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bareS Glück sey» würde für die ganze Kirche Gottes und des menschlichen Geschlechtes,Wer anch die Scheidung gemacht habe, wir brauchen an seiner solchen Vereinigungnicht zu verzweifeln, für deren guten Vollzug brave Leute auf beiden Seiten hoffenund beten müssen."
Jetzt beginnt er die Erzählung seiner Reise in Frankreich im Jahre 1845. Wirwollen hier nicht sprechen von seiner Bewuuderuug für die mannigfaltigen katholischen Anstalten, die er besuchte. Er kam mit vielen der ansehnlichsten Geistlichen ins Ge-spräch, das meistens ans theologische Gegenstände sich bezog. Ueberall suchte er sichzu unterrichten und zu sehen, was von manchen Vorurtheilen zu denken sey. So sagter Seite 25: „Die Gemeinschaft der Heilige», als eine praktische Lehre, hat so wenigKraft unter uns, und nimmt eine so bedeutende Stelle ein in der römische» Theologie,daß wir unfähig zu seyn scheinen, jeden Andern in diesen, Puncte zu begreifen. Unddas, was das natürlichste Gefühl des Herzens ist sür ein gottesfürchtigeS Gemüth inder römischen Kirche, hat den Schein von Abgötterei in der anglicamschen Konfession."Vor Allem schienen ihm zwei Schwierigkeiten fortwährend in Gedanken zu bleiben,in Betreff deren er sich mühsamer seiner Vorurtheile entledigen konnte, und diesewaren: die Verehrung der heiligen Jungfrau und der Zustand der Anglikaner in ihrerKirche. Und nichtsdestoweniger emvfing er von den verschiedenen Personen, mitdenen er darüber sprach, eben dieselbe Antwort. In Betreff deS ersten gab man ihmüberall zur Antwort, daß die Katholiken Maria nicht anbeten, daß solch' eine Be-hauptung eine Verlästeruug der katholischen Lehre sey. In Betreff des zweiten erhielter überall die Antwort, daß jener Zustand nicht beruhigend sey, daß die einzigeHoffnung auf ein ewiges Glück für ihre Anhänger bestehe in einem braven Leben unddem guten Glauben, der wähnte, sicher die Wahrheit zu besitzen.
Eben dasselbe einhalten die Briefe während einer andern Reise von Frankreich nach Italien im Jahre 1847 geschrieben. In einem Briefe auS Genua vom 20. Julisagt er: „Die volle Erkenntniß des aScetischen und klösterlichen Lebens als eines christ-lichen Standes, und zwar des höchsten in dieser Art, ist von unberechenbarer Bedeu-tung. Im Mangel hieran kommen alle unsere großen Einrichtungen, sey eS sür denUnterricht, sey es für die Leitung der Jugend, sey eS für die Versorgung der Kran-ken, gerade da zu kurz, wo sie stark seyn müßten; sie haben keine Autorität; dieWelt, ihre Anschauungsweise und Grundsätze und Maaßregeln herrschen da, wie imgewöhnlichen Leben; und die Ursache, in Folge deren die Dinge sich so gestalten, istdiese, daß das wahre Leben, welches allein über der Welt ist, und seine Bedürfnisseund Regeln ausgeschlossen und verurtheilt sind. Wir haben Personen, wir habengroße Geister, wir haben Geld; aber wie werden wir Grundsätze zurückbekommen,die wir in der Praxis ausgegeben haben. Die Geringschätzung des CölibateS, derNichtbesitz der religiösen Orden erscheint als ein System des Christenthnms ohneKreuz." (Seite 123 uud 124.)
In dem Tagcbuche seiner Reise in Frankreich treffen wir dieselben Puncte an,aber sie treten schon schärfer hervor; schon ist der Herr Allies der Wahrheit nähergekommen. „Fürwahr, sagt er da, der Schlüssel aller römischen gottesdienstlichenUebungen ist: „.Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter unS gewohnt."" DieGegenwart der Menschwerdung brütet als ein Geist über Allem, gibt jeder Kniebeu-gung am Ältare einen Sinn, jeder Autorität Leben, Harmonie der wundervollen Reiheder Heiligen mit der jungfräulichen Mutter an ihrer Spitze, die Fürbitte einlegenbei der allerhciligsten Dreifaltigkeit, und ihre Gebete verbinden mit den Chören derEngel und den Stimmen schwacher Menschen, die den Streit des Fleisches aus-kämpfen. Der ganze Gottesdienst dreht sich um die Menschwerdung, erweitert, aufdas tägliche Leben angewendet, uuterS Auge gelegt und inS Herz gelegt, den Büßen-den umgebend am Beichtstuhle , den Priester entflammend am Altare; Kinder lebendavon, ohne sich dessen bewußt zu seyn; Mütter sehen durch sie auf ihre Kindernieder, so daß die mütterliche Liebe selbst tiefer, wärmer und heiliger wird; durch sieerträgt der Priester sein Leben voll Mühe und Selbstverläugnung so leicht, daß die