Ausgabe 
13 (18.9.1853) 38
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dcr Bürger sogenannte Weihnachtslicder (ILeisIiecIeicer>5), meist von dem alten Ant<werpener Liederdichter KoeS, singen, wobei die Buben große Papiersterne, in derenMille ein Licht steckt, au einem langen Stock rund drehen, so von HauS zu HauSziehend. Gewöhnlich nun ist dieser Gesaug nichts anders, als ein Klaglied auf denTod der guten Fürstin mit dem Refrain:

On?' I^3i/.er'm is overleäen,

^a, ons Mria Meresis!

Ein erhebendes Beispiel»

Wie sehr iu Wien die Slimmunz nicht nur in politischer, sondern auch in reli-giöser Hinsicht zum Bessern umgeschlagen hat, davon habe ich am verflossenen Sonn-tage, den 28. August, einen herrlichen, tief ergreifenden Beweis erlebt. Ich ging andiesem Tage um 10 Uhr Bormittags durch die Kolhgasse der Mariahilferkirche zu;da holte ich klingeln; ein Priester trug das Allerheiligste zu einem Kranken. Allesbekreuzte sich! Viele knieten auch nieder nun das ist nichts ungewöhnliches! es istnoch so ein altcö Stück Gewohnheit, welches sich auS der guten, alten, glaubeuSsestenBergangenhcit zu unS herüber gerettet hat. Als aber dcr Priester näher kam, hörleich Stimmen, welche beteten:Heilig, heilig ist nnser Herr Gott Sabaolh ." Ichsah auf und bcmerkle eine Schaar junger Männer, welche mit entblößtem Haupte paar-weise himer dem Priester herschritlcn und Gott die Ehre des Geleites gaben. Ichglaubte anfangs zu träumeu und wähnle im Gesichte das Wien zu sehen, wie es vordrei Jahrhunderten war. Aber die Stimmen tönten immer lauter, der Zug wurdeimmer länger, und tief ergriffen schloß auch ich mich demselben an und solgie bis zumHause des Kranken; aber auch hier entfernten sich die Begleiter nicht, sondern harrtenunter Gebet bis der Priester zurückkam. Sie folgten ihm wieder in der schönsten Ord-nung nnd unter lautem Lobgesang, bis sie an der Kirchenthüre knieend den Segen er-halten hatten. Und wer waren diese jungen Leute, welche den indolenteiz Wiener Pflastertretern wieder einmal gezeigt haben, was katholische Eilte sey? Es warenHandwerksgesellen, welche eben von allen Seilen in die Lehrstunden ciltea, die für sieim Localc deS Eeselleiuercines abgehallen werden. Und welchen Eindruck machlc dieseScene aus's Lolk?

Alle Hausgenossen des Kranken versammelten sich und beteten unter Thränender Rührung mit den in der Hausflur weilenden Gesellen; auf dem Wege las manauf den Gesichtern ringsum Erstaunen, Bewunderung und Rührnng ja einige Er-wachsene und sehr viel! Kinder schloffen dem Zuge sich freundlich an. Nur rüstigvorwärts auf dieser Bahn, brave Gesellen! dann werden wir sehr bald erfahren, daßsich nicht mehr so Viele schämen, Christen, katholische Christen zu seyn. (Oest. Schulb.)

Aus Napoleons letzten Tagen.

Die jcht in England erschieneneGeschichte der Gefangenschaft Napoleons aufSt. Helena, " von Sir Hudson Löwe, macht vieles Aufsehen dnrch manche unccwarlctneue Mittheilungen, die sie enthält. Wir führen nur folgendes Beispiel an:AlsNapoleon fühlte, daß er jeden Tag schwächer werde, bat er um geistliche Medizin,und zwar um einen tüchligen, gelehrten, scharfsinnigen Theologen, mit dem er alleTiefen der Religion durchforschen könne.Selbst Voltaire, " sagte er,bat nm Trö-stungen dcr Religion vor seinem Tode, und so möchte auch wohl ich Trost im Um-gänge mit einem Manne finden, dcr mir Geschmack.an religiösen Unterhaltungen bei-bringen und mich sromm machen könnle."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

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