Ausgabe 
13 (25.9.1853) 39
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Blatte zu sonnen. Sie that noch weit mehr; sie rühmte ihrer Thorheit sich als derglorreichsten Entdeckung. Deßhalb gelangte sie zu Dingen, welche zwar sehr srevelhaft,aber wo möglich noch unsinniger waren; sie handelte bei ihren Verfügungen zur Be-seligung der Welt, wie Jemand, welcher sagen wollte: Ich weiß nicht, warumman große Diamanten zu so maaßlosen Preisen bezahlt, man kann ja deren sehr leichtmachen, wenn man eine Anzahl kleinerer zusammenschmilzt. Und sogleich wirft derweise Mann eine Handvoll Diamanten in den Schmelztiegel. ES war den Leutennichts weniger abhanden gekommen als alle Kenntniß der menschlichen Natur, auchjene, welche man sonst bei allen Menschen mit gesunden Sinnen als Etwas, das sichvon selbst verstand, voraussetzen durfte. Die Offenbarung zeigt uns den Menschenals Glied in der großen Kette der Geisterwelt, sie verkündet uns die Liebe Gottesals seine höchste Aufgabe und sein innerstes Bedürfniß. Damit ist der Faden durchdas Labyrinth gegeben. Der Wahnsinn, zu welchem die Entwicklung der hochgeprie-senen Grundsätze führte, hat in Vielen den Glauben erschüttert, womit sie srüherdenselben huldigten. Wird ihnen dargethan, welches Licht sich über die verworrenenZustände der Gegenwart verbreite, wenn man das geistige Leben in seiner richtigenBedeutung auffasse, so kann manches Vorurtheil zerstört werden. Bei großenUmwälzungen der Gesinnung stehen Verirrungen der Forschung niemals in derVorderreihe; sie können aber den eigentlich wirkenden Mächten vielfache Förderungbereiten.

Seit fünf Jahren hat sich die Bestrebung kundgegeben, für daS christliche Lebenin der Gemeinde neue Mittelpuncte zu gründen und sie ist nicht ohne gute Berech-tigung. Die Kirche ist der große Verein zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligungder Menschen, welchen der König der Ewigkeit gegründet hat. Inner ihrer Gränzen,welche zugleich die Gränzen der Erde sind, soll jeder Kirchensprcngel, inner jedesKirchensprengels soll jede Pfarre einen engeren Kreis beschreiben, in welchem die Gläu-bigen mit einander brüderlich an dem Werke ihres Heileö arbeiten. Dabei bleibt jedochimmer noch ein Spielraum für solche Aufgaben der christlichen Thätigkeit, welchensich nicht Jedermann in gleicher Weise zuwenden kann. Daher hat die Kirche esstets gebilligt, wenn mit ihrem Segen und unter ihrer Leitung Gleichgesinnte sich zuWerken der Andacht, der Buße, der Barmherzigkeit vereinigten und die Bruderschaftender alten Zeit waren ein Blumenschmuck im Garten GotteS: denn trotz allem Mensch-lichen, was sich dabei einschlich, wurden sie vom Geiste deS Glaubens und der Liebegetragen. Durch Gottes Zulassung haben in größeren Städten die Bande der Pfarr-gemeinde sich gänzlich gelockert und in weitem Bereiche thut es dringend Noth, daßvorerst das häusliche Leben und die gesellschaftlichen Beziehungen wieder etwas vomsegnenden Hauche des Christenthums empfangen. Eine Einigung derjenigen, welchedieß lebhaft erkennen, vermag unter dem leitenden Schutze der Kirchengewalt einen sehrheilsamen Einfluß zu üben. Es ist dadurch ein Anstoß gegeben, mit der Lehre deSHeils und den Einrichtungen der Kirche sich ernstlich zu beschäftigen und von GotteSOffenbarungen jene zusammenhängende Kenntniß zu erwerben, an welcher eben dieGebildeten so empfindlichen Mangel leiden. Es ist damit ein Anfang gemacht, umdie still wirkende, doch mächtige Tyrannei der falschen Scham zu überwältigen. JederEinzelne weiß, daß diese Alle sich schämen, ihre katholische Gesinnung an den Tagzu legen, oder daß sie zum mindesten eine solche Scham als die kläglichste Thorheitanerkennen. Es ist ein Anhalt dargeboten, um das christliche Ehrgefühl wieder inder Gesellschaft zur Geltung zu bringen; eS wird jener heilbringenden Scham, welchesich auf keiner Verletzung der Gesetze Gottes will betreten lassen, wieder die Pforteoder doch ein Pförtchen aufgethan. Vereine, deren treue Bemühung darauf gerichtetist, die katholische Ueberzeugung in sich und Anderen zu kräftigen, können daher imKampfe wider Vorurtheil und Lauigkeit sehr Bedeutendes leisten. Zwar haben sieeigentlich die Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen; allein das große Werk derErneuerung kann auch im besten Falle nur durch lange, geduldige Bemühung gelingen,und dann ist es nicht nur möglich, sondern auch rathsam, daß mit der Bemühung,