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Eine Converfion.
Die „Kath. Bl. a. Tirol" enthalten folgende Begebenheit: Ein junger Schwede,der Sohn eines hochgestellten wohlhabenden Beamten, der eine besondere Vorliebe zurBaukunst zeigte, sollte sich nach München begeben, mu in dieser Stadt, die zur Aus-bildung in dieser Kunst ein so reiches Feld bietet, seine Studien zu vollenden. Wennschon die Liebe zur Kunst ihn zu jedem Opfer bereitwillig machte, so trat er dennochnicht ohne einige Scheu diese Reise an. In der protestantischen Religion erzogen,betrachtete er die Katholiken nur als abergläubische Schwachköpfe, da sie ihm alssolche stets beschrieben worden waren. Daher kann man sich den geheimen Wider-willen leicht vorstellen, der ihn bei dem Gedanken, in einer Stadt, deren MehrzahlKatholiken sind, leben zu müssen, erfüllte. — In München angekommen widmete ersich mit allein Eifer seiner Kunst. Unter den jungen Leuten, welche gleiche Studienverfolgten, war er bald heimisch; besonders fühlte er sich zu einem Jünglinge hinge-zogen, dessen Liebenswürdigkeit bald sein ganzes Herz gewann; — und dieser warein Katholik. Allein nicht nur ein Katholik dem Namen, sondern der innigsten Ueber-zeugung nach; er fühlte so recht das Glück, dem wahren Glauben anzugehören, deneine sorgsame Erziehung ihm eingeprägt hatte. Nach einiger Zeit, in welcher diesebeiden jungen Leute sich recht herzlich lieb gewonnen hatten, leitete der junge Schwededie Rede auf die Verschiedenheit ihres Glaubens, und versuchte durch spöttische Fragenseinen Freund in Verlegenheit zu setzen. Dieser jedoch, in demjenigen angegriffen, wasihm das Heiligste war, wußte alle Einwürfe so zu widerlegen, daß der Schwede sichstets überwunden sah. — Das freundschaftliche Verhältniß dauerte indessen fort; derSchwede fing an, schweigsam und nachdenkend zu werden. Sein Freund bemerkte es,wußte jedoch diese Veränderung nicht zu deuteu; auch wagte er eS nicht, ihn darüberzu befragen. Eines TageS, da er seine innere Unruhe nicht länger bemeistern konnte,ergriff er die Hand seines Freundes und bat ihn dringend, ihn zu einem katholischenPriester zu führen, der ihm Aufschlüsse geben könnte, nach welchen sein Herz sich sosehr sehne, er vermöge nicht länger mehr diesem Dränge zu widerstehen. — SeinFreund, höchlich darüber erfreut, wies ihn zu einem sehr gelehrten und frommen Prie-ster. Der Schwede, innig erfreut, seinem Herzen nun Linderung verschaffen zu können,begab sich sogleich zu dem Priester. Gott , dessen Gnade ihn bis daher geführt hatte,wollte nun seine Geduld noch auf eine harte Probe stellen; die Sehnsucht sollte stetsnoch mehr gesteigert werden, um den Werth dieses höchsten Gutes in feiner ganzenGröße schätzen zu lernen. Gott fügte es, daß er den Priester nie treffen konnte, underst, nachdem er bereits zum siebentenmale sich gemeldet, gelang eS ihm, seinen Her-zenswunsch erfüllt zu sehen. — Der Priester, hoch erfreut und dem Herrn dankend,nohm den Jüngling freundlich auf und unterrichtete ihn mit aller Liebe; seine Mühewurde überreichlich belohnt, denn die Seele, die so nach der Wahrheit dürstete, wußtedieses hohe Glück vollkommen zu würdigen. ES rückte die Zeit heran; er legte dasGlaubensbekenntniß öffentlich in der Herzogspitalkirche bei dem Altare der schmerzhaftenMutter ab, und legte es auf eine Weise ab, daß alle Anwesenden zu Thränen gerührtwurden. — Es war der entscheidende Schritt für Zeit nnd Ewigkeit gethan. Nunmußte er seine Angehörigen davon benachrichtigen, er ahnte die Folgen: allein er warzu jedem Opfer bereit. Die Antwort des Vaters traf bald ein. Der Vater, imhöchsten Grade einrüstet, erkannte ihn nicht mehr als seinen Sohn an; der Sohnhatte alle Rechte ans dessen Herz verloren; deS VaterS Unwille ging so weit, daß erdem Sohne jede fernere Unterstützung verweigerte, um ihn so dem Elende preiszugeben.Jeder Versuch, die Verzeihung des Vaters zu erhalten, blieb fruchtlos. Dem Sohneblieb nun kein anderes Mittel mehr übrig, als seinen Vater dem Herrn zu empfehlen,nnd von ihm dessen Erleuchtung zu erflehen. Nun aller Hülse beraubt, muße er ausMittel denken, um sein Leben zu stiften. Er miethete eine Dachkammer, es nahteder Winter, er fand keine Beschäftigung und war plötzlich dem größten Elende preis-gegeben. Keine Klage entschlüpfte seinem Munde; Jesu zuliebe ertrug er sein Elendgeduldig; der Herr hatte ihm ja Alles gegeben, in ihm fand er hinlänglichen Trost.