Ausgabe 
13 (25.9.1853) 39
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die christliche Ueberzeugung am häuslichen Herde wieder zur Geltuug zu bringen, auchbesondere Zwecke der Frömmigkeit und Nächstenliebe verbunden werden.

Ein mächtiger Ruf des Herrn ertönt in den Volksmissionen. Wenn es wahrist, daß der Mensch nur allzu leicht sich von den Gelüsten des Augenblickes hinreißenläßt und mit dem Glauben, welchen er bekennt, in Widerspruch geräth, so ist esdoch unstreitig heilsam und räthlich, daß wir uns die ewigen Wahrheiten, welche derleitende Stern unseres Wandels seyn sollen, manchmal im Zusammenhange vergegen-wärtigen und in ernster Erwägung auf alle Richtungen unseres Verlangens und Stre-benS anwenden. Dieß und nichts Anderes ist der Zweck der geistlichen Uebungen.Werden nun die geistlichen Uebnngen nicht im Innern eines HauseS und hieinit füreine beschränkte Zahl von Theilnehmern, sondern in der Kirche und für die ganze her-beiströmende Menge des christlichen Volkes gehalten, so nennt man sie Volksmisstonen.Volksmissionen entsprechen also den tiefsten und wahrsten Bedürfnissen des menschlichenHerzens: deßwegen halten sie durch die christlichen Länder einen Siegeszug, welchemdie zurückgebliebenen Schüler der Aufklärung mit Aerger und Staunen zusehen. MitGotteS Beistände werden sie auch in unserer Mitte einen wirksamen Beitrag geben,um die Schlummernden zu wecken, um die Lässigen zu stärken, um das Gesetz desHerrn in Vieler Herzen mit unauslöschlichen Zügen einzuschreiben.

Der, welcher den Stürmen gebot und den MeereSwogen Befehle gab, ist alswahrer Gott und wahrer Mensch in unserer Mitte. Wie daS Auge sich geblendetsenkt, wenn die Mittagssonne ihm entgegenleuchtet, so neigt sich der überwältigte Geistvor diesem Wunder der Gnade, und er vermag nichts als mit den Seraphinen zurufen: Heilig, heilig, heilig! So überströmend ist die Huld des Herrn, daß ein heiligerSchauder uuS erfassen muß. Was sind wir und was könnten wir seyn mit einemsolchen Helfer!Weh mir, wie viele Wege zum Heile thun sich uns auf!" ruft derheilige Chrysostomus, da er auf das allcrheiligste Sacrament seine Betrachtung wendet.Diese Fülle der Erbarmungen ist uns aber nicht nur für uns selbst, sondern auch fürdie uns Anvertrauten gegeben, und vermögen wir ihnen in dieß Innerste deS Aller-heiligstm den Weg zu erschließen, so sind sie überreich an allen Gütern. Bewunde-rung, Dankbarkeit, Ehrfurcht, die Pflicht gegen unsere eigene Seele, die Pflicht gegendie christliche Gemeinde drängt wie mit unsichtbarem Flügelschlag uns hin, die Anbe-tung und den würdigen Empfang des allerheiligsten Altarssacramentes nach Kräftenzu vermehren. Wie der Anblick der sichtbaren Schöpfung ein reines Gemüth zu demSchöpfer erhebt, so kann auch der Schmuck der Altäre, der Laut der Gesänge, diestumme Predigt der bildlichen Darstellungen dazu beitragen, in dem Herzen die Ah-nung der Herrlichkeit unseres GotteS zu erwecken. Zugleich ist die rege Bemühung,den bei uns weilenden Erlöser auch mit äußeren Huldigungen zu umringen, eine Be-thätigung des Glaubens und der Ehrfurcht, welche schon durch die Macht des Bei-spieles auf die Gemüther wirkt. Darum, theure Mitarbeiter, thut Alles, was dieVerhältnisse Euch gestatten, um den auf dem Altare gegenwärtigen Gott auch äußerlichzu ehren und jede gottesvienstliche Handlung, in welcher ihm der Zoll der Anbetungdargebracht wird, so feierlich als möglich zu begehen. Eure besondere Aufmerksamkeitverdient die erste Communion der jungen Christen. Wenn sie mit entsprechenden Feier-lichkeilen umgeben und von einer herrlichen Ermahnung begleitet ist, so hinterläßt siedem Herzen einen Segen der Erinnerung, welcher nicht so leicht seine Kraft verliert.Hat man über keine großen Mittel zu verfügen, nun so lassen sich wenigstens Blumenfinden, und der Heiland sagt ja von den Blumen: Salomon in aller seiner Prachtsey nicht so herrlich bekleidet gewesen, wie Eine von ihnen. Vor Allem aber, AuS-spender der Geheimnisse GotteS , bietet die ganze Kraft der Unterweisung und Ermun-terung, die ganze Ausdauer der Mühewaltung auf, damit die Gläubigen oft und mitwürdiger Vorbereitung zum Gastmahle des reinen LammeS hinzutreten. In Beichteund Eommunion sind Schätze verborgen, welche, wenn sie gehoben werden, zur Er-neuerung eines Volkes vollkommen hinreichen, und kaum wird es irgendwo an Solchenschien, welche Eurer väterlichen Einladung bereitwillig entgegenkommen.