294
Größeres gethan, als wenn Jemanv den Armen hundert, ja tausend Gulden ged.n,aber dabei nur Lob und Beifall der Menschen suchen würde. Damit, meine Christen,wollen wir ron nun an und zwar von diesem Augenblicke angefangen, eS recht ernstlchnehmen und dann werden alle Obliegenheiten unseres Berufes zu einem gottgefälligenOpfer werden, und wir dürfen nicht besorgen, daß wir vor GotteS Richterstuhl mitleereu Händen erscheinen möchten. Weil dieß aber etwas Großes und Wichtiges istund wir schwach und hinfällig sind, so will ich mich nun an Einen wenden, welcherhelfen kann und helfen will.
Vater der Barmherzigkeit, gieße Deinen Segen auS über die christlichen Ge-meinden, welche Du nach Deinem uncrforschiichen Rathschlusse mir anvertraut hast!Sende ihnen Deinen heiligen Geist, damit sie alle Arbeiten ihres Berufes zn DeinerEhre anfangen und vollenden. Herr, ziehe ihre Herzen ganz an Dich, damit sieüberall und in Allem Dir mit wandelloser Treue dienen mögen! Laß die Hausväterund Hanömülter die Kinder, die Du ihnen gegeben hast, zu Dciner Ehre erziehen, inihrem Hause christliche Ordnung handhaben nnd Allen mit dem Beispiele der Gottes-furcht »nd Gewissenhafligkeil vorangehen. Segne auch den Fleiß ihrer Hände, damitsie das tägliche Broo für sich und die Ihrigen haben und Dich, den Geber, preiseilmögen! Beschütze die Jünglinge nnd Jnngsrauen, damit sie in Unschuld deS Herzensvor Dir wandeln und vor den Fallstricken der Versuchung bewahrt bleiben! VereinigeAlle in Eintracht, Frömmigkeit und Rechtschaffenhcir und mache sie würdig, nach voll-brachtem Lebenslaufe in Deine Herrlichkeit einzngehcn. Amen
Gegeben zu Wien am Feste der Himmclfahrt Unserer Lieben Fran, den 15. Aug. 1853.
Joseph Othmar.
Missionsbericht.
N BifchosShcim a. d. Tauber, 3. Sept. Gestern Morgen wandelte ich imschönen Thalc der Tauber zwischen anmuihigen Hügeln nach dem l'/z Stunden enr-senilen Werrbach. Wcrrbach liegt freundlich in der Mitie des ThalcS, wenige Stnndenvon Wertheim entfernt, m>d ist diese Gegend an und für sich auch eine stille, den ^Geist, der Ruhe sucht, einladend, so fand ich doch jetzt frisches Leben, und ein Wogenvon Leuten, wie man es dort nicht gewohnt ist; aber ein Leben, daS die traulicheStille nicht stört, ein Leben höhirer Krt, Es wird eben heil. Mission gehalten, welcheschon am letzten Sonntag begann nnd Sonnrag den 11. September enden wird. Wiewurde ich so angenehm überrascht, in der schönen Kirche Pater Roh, diesen großenMann, der sich um Augsburg Verdienste erworben, die nur der Himmel lohnen kann,im Beichtstühle zu sehen; ihm gegenüber saß »V Aller. Nachdem sich die Missionäre,die beiden Genannten nnd l'. Z weisig von früh Morgens ^'/z bis 9 Uhr imBeichtstühle abgemüdel hatten, wnrde von 9 - 10 Uhr ein feierliches Hochamt gc>halten; um 10 Uhr bestieg p. Aller die Kanzel und hielt eine tief eindringlichePredigt über die Habsucht; in ergreifenden Zügen schilderte er die Folgen dieses Uebels.Von 2 — 3^2 Uhr verkündete p Zw eisig das göttliche Wort; »nd behandelte einThema, „vitig linZuge", das in Ihrer Stadt, wenn ich mich recht erinne-e, und ichhörte in Jbrem schönen Dome alle Vortrüge, nicht Gegenstand einer eigenen Redewar. Es war mir dieser Vorirag von, hohem Interesse, denn er machte auf dieNothwendigkeit, „die Zunge wohl zu bewachen", wenn man sein ewigeS Heil nicht ver-scherzen will — in über,el!gendcr Weise aufmerksam. Um -1 Uhr wurde die Predigtim Freien gehalten. Faßt die Kirche viertausend Menschen, so können aus dem Platzevor der Kirche sie wohl achtzehntansend Menschen hören, nnd wenn, wie gcsttrngeschah, l>. Roh, dieser gewallige Redner, das Wort ergreift, dringt cS auch in dienah und sogar etwas sern gelegenen Häuser. In Inständigem Vortrage' zeichneteer daS schauerliche Bild dcr Uukcuschheit, Mir gewohntem Scharfsinne, mit tieferUeberzeugung bewies er die (^röße dieser Sünde, wie sie nur selten eine läßliche sey,wie dieses Gift, Alles verderbend, in die Familien eingedrungen, den Untergang be-