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Liebe das Brod zu sey» scheint, von dem er lebt, WaS ist davon daS Geheimniß?ES ist daS täglich am Morgen , stattfindende Sich-nähern dem Allcrheiligsten, das täg-liche Empfangen dessen, der Fleisch und Blut vergöttlicht..... „,/Daö Wort ist
Fleisch gcwoiden unv hat unter unS gewohnt,"" ist das Erste und das Letzte: erkommt in der Mitte einer Wplke von Heiligen; sie sind im Besitze von Macht, weilsie die Seinen sind; ihre Werke sind mächtig, weil er in ihnen wirkt; ihre Bittensiegen, weil sie, obwohl Fleisch und Blut, Mi'genvssen dcS Fleisch gewordenen Wor«teS geworden sind. Sie vor Allem, deren reinste Substanz er nahm, um für immerdie Scinige davon zu bilden, so daß, was von ihr kam, in hypostatischer Vereini-gung mit Gott ist..... So betrachtet ist die Gemeinschaft der Heiligen etwas Wirk-liches, unser tägliches Leben in tausend Puncten umfassend, die Ausbreitung der
Menschwerdung..... Für Jene, welche die heilig/schauervolle Gegenwart am Altare
nicht verwirklichen, sind die Heiligen eben so viele zu Göttern und Göttinen gemachtesündige Männer und Franen, und ihre Verehrer Götzendiener. Wie Vieles verliertdaö Volk durch solch' einen falschen Begriff; wie gar sehr fehlt es ihnen an demBegreifen der Länge und Tiefe, und Breite und Höhe der Wahrheit; sie Halbirenund vimheilei! die Menschwerdung, und brüsten sich damit, daß sie allein dieselbebegreifen. Die vervielfachten Gebete und Lobgesänge scheinen ihnen Fvrmwerk zu seyn,die Beugung dcö Leibes ein Spott, weil sie den nicht uuterscheiden, der zwischen dengoldenen Leuchtern wandelt — es ist Leere für sie da, weil er nicht da ist."(S. 192—194). Viel sprach AllicS auf dieser Reise über die zwei bereits genanntenPuncie und üt»r die Machtvollkommenheit des PapsteS.
Endlich finden wir am Schlüsse seines WerkchenS merkwürdige Aeußerungen.„Ich bin getroffen durch die Kraft in der römischen Kirche, ausgeübt durch daS großeDogma der wirklichen Gegenwart. ES ist der Mitte,Punct und daS Leben deS Gan-zen. Cs ist der geheime Grnnd der beschwerlichen und selbstverläugnenden SendungdeS Priesters; davurch vor Allem halten sich auch die religiösen Orden ausrecht; diewärmsten, tiefsten, demüthigsten, segensreichsten und entzückendsten Rührungen umgebendasselbe, die Nonne, die schweigend Stunden laug anbetet, indem die eine von derandern das einsame, mit heiligem Schauer erfüllende Wachen in der unmittelbarenGegenwart deö Königs der Könige übernimmt, die Menge der Anbeter, die knicen indem glücklichen, aber heilig-hehren Augenblicke, wo Erde und Himmel verbundensind durch die Herabkuuft deS geheimnißvollen Bräutigams in den Tabernakel seinerKirche; die fromme Seele, die nicht ein- oder zweimal, sondern oftmals im Tage sichvor ihm vcrdcmüthigt; die Congregationcn, die den Tag schließen, indem sie ihreHuldigungen unmittelbar ihm darbringen, als gegenwärtig verdreifachen, menschlichenNatur, dem Leibe, der Seele und dem Geiste. Das Alles bekundet den tief prakti-fchcn Einfluß, welchen das Dogma von der wirklichen Gegenwart auf katholischeGemüther ausübt. Sind ihre Kirchen nicht heiliger für die gläubige Seele, als derTempel zu Jerusalem war, wenn die sichtbare Glorie des Herrn herabstieg? Zeigtnicht die blasse Lampe, welche vor dem Tabernakel brennt, eine Gegenwart an,unaussprechlich mehr mitleidend, gnadenvoller nnd entzückender für den Menschen?"(Seite 34l) und 3-4 l.) Er vergleicht damit den kalten Gottesdienst in den anglicani-schen Kirchen. „Daö wirkliche Bestehen deS römischen Priesters (so fährt er fort),der Ersatz für Alleö, was er thut oder leidet, hängt ab von jener halben Stunde
deS TagcS, in welcher er seinem Herrn begegnet. Welch' ein unnennbares Vorrecht.....
Und wie würde der Mönch oder die Nonne leben können, wenn nicht durch denbeständigen Empfang der hl. Encharistie und die andauernde Betrachtung der Mensch-werdung: England hat die Mönche und Nonnen verbannt, und die Annen vergehendurch Mangel am Brode des Himmels, und die Kranken sterben in einem uubclehrtenHeidenthum, und die Jugend wird verleitet durch jeglichen Wind von Lehren, indemsie allzeit lernt, aber nie zur Kenntniß der Wahrheit kommt. Und zugleich mit densich selbst verläugnenden Orden, die zeugen von dem überreichen Leben, das aus derTiefe von Christus Kirche hervorquillt, hat England daS Dogma der wirklichen