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aussetze. Doch die Forschung glaubte sich der christlichen Wahrheit entwachsen; mitunsäglichen Prahlereien verhöhnte sie die heiligen Belehrungen, in deren Lichte dasGeheimniß der menschlichen Nalur und Bestimmung sich erschließt. Wie und wo siedieß that, vergeudete sie edle Kräfte in thörichten Versuchen, das Grundgesetz dersittlichen Ordnung umzuändern und verirrte sich schließlich in eine pfadlose WüsteDie Kunst lebt von dem Widerscheine einer höheren Welt; ohne ihn vermag sie nichts,aber sie kau« ihn in der Pfütze suche», welche ja auch die Sonne abspiegelt, freilichnach Art einer Pfütze, Allein die christliche Wahrheit führt sie in das Heiligthum,wo das wahrhaft Höchste thront, und wmn sie die Stufen des Altars hinantritt undeinen Funken empfängt von der Flamme, welche dort emporsteigt, so enthüllen sichihr die herrlichsten Vorbilder, zu welchen der Menschengeist sich erschwingen kann.
Der Herr hat gesprochen: „Wer immer sein Haus, oder Brüder und Schwestern,Vater oder Mutter, Weib oder Kinder, oder den Acker um meines Namens willenverläßt, der wird das Hundertfache dafür erhalten nnd das ewige Leben besitzen,"Dieß bewährt sich an Jevem, welcher durch die Anhänglichkeit an das Vergänglichesich nicht hindern läßt, Gott seinem Vater ausrichtig das Herz zu schenken. VonAllem, waS er ohne Sünde verlangen und besitzen konnte, geht ihm Nichts verloren,eS wird nur geläutert und verevelt; in seine Seele aber kehrt der Friede GotteS ein,welcher alle Ahnung dessen, welcher niemals seiner gewürdigt wurde, weit übersteigt.Damit ist nun freilich das Leiden aus der Welt nicht hinweggenommen. Aber Panlus,unser großer Apostel, hat sehr viel gelitten; oft ward er gegeißelt oder sonst mü Miß-handlungen überhäuft, oft war sein Leben durch die Verfolgungen der Feinde oderdie Gefahren der Reise bedroht; unter vielfältigem Nachtwachen, in Huuger und Durst,in Kälte und Blöße waltete er seines heiligen Amtes und schwerer als alles Anderewar die Bürde der Sorge», welche auf ihm lag; dennoch ruft er aus: „Ich glaube,^daß die Leive» dieser Zeit mit der künftigen Herrlichkeit, welche sich an unS offenbarenwird, gar nicht verglichen werden können." Der Hinblick auf die ewigen Güter be-wahrt uns vor dem schlimmsten aller Leisen, vor den scharfen und vervienstlosenDornen, welche den Becher der verbotenen Lüste bekränzen, und gewährt iu den Be-schwernissen und Drangsalen, welche das gemeinsame Loos des Menschengeschlechtessind, uuS einen kräftigen Trost, Dennoch war dieß dem milden Heilande nicht genug.„Wir haben," spricht der heilige Panlus, „keinen Hohenpriester, welcher nicht mitunseren Schwachheilen Mitleid haben könnte; sondern Einen, welcher in allen Stückenähnlich wie wir, doch ohne Sünde, versucht worden ist." Weithin erschallt das Lobeiner Römerin, welche, da sie den zum Tode verurcheillen Gatten zagen sah, sichmit dem Dolche durchbohrte und sprach: Pätus, es schmerzt nicht. Damil aber wir,die Kinder des Sünders, dasjenige, was zu unserem eigenen Heile dient, bercitwil>liger trage» möchten, hat der Sohn Gottes, der König der Ewigkeit, der HeiligeIsraels, alle Leiden des Leibes und der Seele zuerst auf sich genommen.
(Schluß folgt,)
Die kirchlichen Streitigkeiten in Goa
Die in der Ueberschrift erwähnten Differenzen haben wiederhol« in neuester Zeitdie allgemeine Ansmcrksamkeit auf sich gezogen. Namentlich ist es aber der Tadel,den in der fraglichen Angelegenheit der portugiesische Hof und die öffentlichen Blättervon Lissabon auf die neuerlich hierüber erfolgten Entscheidungen des heiligen Stuhlesin Rom werfen, — der die ganze Sache einer anöführlichercn Besprechung werthmacht. Wir entnehmen die Darstellung der wahren Sachlage dem Münster Sonntags-blatte, das sich darüber in klarer historischer Entwicklung folgeuvermaaßen vernehmen läßt:
Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert den neuen Weg nach Ostindien eiitdccklund daselbst ihre Herrschaft zu begründen angefangen hatten, bemühten sie sich, mitdieser zugleich die Gränzen des Reiches Jesu Christi auszudehnen. Sie sandten