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führte sein Günstling, der allgewaltige Fürst Boris Gudonow, dessen Schwesterder junge Czar zur Gemahlin hatte. Gudonow trat in die Fußstapfen deS ver-storbenen Iwan, und regierte gleich ihm mit zügelloser Willkür und GrausamkeitKirche und Staat, Er stürzte und verbannte die Bischöfe nach Belieben und erhobendlich den kriechenden und gewissenlosen Schmeichler Hiob auf den Metropolitenstuhl,und erkaufte ihm, um sich diesen desto mehr zu befreunden, und mit seiner HülfeKlerus, Adel und Volk unter dem schwachen Czaren vollends unter die Füße tretenzu können, von dem Patriarchen von Konstantinopel die Patriarchenwürde.
Seit CerulariuS waren fast alle Patriarchen von Konstantinopel mit wenigenAusnahmen verworfene Männer. Als Konstantinopel vollends in die Hände derTürken gerieth, schwand auch jede Spur priesterlicher Würde in den Oberhirten dergriechischen Kirche. Sie schwangen sich von nun an nur durch Nerruchtheiten unddurch die Macht des Harems auf den Patriarchenstuhl, und konnten sich auch nur durcheine fortlaufende Kette von Schandthaten auf ihm erhalten. Nicht der heilige Geist,sondern die größere und kleinere Summe Geldes, welche der jedesmalige Bewerber anjunge Sultaninnen, namentlich waren solche vom Glauben abgefallene Griechinnen,verschwendete, verfügte jetzt über den ersten Stuhl der griechischen Kirche. Außerdemmußte jeoer Patriarch bei dem Antritte seiner Regierung die Hand dem Sultan küssen,ihn, den Muhamedaner, um die Bestätigung seiner Würde ersuchen und dafür einenansehnlichen Tribut in Gold, PeScesion genannt, entrichten. — So tief sank derPatriarcheustuhl der griechischen Kirche nach seiner Trennung von Rom . Jetzt beklei-dete diese Würde der berüchtigte Jeremias II . Mit ihm stritten seit dem Jahre1572 der gcmeine und vertriebene Metrophonos III., sein Vorgänger, und dieverworfenen Pachomius und Theolept um den Patriarchenstuhl; alle vierstürzten und erhoben sich gegenseitig durch den Einfluß des Haremsin ihrer hohen Würde. Mit MetrovhonoS Tode im Jahre 1530 schienenruhigere Zeilen für Jeremias eintreten zu wollen, als plötzlich der Laie Theolept,Schwestersohn des MetrophonoS, der ihn kurz vor seinem Tode ohne jede Beobachtungder kirchlichen Jnterstiticn in drei aufeinander folgenden Tagen zum Diakon« Priesterund Metropoliten von Philippopoli gemacht hatte, sich gegen ihn erhob, und ihn beimSultan des Majestätsverbrechens und anderer Missethaten beklagte. Jeremiasward entsetzt und in's Gefängniß geworfen, woraus er jedoch wieder befreit wurde.Der Sultan ließ nun den verruchten Mönch Pachomius auf den Patriarchenstuhlerheben. Jeremias mußte abermals seine Würde niederlegen. Nachdem aberTheolept auch den Pachomius gestürzt, brachte er es so weit, daß er vomSultan für ungeheure Geldsummen zum Patriarchen ernannt wurde. So hatte derStuhl von Konstantinopel drei Häupter, Jeremias, Pachomius und Theolept,von denen jeder mit Hülse griechischer Eunuchen des Harems seine Rechte geltend zumachen suchte. Endlich erschlich sich Jeremias den Alleinbesitz dieses Stuhles, indemer dem Pachomius und Theolept eine jährliche Pension von 50V Dukaten inGold bezahlte.
(Schluß folgt.)
Leben des ehrwürdigen Johannes Grande .
(Fortsetzung.)IV.
Johannes' Thätigkeit und hohe Vereinigung mit Gott .So zahlreich und mannigfaltig auch die Geschäfte seyn mochten, denen Johannessich unterziehen mußte, und so viel sie ihn auch nöthigten, in und außer den Spi-tälern mit Menschen aus allen Sränden zu verkehren, so vermochten sie eS doch nicht,ihn mit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilenihn im Umgange mit Gott zu stören oder seinen Eifer in den Uebungen der Frömmigkeitauch nur zu mindern. Er hatte alle diese Arbeiten nur für Gott unternommen,und daher kehrte er von ihnen ohne Schwierigkeit zur Unterhaltung mit Gott zurück,