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Gott auch öfters zu, daß diese höchste« Gnadenerweifungen mit der empfindlichstenVerdemüthigung von Seite der Menschen verbunden waren. Es gab sich in jenemZustande die mächtige Bewegung seines Herzeus durch verschiedene Wirkungen in seinemLeibe kund, oder wenn er nicht nur den Gebrauch der Sinne, sondern auch jede Be-wegung verloren hatte, schien er in einer Art von Betäubung zu liegen. Da geschaheö nun, daß unwissende oder für alles Göttliche gefühllose Menschen ihn, sobald erzu sich kam, mit Schimpfreden überschütteten. Sie schalten ihn, wie die Juden dieApostel, als der Geist Gottes über sie gekommen war, einen Trunkenbold, oder aucheinen Heuchler, Schwärmer, einen Narren, wenn nicht gar einen Besessenen. Er störedie Andacht der Gläubigen und den Gottesdienst, sey den Schwachen zum Anstoß undAllen ein Aergerniß. — Mit gesenkten Augen nahm der demüthige Johannes dieseVorwürfe und Scheltworte, nicht anders, als gebührten sie ihm, hin, und eS warsehr rührend, den von Gott so hoch Begnadigten in demselben Augenblicke, da er auSder entzückenden Beschauung und dem Verkehre mit Gott in diese Sinnenwelt zurück-kehrte, die Umstehenden, auch wenn sie ihn nicht auf jene Weise schalten, mit Be-schämung bitten zu hören, daß sie ihm die Störung, die er durch sein unziemlichesBetragen verursacht, verzeihen möchten.
Indessen übernahm zuweilen auch Gott selbst die Vertheidigung seines Dieners.Denn mehr als einmal geschah eS vor den Augen derer, die ihn verspotteten, daß,während seine Seele durch göttliche Kraft emporgetragen und der sichtbaren Welt ent-rückt wurde, auch sein Leib sich erhob, und Johannes in kniender Stellung über der6roe schwebte, von himmlischem Glänze umflosscn. — Eine Dame von hohem Stande,welche die Wohlthäu'gkeit des Dieners GotteS mit reichen Almosen zu unterstützenpflegie, hatte in wenigen Tagen mehrere ihrer Kinder verloren. Sie zog sich aus derStadt auf ein nahe gelegenes Landhaus zurück, und ließ Johannes bitten, sie in Be-gleitung eines andern Ordensmannes, deS PalerS Figueroa, der ebenfalls im Rufegroßer Tugend und hoher Begnadigung stand, zu besuchen. BIS nun die beiden frommenMänner unter heiligen Gesprächen sich dem Dorfe, in welchem daS Landhaus derDame gelegen war, genähert hatten, ließen sie sich, um etwas auszuruhen^, bei einerQuelle, nieder. Sie setzten ihre Unterredung fort, und die Quelle, welche nnter ihrenFüßm in einem klaren Bache dahinfloß, war ihnen ein Anlaß, von dem Strome derWonne zu sprechen, womit Gott im Lande deS Friedens seine AuSerwählten tränkt.(Ps. 35, 9.). Da ruhten Jvhannes Augen auf dem hellen Gewässer, und wie seinleuchtender Blick immer mehr, was seine Seele empfand, offenbarte, so verstummteallmälig sein Mund. Der Pater Figueroa betrachtete ihn mit tiefer Rührung. Johannessank auf die Kniee, sein Angesicht erglühte; er ward unbeweglich, und nach und nacheinige Spannen von der Erde erhoben. Indessen gelangte die Dame, die ihnen ent-gegengekommen war, mit ihrer Begleitung zur Quelle, und auch manche Landleute,die kamen, um Wasser zu schöpfen, blieben mit ihr erstaunt vor dem Entzückten stehen.Man entfernte sich nicht, obschon ganze Stunden verflossen, ehe er der Erde undihnen zurückgegeben ward.
(Schluß folgt.)
Zeichen der Zeit.
Daö protestantische „Volksblatt sür Stadt und Land" enthält über das neueholländische Cultusgesetz folgenden vortrefflichen Artikel:
Der gute „Holländer" hat denn einmal wieder ein „CultuSgesetz" vom Stapelgelassen, bei welchem man sich ihn nothwendig mit der Thonpfeife im Munde vorstellenmuß, und welches ein solches Mustereremplar von moderner Fabrikarbeit im Fache derGesetzgebung darstellt, daß es wohl eine kleine Beleuchtung verdient. Das charakteristischesolcher Arbeit ist unter andern,, daß sie sich gänzlich in abstracten Begriffen bewegt, keinDing bei seinem Namen nennt, sonder nur ein Schema mit Schubfächern und Nummerngiebt, in daS man die lebendigen Dinge dann so gut oder so schlecht als eS geht, hinein-quetschen muß. So weiß auch besagtes Cultusgesetz kein sterbendes Wörtchen davon, daß