Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger PostMung.
21. August. M S-Ä. 1853.
DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei«»tt kr, wofür e« durch alle löni'gl. bayer. Postämter »ad alle Buchhandlungen bezogen werden kann.
Wunderbare Begebenheiten im Neapolitanischen.
Zu Bari , im Neapolitanischen, befindet sich in der Capella Regia del Tresorsein Dorn, angeblich aus der Dornenkrone des göttlichen Heilandes. Wie die Sagegeht, wird dieser Dorn, so oft der Charsreilag auf den L5. März fällt, an diesemTage eine Zeitlang mit frischem Blute benetzt. So soll es im Jahre 1842 gegangenseyn, so wiederholte eS sich in diesem Jahre. Die „Civile cattolica" theilt darüber einSchreiben auö jeuer Stadt mit, das wir hier in wörtlicher Übersetzung folgen lassen.
. „Ein Wunder bewahrheitete sich am 25. März, als dem Todestage des gött-lichen Erlösers, in dieser Kirche. Der heil. Dorn, welchen Carl ll. von Anjou, alser daS Grab des glorreichen heiligen Wundcrthäterö Nicolaus besuchte, in die köm'gl.Schatzcapelle niederlegte, wurde mit Blut befeuchtet. Die Geschichte hatte schon seitlanger Zeit dieses Wunder aufgenommen; doch die göttliche Erbarmung würdigte sich,zur größern Beschämung unserer verderbten Zeit, auch diesesmal noch unsere frommeStadt mit Gnaden zu überhäufen. Wir sahen das Wunder und mit uns der Inten-dant der Provinz, der Major der königl. Gendarmerie, welcher vom ersten bis zumletzten Augenblicke zugegen war, uud der Commandant. Mit uns sah es das ganzeCapitel, der städtische Vorstand und Tausende, so viele ihrer hinzu kommen konnten.Der Erzbischof, durch die Geschichte und den Vorfall vom 25. März 1842 aufmerk-sam gemacht, hatte drei Tage zuvor den normalen Zustand der kostbaren Reliquie vonChemikern mit Notar und Zeugen untersuchen lassen; am Tage selbst ließ er die Ka-noniker, abwechselnd mit dem königl. Klerus, von Mittag an glühende Gebete zumAllerhöchsten emporsenden, auf daß die göttliche Güte das demüthige Verlangen »achWiederholung des Wunders gnädig aufnehmen möchte. Um 2'/z Uhr (2 Stundenvor Sonnenuntergang) hatte schon der heil. Dorn seinen gewöhnlichen Zustand geän-dert, und in der Folge bezeugten der Notar, die Zeugen und Vornehmen, welche zusehen und gegenwärtig zu seyn gekommen waren, daß er seinen frühern Zustand schonsehr verändert habe, uud daS Wunder war also schon geschehen. Alsdann wurdeder genannte heilige Dorn aus der Capelle des königl. Schatzes auf den Altar desHerzens Jesu getragen uud zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt, um das frommeVerlangen des andächtigen Volkes zu befriedigen, das zu Tausenden, daS Wunderzu sehen, herbeiströmte. Eine Stunde nach Sonnenuntergang, als man im OrchesterdaS Christus :c. und Miserere sang, bemerkte dann der Cavaliere DupuiS, Majorder königl. Gendarmerie, welcher sich nie von der Reliquie entfernt hatte, zuerst undmachte den Intendanten und Commandanten der Provinz darauf aufmerksam, daß manan der linken Seite des Fußes der Reliquie rothes Blut sehe. Als der Intendantalles untersucht hatte, verkündete er es, aufgeregt vor Freude, und nuu verdoppeltesich das Frohlocken, die Thränen flössen in Strömen, und die Seufzer und Gebeteerschollen so zum Allerhöchsten, daß auch das härteste Herz bei Betrachtung dieser. Wärme und beim Anhören der frommen Gebete sich erweichen mußte."