seinen eigentlichen Berns ansah, den Seelen dadurch nützlich zu seyn, daß er daSElend des Leibes milderte; so unterließ er doch nichts, wodurch er auch unmittelbarzur Belehrung und Besserung seiner Mitmenschen beitragen konnte. Kaum war einKranker im Spital angekommen und hatte die erste Pflege empfangen, so war auchJohannes an seiner Seite, um ihn mit liebevollen Worten zum Empfang der heiligenSacramente vorzubereiten. Er pflegte bei dieser Gelegenheit zu sagen, — was dieErfahrung in alleu Anstalten dieser Art bewährt, — erst dann würden die Arzneienaus den Körper heilsam einwirken, wann zuvor die Seele vom ln'mmlischen Arzte ge-heilt und mit Gott durch die Gnade des Erlösers versöhnt wäre. Geschah eS nun,daß ein Kranker so heilsamen Ermahnungen widerstrebte, so war der fromme Johannesweil entfernt, es bei diesem ersten Zureden bewenden zu lassen. Gott hatte ihm einenatürliche Gabe, an das Herz zu reden, verliehen, und die Fülle der Gnade, die inihm wohnte, verlieh überdieß seinen Worten eine höhere Weihe. Wenn nun irgendeine verhärtete Seele auch dieser Beredsamkeit widerstand, so nahm Johannes seineZuflncht zum Gebete und zur Buße. Die Augen deS Geistes auf den Gekreuzigtenrichtend, opferte er nach dem Beispiele desselben mit seineu Thränen seine Schmerzenund oft auch sein Blnt für das Heil der Sünder auf. Einst kehrte er nach solchemvon Bußwerken begleiteten Gebet zu einem Kranken zurück, der hartnäckig alle Ermah-nungen zur Bekehrung von sich gewiesen hatte. Jetzt zeigte sich derselbe sofort bereit,in den heil. Sacramentcn Versöhnung mit Gott zu suchen, legle mit sichtbaren Zeichentiefer Reue während mehrerer Stunden seine Beichte ab, und verschied eine Stundenachher mit solcher Seelenruhe und freudiger Hoffnung, daß die Umstehenden Thränender Andacht vergossen. — Aehnliche Vorfälle wiederholten sich oft. Daher konntedes Johannes' Spital als ein Schauplatz der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet werden,wo immer von neuem so viele Unglückliche Rettung für Leib und Seele fanden.
Aber eben so wenig al4 seine Milvthäiigkcil beschränkte sich dieser sein Seelen-eiser ans das Krankenhaus. Mit großer Sorgsalt nahm er sich der armen und ver-nachläßigten Kinder an. Er sammelte sie um sich her, um ihnen zugleich mit demBrode des Leibes auch das der Seele zu spenden, und die er nicht selber unterweisenkonnte, führte er andern, die ihm in diesem Werke der Liebe beistanden, zu. — Oft-mals hatten es schamlose Weiber versucht, den Diener GotteS bald durch List undSchmeichelei, bald auch mit frecher Gewalt zur Süude zu reizen. Aber niemals warihnen ihr verbrecherisches Vorhaben gelungen. Dahingegen gefiel es Gott, der ihnin svlchen Gefahren beschützte, öfters auch denselben auf wunderbare Weise entriß,seinem Diener gerade zur Bekehrung dieser Unglückseligen eine besondere Gabe zu ver-leihen. Er war beredter, sie zur Buße, als sie, ihn zur Sünde zu bewegen. Nacheiner höchst sonderbaren Sitte pflegten sich an gewissen Tagen deS JahreS viele dieserSünderinnen in einer bestimmten Kirche bei der Predigt einzufinden. Ihr verblendeterund vom Laster verhärteter Sinn öffnete sich selten dem Lichte der Gnade, so sehrauch der Prediger bemüht seyn mochte, auf diesen Theil seiner Zuhörer einen beson-deren Eindruck zu machen. Da sah man nun aber nach der Predigt den ehrwürdigenJohannes sich den Elenden nähern, und er redete ihnen mit solcher Kraft vom ewigenHeile, das sie verscherzten, und von der Barmherzigkeit GotteS , der sie zur Bußeeinlade, daß er fast jedesmal eine bedeutende Anzahl zur Aenderung ihres Lebensbewog. — Er hatte auch die Veranstaltung getroffen, daß an jedem Freitag derFasten im Vorhofe des Spitals eine Predigt gehalten wurde, zunächst zwar für dieArmen, die dort zusammenkamen, dann aber auch für alle, die sich dabei einfindenwollten. Bei solcher Gelegenheit nun unterstützte Johannes die Worte des Predigersmit dem Beispiele der Buße. Im Bußklcid und das Haupt mit Asche bestreut, erschiener vor der versammelten Menge, in der Linken das Crucifix, in der Rechten dasBußwerkzeug, womit er sich vor ihren Augen peinigte, emporhaltend, und mit erschüt-tertem Tone zur Umkehr vom Wege des Lasters, zur Reue und Zerknirschung auf-sordernd. Einst waren viele dem Laster ergebene Weiber, wohl nur aus Neugier, beider Predigt zugegen; acht derselben entschlossen sich zur Buße, beharrten in derselben,und wurden von Johannes für ihr ganzes Leben versorgt. — Wohl mögen manche