Ausgabe 
13 (9.10.1853) 41
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welcher unter dcn gewaltigsten Helden der Kreuzzüge glänzte, schritt eS vorwärts, wieder Baum am Bachesrande gedeiht, uud schon begrüßte man cS als die Erste unterden christlichen Stätten, welche östlich vom Rhcine sich erhoben. Dadurch waren derBeruf und die Bahn, welche die Fälschung ihm für alle Zukunft anwies, gleichsamin Umrissen vorgezeichnet. Wien ist zu einem Mittelpuncte vou Bölkergeschickeu geordnet,aber nur darum, damit es zugleich ein Mittelpunct wahrhaft' katholisch, n Lebens sey.Wien hat rings um den uralten Kern der Babcnbergerstadt sich weithin ausgebreitetund ist reich geworden an allen Gütern des LebeuS; aber nur durch den glänzendenThron, welchen Gott in seiner Mitte gründete, erheb es sich zn der Größe und Blü-the, durch die unter den Fürstinnen der europäischen Städte seinen Platz einnimmt.Als Ferdinand der Zweite gläubig vor dem Crucifire betete, welches der frommenVerehrung noch immer ausbewahrt ist, war für Europa und die Kirche ein entscbei-.dungSvoller Augenblick; aber auch die Zukunft Wiens lag auf der Wagschale. Be-waffnete Feinde waren rings um die Stadt, entmutigte Freunde uud siegjubelnde Fciuvewaren m der Stadt; die Hofburg selbst erscholl von ungestümmen, drohenden Forde-rungen. Wenn der bedrängte Herrscher dem unvermeidlich Scheinenden sich fügte, sowar in Deutschland die katholische Kirche der Uebermacht ergrimmter Wiversacher preis-gegeben, und der Thron des Hauses Habsburg gestürzt. Wien aber würde, wenndaS Lamm Gottes von den entweihten Altären und der Reichsadler von der Hofburg entwichen wäre, bald nichts mehr gewesen seyn, als eine von dcn türkischen Hordenumschwärmte Gränzfestung und bei den zersplitternden Erben seiner Macht nnd Zukunftnicht einmal Schutz wider die Sklaverei gefunden haben. Allein Ferdinand der Zweitewar mir höherer Kraft gegürtet: denn er suchte nicht, waö sein, sondern was Gotteswar. Er harrte aus, und gleich den Posaunen Gedeons erschollen plötzlich die Trom-peten einer kühnen Reiterschaar m Mitte deö Aufruhres und seiner Entwürfe; mitHabSburg und der Kirche war Wien gerettet.

Jahrhunderte liegen zwischen uns und diesen Ereignissen; dennoch reichen sie indie Gegenwart hinein. Dieselbe Gedankcnmacht, deren Entwicklung jener denkwürdigeTag zum Stillstand brachte, hat sich uns in ihrer volleil. Reife ohne Larve und Schleiergezeigt. Die Freiheit von der Kirche und jedem Herrscher, der ihr huldigte, ist zurFreiheit von der überirdischen Welt und ihren Gesetzen, von der Rechtsordnung undihren Schranken vorgeschritten. Als diese Freiheit an den Strängen der Stnrmglockezerrte und Banden von Miethlingen und Fremden wider Gott und den Kaiser zusam-menrief, pochten zwei schlimme Gäste, die Verödung uud die Erniedrigung, schon andcn Thoren von Wien , und trugen großes Verlangen, sich in den entvölkertenGassen recht bequem einzurichten. Der Sieg, welchen Gott dem kaiserlichen Adlerverlieh, war ein Sieg des Friedens und der Gerechtigkeit; war aber auch ein Siegder schützenden Engel, welche über Wien schweben.

Darum vereinigt Euch mit mir Alle, die Ihr Wien Eure Heimat!) nennt, Alle,die Ihr für Wiens Blüthe ein Herz habt; wir wollen getren zusammenwirken, damitWien vollkommen sey, wozu Gott es machen will; damit Wien durch die Kraft seinerkatholischen Gesinnung und die Treue, welche dem Throne seiner Herrscher weiht,eine weithin strahlende Leuchte sey. Die Verhöhnung deö Glaubens, die Verfälschungder sttilichen Ordnung, die Anpreisung des Umsturzes ist keine bei uns heimische Pest.Dieß Alles kam aus der Fremde und redete anfangs mit fremder Zunge. Lange Zeithindurch hat dieß AUeS einen zanbergleichen Reiz geübt. Man glaubte in vollemErnste, eine ganz neue Welt bauen zu können, uud diejenigen, welche die Völk-rge-gcschicke vom rechten Mittelpuncte auö überschauten, wagten kaum noch die Stimmeder Warnung zu erheben: denn wenn sie den eigentlichen Sitz der Krankheit zu ent-hüllen wagten, so wurden sie fast wie Geisteskranke behandelt. Dieser fieberhaft glü-hende Reiz ist ermattet.Wir sind müde geworden auf dem Wege der Ungerechtigkeitund deö Ververbens; wir sind beschwerliche Weae gegangen; aber den Weg deS Herrnhaben wir nicht gekannt." DaS ist ein schreckliches Wort, wenn dort nuten in derewigen Nacht gesprochen wird; hier oben, wo daö Krenz und die Hoffnung ist, kann