Ausgabe 
13 (21.8.1853) 34
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271
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als wäre dem barmherzigen Johannes ein weites Feld, auf dem er noch einmal, eheer auS diesem Leben scheide, die ganze Größe seiner Liebe offenbaren sollte, geöffnetworden. Die Bewohner von Terez waren seit einer langen Reihe von Jahren ge-wohnt, sein Wirken unter ihnen mit Bewunderung anzusehen; aber so außerordentlichwaren die Anstrengungen, mit welchen er diesesmal, sich selbst vergessend, auf diemannigfaltigste Weise den Leidenden zu Hülse kam, daß man ihn wie von einemneuen Geiste belebt mit Erstaunen betrachtete. Es sollte ihm aber die Gnade zu Theilwerden, seine Liebe als die größte, die Jemand haben kann, zu bewähren, indem erfür seine Freunde sein Leben hingab (Joh . 15, 3). Er wurde von dem herrschendenUebel ergriffen. Sobald er es wahrnahm, zog er sich in seine Zelle zurück, und seinesnahen Todes gewiß, benutzte er die wenigen Tage, die ihm noch übrig waren, mitbeispielloser Ruhe, um die Angelegenheiten der Spitäler, die seiner Obhut anvertrautwaren, zu ordnen, und sich auf den Uebergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Erversammelte auch seine Ordensbrüder, die sämmtlich wie seine geistlichen Söhne zubetrachten waren, um sein Lager, und ermähnte sie zu brüderlicher Eintracht, zueinem unbescholtenen Lebenswandel, und vor allein zur zartesten Liebe gegen die Krankenund Armen. Auch tröstete er sie über die allgemeine Noth, und versicherte sie, daßdieselbe bald aufhören-, und nach ihm kein Anderer von ihnen ein Opfer der Seuchewerden würde. Aus diesen und andern Umständen schloß man, daß der heilige Mann,nachdem er alle Kräfte zur Linderung des allgemeinen Elends erschöpft hatte, endlichzur Hebung desselben sein Leben aufgeopfert habe, Gott nämlich bittend, daß er ihnals ein Sühnopfer für sein Volk hinwegnehmen möchte. Es war am 3. Juni Ikvt),als Johannes Peccadore, nachdem er noch einmal die heil. Sacramente mit rührenderAndacht empfangen hatte, seinen Geist mit größter Ruhe betend aufgab. Wie derheil. Johannes von Gott hatte er sich von seinem Lager erhoben, und auf den nacktenBoden kniend starb er, das Krenz mit beiden Armen an sein Herz drückend. DieNachricht von seinem Hinscheiden verbreitete sich rasch dnrch die ganze Stadt und ver-mehrte nicht wenig die allgemeine Bestürzung. War er ja wie ein Vater der Armen,der Wittwen und Waisen, und wie ein Schutzengel Aller zur Zeit der Bedrängmß.Allüberall erzählte man von seiner Liebe und Barmherzigkeit, seinen Tugenden, Gnadenund wunderbaren Werken, und wehklagend wollte man in seinem Tode einen Beweisfinden, daß die Zuchtruthe des Herrn schwer auf dem Volke ruhe.

Aber während so die ganze Bevölkerung von Terez den Tod des frommen Jo-hannes beklagte, und sich in Lobiprüchen seiner Heiligkeit ergoß, war im Spital, inder Mitte seiner Brüder, die Weissagung, die er von seinem Begräbnisse gemacht hatte,in Erfüllung gegangen. Sey es, daß Schmerz und Bestürzung sie betäubte oder auchFurcht vor der ansteckenden Krankheit sie ergriffen hatte; die Brüder, welche bei seinemTode zugegen waren, Peter, sein Vertrauter, zuerst von allen, zogen sich in ihreZellen zurück, und keiner dachte daran, seine Leiche mit Ehren beizusetzen. Vier Ar-beiter endlich traten in sein Zimmer und schleppten, wie er eS vorhergesagt halte, denLeichnam mit Stricken ans dem Spital in den Garten, legten ihn dort in eine raschgeöffnete Grube, und traten die Erde über ihm mit Füßen fest.

ES ging aber auch seine letzte Weissagung in Erfüllung. Die Pest hörte auf,und keiner seiner Brüder ward von ihr hingerafft. Nichtsdestoweniger wurde demDiener Gottes noch immer kein ehrenvolleres Begräbniß zu Theil. Zwar hatten sichseine Ordensbrüder, als der erste Schrecken vorüber war, der Art, wie ihr gemein-samer Vater begraben worden, mit Schreck und Beschämung erinnert; doch begnügtensie sich damit, die Leiche wieder aufzugraben, in einen Sarg zu legen, und dann indieselbe Grube, worin er bis dahin gelegen, zu senken. So blieb die Grabstätte einesso außerordentlichen Mannes nngeehrt, bis die Zelt gekommen war, wo Gott seinenDiener, der sich selbst erniedrigt hatte, erhöhen wollte. Manche der Gnaden, welchedie Gläubigen auf die Fürsprache des Hingeschiedenen erhielten, wurden an seinemGrabe und zwar auf sichtbare Weise ertheilt; und indem man schon deßhalb auf denGedanken kommen mußte, daß Gott ein ehrenvolleres Begräbniß desselben wolle, so