Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Aügslmrger pokMung.
28. August. SS. 1853.
Diese» Glatt erscheint regelmäßig alle Tonutaae. Der halbjährige Ado»ucv,knt«vrei«5t) kr,, Wofür c« durch alle töniql. baver. Postämter und all? Bnchhaudlnnqen dezoa'n werde« kann
Reifen eine» englischen Geistlichen vor seiner Bekehrung.
(Aus der Wiener Klrchcnzeituna, )
Drei Jahre sind ungefähr verflossen, seit in England der anglicanische Geistlicheund Rector oder Pastor von Launton im BiSlhumc Orford, der Herr ThomasWilliam Allies sich zum Katholicismus bekehrte. Wir erlauben uns, hier einigeAuszüge auS seiner Reisebeschreibnn^, „Journal in krsnee in 1845 snä 1843>vitlt Leiters krom Ital^ in 1847," betitelt, mitzutheilen. Man sieht anS dieservor seiner Bekehrung verfaßten Neiscbeschrcibnng, daß er, obschon mit Leib und Seeledem Anglicanismus zugethan, sich gleichwohl frei machen wollte von allen Vornrtheilengegen den Katholicismns, und weil er nichts als die Wahrheil wollte, alle Gehäs-sigkeiten verachtete. Darum sieht man ihn auf seiner Reise überall um Aufklärungenfragen über die katholischen Lehren und Gebräuche; wo er sich nicht für überzeugthält, ruhig bleiben, und alle bittern Aeußerungen vermeiden über das, was in seinenAugen nicht gut ist. Wir finden in ihm einen Manu voll Ausrichtigkeit und ehrlichenSinnes, der die Wahrheit über Alles setzt, und ihr alle Opfer bringt. Seine Erzäh-lung ist frei v.'n allen bittern Aeußerungen uud heftigen Ausfällen; er widersprichtmanchen Vorurtheilen der Protestanten, und hat darum in England einen heftigenStreit veranlaßt, so zwar, daß sogar der Bischof von Orford im Begriffe stand,sein Werk gerichtlich zu verfolgen.
Seine Einleitung zu dem Tagebnche seiner Reise in Frankreich in den Iahren,1845 und 1848 beginnt er mit den Worten: „Von der großen Zahl englischer Herrenund Damen, die in den letzten Jahren das Festland bereiset haben, haben Verhältniß-mäßig wenige, däucht mir, eg ihrer Zeit werth geachtet, viel Ausmerksamkeit derWirksamkeit der Kirche zuzuwenden in den Gegenden, welche sie besucht haben.Zweifelsohne haben sie alle die steinernen Gebäude der römisch-katholischen Religionbetreten; aber daS geschah im Allgemeinen mehr um dieselben alö öffentliche Denkmalezu besichtigen, denn als ein Hauö dcS Herrn für alle Nationen. Doch wie vieledieser Reisenden, welche die Zeit hatten und unabhängig waren, baben sich darausverlegt, um die mannigfachen Einrichtungen zu begreifen für die Erziehung von Geist-lichen oder Laien, für die Tröstung der Leidenden, für den Unterricht der Armen undVerlassenen, oder für die Beförderung des innern Lebens, durch welche die Kirche dieWelt christlich macht und des inenschlichen Herzens sich bemeistert? Ich spreche michjetzt nicht darüber aus, ob daS ganze römische System wahr oder falsch, rein oderverderbt ist; ich betrachte eS einfach als eiu Factum. Und von diesem Gesichts-punkte auö ist vielleicht auf der Erde kein Gegenstand der Betrachtung des nachden-kenden Verstandes so sehr werth, als die römische Kirche. Als Geistlicher der angli-canischen Kirche halte ich es nicht für wahrheitsliebend, passend, christlich oder weise,meine Angen vor einem solchen in der Welt bestehenden Factum zu schließen. Michdünkt, daß man trachten muß, es zu begreifen. Sie, die alte Leidenschaften wieder