Ausgabe 
13 (21.8.1853) 34
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Den Patriarchen Hiob ereilte aber bald die Strafe Gotteö. Er häufte Verbrechenauf Verbrechen und krönte endlich den Fürsten Gudonow zum Herrn von Rußland ,Hiob war nur ein Werkzeug in den Händen dieses FrevlerS und mußte dessen Schandethaten mit der Autorität der Kirche heiligen. Endlich wurde er von dem ThronräuberGrischa Otrcpiew im Jahre 1604 in ein Klostergefängniß eingesperrt und balddaraus erdrosselt.

Lebe» deS ehrwürdigen Johannes Grande .

(Schluß)

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Des frommen Johannes Tod und Begräbniß,

Indessen war die Zeit gekommen, wo Gott seinen Diener von dieser Welt ab-rufen und ihm die Krone, für die er mit so großer Ausdauer gekämpst hatte, auf seinHaupt setzen wollte. Es sollte jedoch in seinem Ende noch einmal alles, was seinLeben ausgezeichnet hatte, wunderbar hervortreten: der Eifer seiner Liebe, der keineSchranken kannte, tiefe Verdemüthigung vor den Menschen, und Erhöhung durch diegöttliche Hulv und Gnade.

Im Jahre 16l)t> war in Andalusien eine anhaltende Dürre eingetreten, und mitgroßer Besorgniß sah man von neuem einer allgemeinen Theuerung und Hungersnot!)entgegen. Nach vielen andern Andachten und frommen Werken wurde endlich einöffentlicher Bittgang beschlossen, an dem die ganze Geistlichkeit und alles Volk Theilnehmen sollte. Auch Johannes wohnte demselben seiner Gewohnheit nach bei, undermähnte durch seine Worte und sein Beispiel die Gläubigen zur Buße. Von demBittgang in sein Spital zurückgekehrt begab er sich zum Gebet, und verharrte in dem-selben ohne alle Unterbrechung zwei Tage und zwei Nächte. Als er endlich aus dem-selben wie aus einer langen Entzückung in Gegenwart einiger feiner Ordensbrudererwachte, sprach er, wie gewöhnlich, einige Worte zu seiner Entschuldigung, und zogsich in seine Zelle zurück. Aber einer seiner Brüder, Peter Egipciaco, mit dem ersehr vertraulich zu reden pflegte, folgte ihm, und erzählte, daß, während er gebetet,ein reichlicher Regen gefallen sey.Ich weiß es," erwiederte Johannes,Gott hatmich davon in Kenntniß gesetzt. Wir werden Brod in Ueberfluß haben, aber ich weißnicht, wie viele von denen, die jetzt leben, davon essen werden." Peter verstand, daßihm sein Vater eine andere Geißel Gotteö, die Pest, vorhersagte, und nur gar zubald ward die Weissagung durch deu Erfolg bewährt.

Die Ernte war in jenem Jahre ungewöhnlich gut, aber kaum war sie vollendet,als eine pestartige Krankheit ansbrach und fast die ganze Provinz entvölkerteJohannes >fand in ihr noch eine außerordentliche Gelegenheit, seinen LicbeSeifcr zu üben;aber er fand in ihr auch, was er sehnlich gewünscht, die Krone seiner guten Werke.Oftmals hatte er seit einiger Zeit sein bevorstehendes Ende vorausgesagt, und seinenVertrauten auch manche Umstände seines Todes mitgetheilt. Er gab die Zeit auf dasGenaueste an und setzte eines TageS hinzu, daß er sich von Gott die Gnade erbetenhabe, ohne alle Ehren, ja auf schimpfliche Weise begraben zu werden. Und alsPeter Egipciaco ihn lächelnd versicherte, er möge beten, so viel eS ihm gefalle, sowürden doch er und seine Brüder schon Sorge tragen, daß sein Begräbnip ehrenvollsey; erwiederte ihm Johannes:Ich aber sage dir, daß du der Erste seyn wirst,der von meiner Leiche flieht." Bei einer ähnlichen Gelegenheit bemerkte er, manwerde seinen Leichnam, statt ihn zn tragen, mit Stricken hinausschleppen, in dieErde verscharren, und den Boden über ihm mit Füßen stampfen. Wirklich wollteGott dem Verlangen seines Dieners nach aller Art von Verdemüthigung auch aufdiese Weise genugthun.

Als die Pest, die Johannes vorhergesagt hatte, auSgebrochen war, und in derStadt Bestürzung und Wehklagen von allen Seiten verbreitete, war es nicht anders,