, der lutherische Liesländer Eberfeld, einzuschmeicheln suchte, anzu-nehmen. Seit dieser Zeit haben die Protestanten eine Kirche in Moskau . DenMetropoliten AthanasiuS bestrafte Iwan mit einer Geldbuße von 60,000 Rubeln,einer für diese Zeit unerhörten Summe, weil er sich der Einführung deS Protestan-tismus widersetzte. — Iwans Sohn und Nachfolger, der Großfürst Feodor I.Iwanowicz (1584—1589) herrschte nur dem Scheine nach; die Zügel des Reiches