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zu entflammen suchen, sie, die sich die Mühe nicht geben, um Lehren zu verstehen,wie sie durch Jene, welche darin unterweisen, gelehrt werden, sondern sie muthwilligverkehrt begreifen und verkehrt darstellen; sie selbst, die sich zufrieden stellen in einemZustande von Scheidung, sündigen sie nicht gegen ihn, der in den Tagen seiner Er-niedrigung zu seinem Vater flehte: „„daß sie Alle Eins seyn mögen, wie Du, Vater,in mir, und ich in Dir, daß sie auch EinS seyn mögen in unS; damit die Weltglauben möge, daß Du mich gesandt hast."" Verwirklichen solche endlich das Factum,daß die Kirche von England „die Kirche von Rom betrachtet als einen eben sowirklichen Theil der katholischen Kirche als sie selbst ist?" Hierauf betrauert er es,daß beide Confessionen sich in einer so großen Unwissenheit des gegenseitigen Zustan-des befinden, bekennt jedoch, daß die Unwissenheit auf Seite der Anglicaner vielgrößer ist, Darum wünscht er einigermaaßen daS Werkzeug zu seyn, um Vorurtheilezu beseitigen, oder falsche Begriffe aufzuklären. „Wäre Alles ins Werk gesetzt, wasfür eine Versöhnung gethan werden kann, und bliebe dann noch der gegenwärtigeZustand von Feindschaft und Entgegenwirkung bestehen, dann würde dieses eine trau-rige Voraussicht für die Zukunft seyn; aber wenn hierin Unwissenheit und verkehrteBeurtheilung einen so großen Antheil haben, haben wir dann keine bessern Dinge zufassen? Lehrt unS nicht die Vorsehung durch daS, was beiderseits vorfällt, daß dieKirche GotteS in allen Ländern sich gegen den gemeinschaftlichen Feind vereinigen muß?„DaS einzige Verdienst seines Tagebuches," sagt er, „wenn eS einiges Verdienst hat,ist daS Streben, in dem römisch-katholischen Systeme die Dinge zu sehen, wie siesind, alle Vorurtheilc abzulegen, nicht daS zu verurtheilen, was dem widerstreitet,dem man gewöhnlich begegnet, sondern zu trachten, die Grundsätze zu begreifen, woraufes ruht. Frankreich ist ohne Zweifel einer der merkwürdigsten Theile der römischenKirche. Die ganze Ernte der schrecklichen Convnlsion von 1739 ist reis geworden,aber auch sie ist weit von einer bereits vollendeten Einsammlung. Der Unglaubeherrscht öffentlich. In Nichts kamen Alle, nzit denen er sprach, mehr überein alshierin, daß menschliche Rücksichten und weltliche Macht gegen die Kirche und Religionwaren, und wenn die Heuchelei die Huldigung ist, welche die Untugend der Tugenddarbringt, wie steht es denn mit dun Lande, wo die öffentliche Meinung eine Heucheleifordert in dem öffentlichen Bekenntnisse deS Unglaubens? AuS diesen und andernGründen, fährt er fort, begreife ich, daß die Kirche Gottes am besten in Frank-reich zu sehen ist, wo sie wirkt durch ihre eigenen innern Kräfte, nicht allein nichtdurch die Welt unterstützt, sondern aufs grausamste durch sie gequält und äußerlichso verdrückt und erniedrigt, daß nichts anderes, als das unwiderstehliche Leben desEvangeliums die Menschheit in solchen Verhältnissen würde dnrchdringen und bear-beiten können. Gott verhüte, daß ein solcher Zustand in England sich verbreitete —und möchte es seyn, dann gebe Gott gleichfalls, daß die Kirche in den Tagen ihrerNoth Diener und Dienerinnen, Priester, Lehrer und barmherzige Schwestern habenmöge, so srei von Selbstsucht, so arbeitsam, geduldig und eifrig, als er sie ihr inFrankreich erweckt hat."
Nachdem er mit Bewunderung von verschiedenen in Frankreich bestehendenEinrichtungen gesprochen hat, schreibt er den Brüdern des christlichen Unterrichtes undden verschiedenen barmherzigen Schwestern einen unberechenbaren voriheilhasten Ein-fluß zu. „Ihre selbstsuchtslose und liebevolle Arbeit würde der größte Segen seyn fürunsere Pfarrpriester, die einerseits kämpfen gegen ein sehr praktisches Heidenthum,und andererseits gegen verschiedene Formen von DifsenterS, von deren Lehre mansagen kann, daß ihr Wesen besteht in vollständiger Leugnung der Kirchenlehre imPuncte der Erlösung- und im Allgemeinen alles objectiven GlanbenS außer dem Opferunsers Herrn für die Sünden der Menschen und dem Wirken deS heiligen Geistes.Man wird durchgängig sehen, daß ich die Nichtwürdkgung des Guten im römisch-katholischen Glauben und Handeln nicht ansehe als einen nothwendigen BestandtheildeS Charakters eines Geistlichen der englischen Kirche. Ich bin vollkommen überzeugt,daß die Vereinigung der englischen Kirche Mit der Kirche von Rom ein unberechen-