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oder verlor ihn vielmehr während derselben nie aus den Augen. Er setzte seine strengenBußwerke sort und brachte, wenn gleich von den Anstrengungen deS TageS ermattet,mehrere Stunden und zuweilen die ganze Nacht im Gebete zu. Durch die standhafteAbtödiung aller Leidenschaften und diesen fortwährenden Umgang mit Gott gelangteer zu einer solchen Leichtigkeit, sei i ganzes Herz zu ihm zu erheben, daß er nur dasGebet zu beginnen brauchte, um auch sogleich in den Gegenstand seiner Liebe ganzversenkt zu werden. Zwar war ihm Gott überall gegenwärtig, und an jedem Ortesah man ihn mit dieser tiefsten Versammlung beten; aber so oft es ihm möglich war,verrichtete er sein Gebci vor dem hochwürdigen Gute, und seine Ändacht zu dem indiesem Geheimnisse unS stets nahen Erlöser war so groß, daß er nur mit Mühe sichvon ihm entfernen konnte, oftmals auch von seinen Brüdern wie aus tiefem Schlummergeweckt, ja mit sanfter Gewalt fortgebracht werden mußte.
Aber wenn seine äußeren Beschäftigungen für ihn kein Hinderniß des Umgangesmit Gott waren, so war auch hinwiederum die Andacht kein Hinderniß seines Wir-kens für den Nächsten. Wie wir oben die höchste Reinheit deS Lebens mit der größtenStrenge der Buße in ihm vereinigt sahen, so finden wir nuu auch in ihm alle Gaben,ja alle Wunder des beschaulichen Lebens mit der rastlosesten Thätigkeit verbunden.Vom Gebete eilte Johannes an die Betten der Kranken, in die Hütten der Armen,in die Paläste der Reichen: nicht selten geschah es, daß er während des Gebetes er-kannte, wo seine Hülse nöthig sey. So vernahm er einst, vor dem Hochwiirdigenkniend, den Befehl, in das Krankenzimmer zu eileu, weil seine Kinder — denn sonannte er die Kranken — seiner bedürften. Er eilte hin und fand einen Krankenohne Besinnung und in der heftigsten Aufregung. Johannes bezeichnete ihn mit demheil. Krenzzeichen, und alsbald war der Leidende nicht nur rnhig, sondern auch geheilt.Ein anderer aber lag in den Todesängsten, auf das heftigste zur Lerzweifluuz versucht.Wenige Worte, die der Diener Gottes zu ihm redete, führten die Ruhe in sein Ge-müth zurück, und er starb mit großer Zuversicht, bei Gott Barmherzigkeit zu finden. —ES ist nun wohl nicht nöthig, den Er er der Liebe, mit welchem Johannes sich über-haupt .dem Dienste der Kranken hingab, z» beschreiben, wie er von Bett zu Betteille, um zu sehen, wessen sie bedürften, wie er sie speiste, wie er diesem die Wundenverband, jenem die Arznei eingab, ihre Betten machte und die niedrigsten Dienste ihnenleistete. Aber nicht ohne Erstaunen kann man vernehmen, wie viele andere Werkeder Barmherzigkeit er noch zu verrichten im Stande war. Die Armen der Stadtkamen schaarenweise in'ö Spital, und sie wurden gespeist, oft auch gekleidet. EineMenge Hau?armen erhielten von Johannes die Unterstützung, welche die Scham sieabhielt zu begehre». Jungfrauen, deren Sitten in Gefahr waren, Sünderinnen, diesich bekehren wollten, Kinder, die ohne Obdach umherirrten, wurden von ihm nichtnur im Augenblicke höchster Noth unterstützt, sondern auch für immer versorgt. —Einst landeten in Lerez gegen dreihuudert spanische Soldaten, welche von Cadir, nach-dem die Engländer die Insel mit Sturm genommen hatten, geflüchtet waren und indem Hasen von Terez von Allem entblößt, ermattet und zum Theil krauk und ver-wundet einliefen. Johannes nahm sie alle auf, und fand Mittel, sie alle zu ver-pflegen. — Aber auch die ganze Bevölkerung der Stadt uud Umgegeud sollte in ihmeinen rettenden Engel in höchster Noth finden. Es war im Jahre 1579 auf einegroße Überschwemmung eine allgemeine Theurnng erfolgt. Seit man sie vorhergesehen,hatte Johannes eine große Menge Getreides zusammengebracht, und sämmtliche Armeder Stadt in drei Classen, Männer, Weiber, Kinder, theilend, ließ er ihnen täglichnicht nur Brod, sondern auch andere LebenSmittel reichen. Er setzte diese Spende, —nicht ohne einen göttlichen Beistand, der vielen wunderbar schien, — mehrere Monatesort, und rettete auf diese Weise die volkreiche Stadt von dem vielfachen Elende, dasmit einer Hungerönoth pflegt verbunden zu seyu. — Jmnur mehr also verbreitetesich durch ganz Andalusien der Ruf Johannes' dcv Sünders, und man nannte ihneinen zweiten Johannes von Gott .
Aber wie dieser sein Vater, also war auch er noch weit mehr um das Heilder Seele, als um das leibliche Wohl seines Nächsten besorgt, und obschon er eS als