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So wenig wir diese Erzählung gleich einem Glaubensartikel glauben, eben sowenig können wir sie ohne Weiteres verwerfen. Warum sollten auch außer den inder heil. Schrift mitgetheilrcn keine Wunder geschehen dürfen? Hat nicht der göttlicheHeiland uus selbst schon belehrt, daß die Gabe der Wunder mit seinem Hinscheidennicht aufhören soll? Wer nur die Wunder sammeln wollte , die schon von den heil.Vätern erzählt sind, könnte damit nicht wenige Bände anfüllen. Wenn Nichtkatho-liken uns dieses Glaubens wegen bespötteln, so wissen sie warnm; aber auch wirwissen eS, und um so mehr halten wir, statt uns um dieses Spötteln zn bekümmern, daranfest und fordern sie auf, vor allem Urlheile die Thatsachen zu untersuche». Lassetdiese sich mit keinem vernünftigen Grunde in Zweifel ziehen, noch auch natürlich er-klären, dann bleibt Nichts übrig, als an ein höheres Wirken zu denken, welche auchimmer die Absichten seyn mögen, die Gott damit erreichen will; und stellt sich heraus,daß diese Thatsachen im Schooße der katholischen Kirche eben so unantastbar undbäufig, als sie bei Allen außerhalb der Kirche unerhört sind, dann ist das eben soberuhigend für uns, als es für die Andersgläubigen, weil sie kein Zeichen übernatür-lichen Lebens aufzuweisen haben, einen Beweis der Falschheit ihrer Religion bietet.
Einen solchen Trost bieten uns aber insbesondere die Wunder, welche Gott aufdie, Anrusung seiner Heiligen wirkt. Sie bezeugen nämlich nicht bloß die Wahrheitunseres, von den Nichtkatholiken ohne Unterlaß bekämpften Glaubens: daß eS nützlichuud Gott wohlgefällig sey, die Heiligen zn verehren und um ihre Fürbitte auzuruse»,sonderu bestäligen auch mit der in ihnen constalirten Freundschaft GotteS gegen die-selben, daß die katholische Religion ein sicherer Weg zum Hcile sey.
Auch derartige wunderbare Thatsachen cheilt nns die „Civilts catt." aus Neapel mit, Thatsachen , die auch iu polnischer Beziehung, weil sie das Volk enger mit seinemRegenten verknüpfen, nicht olme Wirkung bleiben können. Die mitgetheilten wunder-baren Thatsachen haben nämlich ans Anrufung der verstorbenen Königin von Neapel ,Gemahlin des regierenden Königs und Mutter des Kronprinzen, Maria Christina vonSavoyen , stattgefunden, und was sollte denn mehr das gläubige Volk mit demköniglichen Hause von Neapel verbindeil, als gerade sie? Ein Re^entenhauS kannseine Achtung beim Volke nicht tiefer untergraben, als wenn es öffentlich beweiset,daß eS mit Gott keine Gemeinschaft hat, und eben so kann es umgekehrt seine Achtungim Volke nickt tiefer begründen, als wenn es mit derselben Strenge Gott gehorcht,mit welcher es von den untergebenen Völkern Gehorsam fordert. Hat nun daS königl.HauS von Neapel schon andererseits nicht wenige Beweise seiner innigsten Frömmizkeit,in welcher es seinen Unterthanen zum Muster dienen kann, aufzuzeigen, welchen Grundder größten Verehrung muß es dann nicht erhalten, wenn ein der Krone so naheangehörendes Glied von Gott solche Beweise des allerhöchsten Wohlgefallens erhält?Mit welcher Liebe muß nicht ein Volk einem Regenten anhangen, dessen Gemahlinoder Mutter bei Gott in der Gnade steht, vaß man sie als eine Helferin in dengrößten Nöthen zn betrachten hat?
Schon seit längerer Zeit, zumal seit einigen Monaten, wo ans päpstlichen Be-fehl das Grab Maria Christina's geöffnet und ihr Leichnam in einem Zustande derNichtverwesnng gefunden war, wie man sie mit den gewöhnlichen chemischen Prozessennicht zn erlangen pflegt, hatte man von Gnadenerweisungen an ihrem Grabe, wiedie „Eivilta cattolica" berichtet, gehört und Hoffnungen geschöpft, daß Gott seine imRufe der Heiligkeit verschiedene Dienerin aus besondere Weise verherrlichen werde.Die römische Zeitschrift bemerkte dann, daß sie aus wohl begreiflichen Gründen, solange eS sich um Thatsachen gehandelt habe, die keine strenge Kritik auszuhalten ver-mögen, von ihnen keine Mittheilung gemacht habe. Jetzt seyen die Dinge so weitgediehen, daß sie es als eine Pflicht betrachte, das vorsichtige Stillschweigen zn brechen.„Wir haben," schreibt sie dann ferner, „vor uns Zeugnisse vou den berühmtesten Pro-fessoren Neapels , als von vr. Emmanuel Raimo, von Dr. Peter Ramoglia, vonDr. Comm. Mansre. AuS ihnen geht hervor, daß Herr Nicvlaus Amitrano, alser durch eine nervöse, von Auflösung der Säfte scorbutischer Art beförderte und mit