Ausgabe 
13 (9.10.1853) 41
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cS zum Losungözeichen der Umkehr werden. Eben in dem Lande, wo die Bethörunggeboren und groß gezogen wurde, macht sich min die Anerkennung Raum, daß diebeschwerlichen Wege, welche man gegangen, nicht zum Heile, nicht einmal zum Mög-lichen führen. Man fühlt sich sehr müde, man ahnt, daß man nicht gut gethan habe,den Weg des Herrn zu verlassen; man sehnt sich nach gesicherten Grundlagen für denGlauben, die Sitte, die Rechtsordnung und ruft die Hilfe des Christenthums an.Ihr aber, Söbne des katholischen Wiens, sollt mehr thun, Ihr sollt Euch an dieSpitze des wahren Fortschrittes stellen, deS Fortschrittes nämlich, welcher nicht ruht,bis er auf dem Berge Gottes angekommen ist. Der oberste Hirt und Bischof unsererSeelen hat mir die Sorge für Euer ewiges Heil auferlegt; indem ich nichts versäume,was Euch zum Segen gereicht, diene ich dem gnadenreichen Herrn, welchen ich imLichte seiner Hoheit zu schauen hoffe. Ich bin in Eurer Mitte geboren; der gewal-tige Dom, welcher Eure Stadt überragt und fast jede Krümmung der Straßen, dieihn umgeben, verwebt sich in meine frühesten Erinnerungen. Alles vereinigt sich, umWiens und Euer Heil mir zur Herzenssache zu machen. Darum hört meine Wortemit freundlichem Vertrauen!

Das katholische Leben wurzelt iu der Kraft einer Ueberzeugung, welcher Gottdie Kirche zur Hüterin gegeben hat. Der Mensch steht viel zn hoch, als daß erin Dingen, von welchen das Schicksal seiner Ewigkeit abhängt, einem Geringeren alsdem Allmächtigen glauben sollte. Darum spricht der Herr selbst durch den Mund derKirche zu uns. Durch den Dienst der Kirche spendet der Herr uns seine Gnadenmittel.Die Einrichtungen, durch welche die Kirche Glauben und Liebe pflegt, sind Blüthen,welche der FrühlingShanch des göttlichen Geistes hervorgelockt hat. Der heilige Cy-prianus sprach:Nicht kann Gott zum Vater haben, wer die Kirche nicht zur Mutterhaben will." Damals ergossen noch die Gnadengaben des heiligen Geistes sich wieStröme des Lichtes über die gläubige Gemeinde. Wir ermattete Kinder einer spätenZeit bedürfe» jeder Hilfe, welche die Kirche uns vermittelt, wo möglich noch noth-wendiger, als jene Glaubenshelden, welche mit Gefahr des Lebens sich zum Gottes-dienste herbeidrängten. Darum, Freunde und Landsleute, nehmet die Plätze ein, welcheden Mitgliedern der katholischen Kirche im Hause Gottes gebühre». Wie die körper-lichen Fertigkeiten durch Uebung erworben und vervollkommt werden, so gewinnt auchdasjenige, was dem eigensten LebenSkreise des Geistes angehört, nur durch Bethäti-gung seine volle Krast. Wer höchstens alle Sonn- und Feiertage sich in der Kirchezeigt, um einer (möglichst kurzen) Messe beizuwohnen, weiß gewöhnlich nicht, was erwährend des hochheiligen Opfers anfangen solle und eilt aus den geweihten Räumenwieder hinauszukommen. Die Kirche führt in der Reihe ihrer Feste die GeheimnissedeS Heiles jährlich an uns vorüber. Wenn wir diesen lichten Spuren mit einigerTheilnahme folgen, so werden wir in der Welt, für welche wir geschaffen sind, jähr-lich heimischer, und das ist ein großer und wahrhaft katholischer Fortschritt. Dadurchmildert sich allerdings der fieberhaste Drang nach Geld und Gut, welcher die Lehr-linge der aufgeklärten Weltansicht verzehrt; allein dieser Drang verzehrt nicht nur dieHerzen, sondern bedroht auch den ganzen Bau der bürgerlichen Gesellschaft. Dagegenwird jede Thätigkeit, welche vor Gott wohlgefällig und für die Menschen von probe-haltigem Nutzen ist, durch ein mildes gleichbleibendes Feuer belebt. Mit einer GeisteS-richtung, welche von der katholischen Ueberzeugung beherrscht wird, kann der unaus-löschliche Durst nach Unterhaltung nicht zusammenwohnen. Allein schändliche Lüstebeflecken nicht nur die Seele, sondern zerrütten auch die Familien, und sogar daS heid-nische Alterthum hat sehr wohl gewußr, daß das Sitteuverderbniß der Vorbote vomUntergange der Staaten sey: verkommenen Christen war es vorbehalten, die Seg-nungen der Ueppigkeit und Unlauterkeit zu verherrlichen. Mit dem an sich erlaubtenVergnügen verhält eS sich wie mit dem Dufte der Blumen. Im Garten, auf derWiese ist er recht angenehm; doch in dem engen Raume eines Gemaches verursacht erKopfweh, und wollte man im Schlafzimmer eine reiche Auswahl von Rosen, Lilienund Nelken ausstellen, so könnte man wohl gar den Tod davon haben. Ohne weise