Ausgabe 
13 (25.9.1853) 39
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Abgrundes geriethe, wie sollten wir mit freudigem Vertrauen vor das Angesicht unsersMeisters treten? Indem er diese Seele suchte, wurde sein Haupt von Dornen zer-rissen, wurden seine Hände und Füße von Nägeln durchbohrt, wurde sein Herz vonder Lanze durchstoßen, und nun ist sie verloren in alle Ewigkeit! Unstreitig verlangter von uns nicht mehr als wir vermögen; aber Alles, was wir vermögen, verlangter von unS, so wahr er die mit seinem Blute Erkauften liebt. Indessen vermögenwir Alles in ihm, der uns stärkt: denn es ist ihm alle Macht gegeben im Himmelund auf Erden. Und will doch noch ein Bangen uns beschleichen, so wenden wirunS an die Mutter deS Trostes, deren Siegesfest wir heute begehen.

Königin des Himmels, als du unter dem Kreuze standest, durchdrungen von dembittersten Schwerte der Schmerzen, vernahmst du das göttliche Wort: Siehe, Weib,dein Sohn! Der dir zum Sohne gegeben wurde, war Johannes, welcher bei derEinsetzung des großen HuldgehcimnisseS an der Brust des Heilandes lag; es warJohannes, der Lehrer und das Vorbild der Nächstenliebe, dessen letztes Vermächtnißan seine Schüler lautete: Kinder, liebet einander! Auch ich und die Priester, welchedein Sohn mir zur Hülfe geordnet hat, sollen die Geheimnisse deS Heiles verwaltenund um das höchste Werk der Nächstenliebe zu üben, um die Seelen zu retten, sindwir gesandt. So nimm auch unS zu deinen Söhnen an! Erwirb uns durch deinemütterliche Fürsorge Licht im Zweifel, Trost in der Widerwärtigkeit, Kraft in derBeschwernis), überall aber und in Allem den brennenden Eifer der Liebe! Mutter,hilf uns Jene selig machen, die unS anvertraut sind; dann erbitte unS dort einenPlatz, wo Johannes seinen Meister anbetet und dich preiset und liebt in Ewigkeit. Amen.Gegeben zu Wien am Feste der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau den 15. Aug. 1853.

Joseph Othmar.

Niederlande .

AuS Holland enthält daSUnivers" einen interessanten Bericht, nach welchemdie Katholiken zu Hoffnungen auf die Zukunft nicht unberechtigt sind. Der Erbprinzbesuchte nämlich auf seiner Reise durch die ganz katholische Stadt Bormeer das dor-tige Carmeliterinnenkloster. Zur Zeit seines Besuches war eben der hochwürdige General-procurator dieses Ordens, ?. Priori, eingetroffen, um in den Häusern der ProvinzDeutschland Visitationen zu halten. Der Prinz war über Alles, was er in demFrauenkloster sah, sehr befriedigt und bat, als er von der Ankunft des Generalpro-cnratorS und von dessen glänzenden Eigenschaften ?. Priori ist. Mitglied mehrererCongregationen und einer der hervorragendsten Männer der ewigen Stadt hörte,derselbe möge sich ihm vorstellen lassen. ?. Priori beeilte sich, der hohen EinladungFolge zu leisten und wurde von dem Prinzen auf das Herzlichste empfangen. DerThronerbe redete viel von Rom , seinen Alterthümern und von dem Wunsche, es zubesuchen; er fragte namentlich nach dem Befinden Sr. Heiligkeit, und äußerte unterAnderem, er habe auch daö Bildniß desselben, leider aber sey dasselbe kein ganz ge-lungenes. ?. Priori, der zufällig im Besitze mehrerer sehr gelungener Portraits ist,bot dem Prinzen eines an, den dieses Geschenk nicht wenig freute, und der nochmehrere bronzene Medcu'llonS mit dem Brustbilde Sr. Heiligkeit und der Apostelfürstendankend entgegennahm. Der Kronprinz versprach ?. Priori, wenn er nach Rom komme, ihn besuche» zu wollen, und äußerte, daß er sich inzwischen, bis es ihm ver-gönnt wäre, dem heil. Vater persönlich seine Huldigung darbringen zu können, mitdem Anblicke seines Bildes entschädigen werde. Wenn er auf die Katholiken und ihreKirche zu sprechen kam, erhob er sich weit über die Norurtheile, welche in diesemAugenblicke seine Glaubensgenossen irreführen.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags - Inhaber: F. C. Kremer.