Ausgabe 
13 (21.8.1853) 34
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wurde man darin durch eine übernatürliche Erscheinung, die sich vor den Brüdern desSpitals über dem Grabe oft erneuerte, bestärkt. Nachdem die geistliche Behörde anOrt und Stelle alles auf das Sorgfältigste geprüft hatte, wurde, ein Jahr nach demTode des Ehrwürdigen, die feierliche Uebertragung der Leiche in die Kirche des Spi-tals zum heil. Sebastian beschlossen. Im Beiseyn der Geistlichkeit und der angese-hensten Einwohner der Stadt ward das Grab eröffnet, der Leib, an dem das Hauptnoch ganz unversehrt war, in einen kostbaren Sarg gelegt, und dann der feierlicheLeichenzug vom Garten in die Kirche geordnet. Die Vornehmsten der Stadt trugendie Bahre, sämmtliche Ordensstände und alle Weltgeistliche schlössen sich dem Zuge an,und die Menge deS Volkes war unzählbar. In der Kirche wurde der Sarg auf einemprachtvollen Gerüste ausgesetzt, und nach dem Hochamte und der Einsegnung der Leichevestiegen mehrere Redner die Kanzel, um von den Tugenden und Gaben des Gott-seligen, zum Preise Gottes, der ihn so hoch erhöht, zu dem zahlreichen Volke, daSsich in die Kirche gedrängt hatte, zu reden. Aber ein wegen seiner Frömmigkeit ebenso sehr als wegen seiner Gelehrsamkeit angesehener Priester, der Dr. Randone, welcherviele Jahre lang der geistliche Führer des Verstorbenen gewesen war, erzählte vonden Wundern der Gnade, was nur ihm bekannt seyn konnte. Da begann die ganzeMenge, die ihm zuhörte, in immer größerer Bewegung Thränen der Rührung zu ver-gießen, und endlich in Schluchzen und lautes Gebet ihre Empfindungen zu ergießen.Bald dankten sie Gott, der die Wunder seiner Liebe unter ihnen erneuert, bald riefensie Johannes, an dessen Verherrlichung von ihm sie nicht zweifeln konnten, um seineFürsprache an. Die Leiche ward endlich beigesetzt, und von dem Tage an bliebdaS Grab dessen, der sich den Sünder nannte, die Zufluchtsstätte aller Bedrängten.So viele Gnaden ertheilte Gott an demselben, so lebhaft blieb die Erinnerung an dasLeben und Wirken des Hingeschiedenen, daß der heil. Stuhl, von der Stadt Xerezersucht, die Veranstaltung deS Processes zu seiner Seligsprechung genehmigte. Der-selbe begann zwar schon dreißig Jahre nach dem Tode Johannes', aber durch mancheZeitumstände unterbrochen ist er erst in unsern Tagen zur Vollendung geführt. Wirhaben nichts berichtet, als was in den Acten desselben seine Bestätigung findet.

England .

DerCatholic Standard" spricht sich sehr vortheilhaft über die Fortschritte desKatholizismus aus:England , so heißt eS dort, früher die Wohnstätte der Wahrheitund das Land der Heiligen, kehrt rasch zu der Einheit zurück, von der es sich vordreihundert Jahren trennte. Die katholische Hierarchie nimmt dort ihre gesetzmäßigeStellung wieder ein, und unter der weisen Leiiung des ausgezeichneten Cardinals,welchem daS Amt übertragen ist, die Kirche in diesem Lande zn leiten, sieht man, wiedie Beweise.deS Triumphs unserer Religion sich vervielfachen. Von allen Seiten erhebensich neue Missionen; die dem Dienste des Allmächtigen geweihten Kirchen werden ver-größert und verschönert; die religiösen Genossenschaften erweitern das Feld ihrer Wirk-samkeit, lindern die Leiden der Menschen und offenbaren den Geist des wahren Christen-thums; die Gymnasien und die verschiedenen Schulen blühen und werden Musteranstalten;kurz, überall erblickt man Denkmäler, welche der Wahrheit, dem Glücke der Menschenund der Ehre Gottes geweiht sind. Zu diesen Bemerkungen wurden wir durch die inter-essanten Umstände veranlaßt, welche die Einweihung der neuen Kirche zu Stradford amAvon bezeichneten. Erst vor neun Monaten war hier eine Misston errichtet, damals be-fanden sich in dem Flecken etwa acht oder zehn katholische Familien; wenn man nun er-wägt, daß eS in England wenige Dörfer gibt, wo der Irrthum so tief Wurzel gefaßthatte, als hier, kann man sich leicht vorstellen, welche Hindernisse die Mission hier fand.Doch war der Erfolg vollständig, und übertraf durch die Gnade Gottes alle Hoffnungen.AIS Geistlicher war angestellt Alfred Dayman, ein Convertit, welcher früher in dem-selben Dorfe anglikanischer Geistlicher war." (Münst. S.-Bl.)

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

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