Ausgabe 
13 (28.8.1853) 35
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Spotlftste an seinem Hofe zu Moskau einführen, und bediente sich derselben besonders,um dem Herzen deS Volkes die Hochachtung und Ehrfurcht zu nehmen, die eS nochbis dahin vor der Patriarchat - Würde gehabt hatte. Schon im Monat Mai desJahreS 1702 ließ er eine große HofmaSkerade veranstalten, in welcher vorzüglich diekirchlichen Sitten und Gebräuche, so wie die Bestrebungen deS hohen KlcruS auf dasLächerlichste dargestellt wurden. Der berühmte Sotow, PeterS erster Lehrer, mußtehier die Rolle eines abgesetzten, um den Besitz seiner Rechte ringenden Patriarchendarstellen.

Es kommen allerdings im Leben PeterS des Großen einige Züge vor, in denener eine Vorliebe für die lateinische Kirche und ein Verlangen nach der Wiedervereini-gung mit ihr zu offenbaren scheint. Wäre aber die Herstellung deS Friedens zwischender russischen und lateinischen Kirche sein aufrichtiges Streben und Arbeiten gewesen,so hätte er dieses Ziel eben so leicht, als die Einführung der Synode erreichen können.Weil er überhaupt mit dem russischen Volke seine Absichten verfolgte, ihm eine gewisseErziehung und Bilduug zu geben, benutzte er die Mittel, welche sich in der lateini-schen Kirche fanden, jedoch nur so lange, als es ihm gut schien. Ans die kräftigeFürsprache und Vermittlung des österreichischen Kaisers JosephsI. hatte Peterden römischen Katholiken freie Religionsübuug ertheilt und die Erlaubniß gegeben, inMoskau sich eine schöne unv große Kirche von Stein zu erbauen, da bis dahin nurein kleines Bethaus von Holz geduldet war. Um die russischen Mönche, die imWohlleben schwelgten, aufzuwecken, und Wissenschaft unter Klerus und Volk zu ver-breiten, ließ er ferner die Capuciner und Jesuiten in seine Staaten kommen undertheilte ihnen freie Wirksamkeit in der Ausübung ihres Berufes. Beide religiöseKörperschaften erhielten die Erlaubniß, Missionshäuser in Moskau zu errichten, umvon hier aus für die Bedürfnisse der im Innern dieses großen Reiches angesiedeltenKatholiken sorgen zu können. Wie er aber aus eigenem Antriebe die Jesuiten nachRußland berufen hatte, so vertrieb er sie auch später wieder, als sie ihm in der Aus-führung seines Planes hinderlich wurden.

Ungefähr zwanzig Jahre ließ Peter der Große den Patriarchenstuhl unbesetzt.Während dieser Zeit sollte das Andenken an die Rechte und Würde des Patriarchenimmer mehr beim Volke erlöschen; zudem handelte der Czar in dieser Zeit in kirchlichenDingen ganz nach Willkür und Laune, um das' Volk und den Klerus an seine Re-gierung in geistlichen Dingen immer mehr zu gewöhnen. Er besteuerte die Besitzun-gen der Klöster und Bischöfe; die verschiedenen Titel und Würden mehrerer Visthümerschaffte er ab und bei Erledigung derselben befahl er, einen einfachen Bischof zu wäh-len und dieser wurde noch in der freien Ausübung seiner Rechte vielfach - beschränkt.Dann nahm Peter auch die Reform der Mannö- und Franenklöster vor, und schal-tete in denselben nach Belieben. Gegen die unirten Basiliancr in Polozk verüblePeter eine Grausamkeit, die mit Recht eine wahre Schandthat zu nennen ist. DerCzar ward bei seiner Ankunft in Polozk auf das Ehrenvollste empfange» und ihm einglänzendes Gastmahl bereitet. Taumelnd und vom Trunke übermannt wankte Petermit seinen Bojaren zur Nachtszcit durch die Straßen der Stadt. Der Frühgesangder Basiliancr weckte ihn auf diesem melancholischen Spaziergange ans dem Schlafeund die Neugier führte ihn in ihr Kloster. In der Mitte des Thores befand sich dieSlatue des heil. Josaphat, der ehemals Archimandrit dieses Klosters war, mit demZeichen seines MärtyrtodeS, der Art in der Mitte deS KopfeS. Peter fragte erstauntden Vorsteher des Klosters, einen frommen, ehrwürdigen Greis von fast achtzigJahren, was dieses bedeute, und wer diesen Bischof getötet.Die Schismatiker,"erwiederte der Greis,denen Eure Majestät angehören," Wie, rief der Czar erzürntaus, wir sind also Tyrannen? Bei diesen Worten zog er den Säbel auS derScheide, unv versetzte ihm einige Hiebe. Der Greis sank zu Boden. Nun fielen dierohen Begleiter des CzarS über ihn her, und tödteten ihn vollends nebst zwei andernVätern, die dem Sterbenden zu Hilfe.geeilt waren. Als er nach vollbrachtem Morddas Kloster verlassen, kam er zur Besinnung; er gestand später, diese Missethat im