Ausgabe 
13 (14.8.1853) 33
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262
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der Mittel, welche der Diener Gottes anwendete, in unserer Zeit nicht gebilligt werden;aber die Wirkungen, die er durch sie hervorbrachte, werden wir doch nicht aufhörenhochzuschätzen: obgleich ein Blick aus den Sohn Gottes, der vor den Augen des ganzenVolkes für unsere Sünden wollte gegeißelt werden, unS auch über die Bedeutung undden Werth der äußern Buße belehren sollte.

Ueber alle diese Werke hatte Johannes die Gefangenen, unter denen er dieUebung der Barmherzigkeit begonnen hatte, nicht vergessen. Er besuchte sie, milderteihr hartes Loos durch Erquickungen und Worte deS Trostes; aber mit besonderer Sorg-falt war er bemüht, jene, die zum Tode verurtheilt waren, auf den Uebergang indie Ewigkeit vorzubereiten. Seine Bemühungen hatten fast immer den besten Erfolg.Jene Unglücklichen nahmen, von ihm belehrt, den zeitlichen Tod im Geiste der Bußean, um dem ewigen zu entfliehen. Johannes begleitete sie bis zur Richtstätte, undnahm zugleich mit dem Priester, der ihnen beistand, ihre letzten Seufzer auf.

Wenn Gott das Wohlgefallen, welches er an dem Wirken seines Dieners hatte,schon durch den Segen, den er so reichlich über dasselbe auSgoß, offenbarte, so wollteer überdieß auch durch außerordentlichen Beistand, womit er ihn unterstützte, seinenMuih aufrecht halten. Ohne einen solchen Beistand wäre es auch durchaus unbe-greiflich, nicht nur wie Johannes so viele Arbeiten hätte übernehmen und so vieleGeschäfte mit Pünktlichkeit besorgen, sondern auch und mehr noch, wie er für dieWerke der Liebe, die er übte, hinreichende Mittel hätte finden können. Oftmals er-munterte ihn Gott auch ausdrücklich, auf ihn stets zu vertrauen, und sich nicht zuscheuen, sein HanS mit Kranken zu füllen, wenn sie gleich die Zahl derer, die er ausden Einkünften des Spitals verpflegen konnte, weit überstiegen. Balo nach Eröffnungdesselben, als die Einkünfte noch nicht so reichlich waren, fand sich Johannes einstwegen der Menge der Kranken, die er aufgenommen hatte, in der größten Noth. Erflehte in der Nacht zu Gott, uud wurde durch einige Worte göttlicher Hulv gestärkt.Am Morgen erschien ein Edelmann mit einer Menge Getreide, Oel und Arzneien,und versprach, dem Spirale jedes Jahr diese Unterstützung zukommen zu lassen.Am Weihnachtstage pflegte Johannes eine größere Spende von Brod und Fleisch andie Armen der Stadt anzuordnen. Nun geschah es eines Jahres, daß von dem Vor-ralh nur noch so viel übrig war, als er für einige Hausarme bei Seite zu legen be-sohlen hatte. Aber es kamen noch andere Arme und baten um ihren Theil. Manversicherte sie, daß bereits alles verschenkt sey; aber sie ließen nicht nach, sie flehten,sie weinten, sie murrten. Johannes ging selbst zu ihnen hinaus, um sie zu beruhigen.Vergebens: sie drängten sich um ihn her und begehrten mit immer größerer Zudring-lichkeit, daß er auch ihnen geben lasse. Da erhob der fromme Mann seine AugenznM Himmel und flehte zuin Vater aller Armen aus dem tiefsten Grunde seines Herzens.Plötzlich wandte er sich dann mit heiterem Antlitze zu seinen Ordensbrüdern und befahl,von dem noch vorhandenen Vorrathe zu spenden, so lange er dauere. Man gaballen, die dort waren, und allen, die noch kamen, und gab ihnen reichlich, und derBorrath verminderte sich nicht. Viel ähnliche Ereignisse, in welchen Gott mitfeiiter Allmacht den Liebeöeiser seines Dieners unterstützte, werden in den Acten deSProzesses der Seligsprechung berichtet.

In denselben find auch viele andere wunderbare Erscheinungen, welche seinehohe Begnadigung kunvthaten, aufgezeichnet. Wie wir schon erwähnten, waren ihmin seinem thätigen Leben die höchsten Gaben deS beschaulichen Lebens verliehen. Ob-gleich nun Johannes sehr bemüht war, was immer Außerordentliches die Gnade inihm wirkte, vor den Augen der Menschen zu verbergen, so wollte doch Gott, dem eSgefällt, die Demüthigen zu erhöhen, nicht, daß ihm dies immer gelinge. Er suchteihn uiit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilenauch vor dem ganzen Volke heim. Johannes wurde oftmals im Gebete zu einerhöheren Anschauung der himmlischen Dinge erhoben, durch diese entzückende Erkenntnißden Sinnen entrückt, und in solchem Zustande verweilte er mitunter mehrere Stunden.Wenn er aber deßhalb denen, welchen seine Tugend und die Wirkungen der göttlichenGnade bekannt waren, ein Gegenstand frommer Verehrung wurde, so ließ eS doch