Ausgabe 
13 (21.8.1853) 34
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archates wenig geglaubt, denn im Jahre 1619 fand man eS schon für nöthig, das-selbe nochmals durch Theophil, Patriarchen von Jerusalem, der sich um diese Zeitin Moskau befand, um Almosen beim Großfürsten und dem russischen Klerus einzu-sammeln, bestätigen zu lassen. So war das russische Patriarchat abermals durchGold erkauft.

Die Art und Weise der Gründung des russischen Patriarchates konnte unmöglichJenen, die noch Sinn für Recht uud Tugend sich bewahrt hatten, Achtung und Ehr-furcht vor dieser neuen Stiftung einflößen, besonders, wenn sie sich die moralischeBeschaffenheit Jener, die dabei wirkten, in Erinnerung zurückriefen. Jeremiaö undMeletiuS haben sich bkß aus gemeiner Geldsucht russischen Interessen verkauft.Zudem hatte man Grund, an die Ausrichtigkeit des Glaubens des JeremiaS zuzweifeln, da er mit den protestantischen Theologen Deutschlands , die im Jahre 1575nach Konstantinopel gekommen waren, um der griechischen Kirche die Annahme derAugsburgischen Confession zu empfehlen, einen vertrauten Briefwechsel unterhielt.Es entstand jetzt für den Metropoliten von Kiew die Frage, ob er sich dem neuenPatriarchen Hiob oder dem Nachfolger des heil. Petrus , dem römischen Papste,unterwerfen sollte. Der damalige Metropolit von Kiew , Michael Rahosa, konntedie Gräuel und Schlechtigkeiten, unter denen die russische Kirche seufzte, nicht längerertragen, und berief deßhalb die Bischöse seiner Metropole nach Brest zu einem Concilzusammen, um mit ihnen zu berathen, welchem Oberhaupte der Kirche zu gehorchenwäre, ob dem neu erwählten Patriarchen Hiob oder dem heil. Patriarchen der ge-sammten katholischen Kirche, dem Papste. Einstimmig erklärten die versammeltenVäter, daß sie fortan nur allein dem Nachfolger d/S heil. Petrus zu Rom gehorchenund in den Schooß der allein wahren und apostolischen Kirche zurücktreten wollten.Nach wenigen Sitzungen entwarfen sie am 2. December 1593 das Unionsdecret, inwelchem sie in schlichten Worten die Gründe ihres Entschlusses der christlichen Welt,und namentlich ihren RelizionSdrüdern, darlegten. Im folgenden Jahre tratenMichael und die Bischöfe der Kiewer Metropole in ein Concil zu Brest nochmalszusammen und schickten eine Gesandtschaft nach Rom , um dem heil. Stuhle ihre Ver-einigung mit der Kirche anzuzeigen. Die Gesandten überreichten im Namen des Me-tropoliten und des gesammten ruthenischen Episkopates dem heil. Vater ein Schreiben,in weichem der ganze Hergang der erfolgten Vereinigung mit schlichten Worten erzähltwird. CleMenS VIU. berief ein Konsistorium am 23. December 1595, in welchemdie Gesandten das Schreiben übergaben, welches in ruthenischer Sprache abgefaßt undmit einer lateinischen Uebersetzung begleitet war. Der berühmte Cardinal Sil-viuS Antoniani, Staatssecretär Sr. Heiligkeit, hielt im Auftrage deS heil. V.iterSeine Anrede an die Gesandten, worin er die Freude desselben über die Wiedervereini-gung und die Nothwendigkeit der Einheit der Kirche in beredten Worten hervorhebt.Dann legten die beiden abgesendeten Bischöse im Namen des gesammten ruthenischenKlerus das übliche Glaubenöbekenutniß in beiden Sprachen ab und bekräftigten das-selbe mit Eidschwur und Unterschrift. Hierauf wurden sie zum Fußkuß des heil. Vaterszugelassen, der tief gerührt und mit Thränen in den Augen sie seine lieben Brüdernannte und zur Demuth uud Standhaftigkeit im Glauben ermähnte. Die Uniongeschah unter denselben Bedingungen, wie sie auf dem Concil zu Florenz beschlossenwar. Der heil. Stuhl erkannte ihnen alle Rechte, Freiheiten und Privilegien zu, diesie bisher genossen hatten, und bestätigte ihnen alle kirchlichen Gebräuche bei AuS-theilung der Sacramente und Verrichtung der gottesdienstlichen Handlungen, deren siesich zur Zeit der Union bereits bedient, insofern sie den Glaubenslehren der katholischenKirche nicht zuwider wären.

Hiob, der Patriarch von Rußland , berief nun gleichfalls die seinem Stuhleunterworfenen Bischöfe und Prälaten zu einem Concil noch Moskau , schleuderteden Bann gegen Michael Rahosa und den gesammten ruthenischen Klerus undverfluchte alle auf dem Concilium zu Brest entworfenen Unionsbcschlüsse. Nun brachendie blutigsten Verfolgungen seitens des russischen Klerus gegen den ruthenischen auö.