Ausgabe 
13 (9.10.1853) 41
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Sparsamkeit lähmen die Erlustigungen jede höhere Thätigkeil und machen die Seeleleer und kalt, auch leer an Freude und kalt für jedes schuldlose Vergnügen. Als mandie Unterhaltungen noch auf die Sonn- und Festtage zu »ersparen pflegte und nichtleicht damit einen Anfang machte, bevor Litanei und Segen die gotteSdienstliche Feierbeschlossen hatte, verstand man sich weit herzlicher zu sreueu, als mitten im Ueber-maaße der alltäglich gewordenen Lustbarkeilen. Unter der Eisdecke des Gletschers be-wahrt die Leiche einen täuschenden Schein des Lebens: wenn aber das Tageslicht indie finstere Klust hineinblickt, zerfällt sie in Staub. Wo Glaubcnslosigkeit und Ge-nußsucht walten, dort werden die Entwürfe deS Umsturzes trotz der klarsten Beleh-rungen und der schrecklichsten Erfahrungen immer doch ihren täuschenden Schein be>Häupten und immer wieder gläubige Herzen finden; sie zerfallen aber in das Nichts,aus welchem die entbrannte Begierde sie hervorrief, wenn das Tageslicht der Gottes-furcht und des sittlichen Zartgefühls sie umgibt. Wo die katholische Ueberzeugung inihre Rechte wieder eimritt, dort verschwinden die Gespenster, welche mit der europäischenBildung ein so böseS Spiel getrieben haben, und ein neues Leben beginnt zu keimen.ES keime bei Euch, Freunde und Mitbürger, es wachst empor zu einem Baume deSFriedens, unter dessen Schatten die Völker sich lagern!

Gnadenreicher Vater! In Demuth und Hoffnung empfehle ich Dir die Ge-meinde, die Du mir anvertraut hast! Groß ist die Zahl der Frommen, welche auSdieser Stadt und diesem Lande zu Dir hinübergegangen sind, und sie werden ihre Für-bitte mit meinem Flehen vereinigen. Allmächtiger, der Du thronest über den Che-rubim, steige nieder in Deiner Herrlichkeit und offenbare an uns die Fülle DeinerHuld, welche wie das Verdienst so die kühnsten Wünsche deS Betenden übersteigt.- Segne den Herrscher, welchen Du an einen hohen Ort der Stürme gestellt hast; durchDich sey er mächtig, Dein Reich auf Erden mit undurchdringlichem Schilde zu decken!Segne diese Stadt, welche Deine väterlichen Erbarmungen schon oft erfuhr; durchDich sey sie die Heimach jeder christlichen Tugend! Segne das ganze Reich, welchemWien das Beispiel muthiger Glaubenskraft schuldet; durch Dich sey es der Felsen,an welchem die Sündfluth glaubensloser Bestrebungen ihre Wogen bricht. Amen.

Gegeben zu Wien am Feste der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau den15. August 1853.

Joseph Othmar,

Die sonntäglichen Christenlehren für Erwachsene.

x*«, Bamberg , 3. Oct. Wie dieKatholischen Blätter auS Franken" meldeten,haben sich einige Seelsorgepriester hiesiger Stadt erboten, mit dem ersten Sonntageim October beginnend, einen CursuS katechetischer Predigten über alle christka-tholischen Glaubens- und Sitteulehren Abends 4 Uhr jeden Sonntag in der Pfarr-kirche zu U. L. Frau abzuhalten. Wir wohnten dem ersten einleitenden Vortrage bei,der vor einem sehr zahlreichen Auditorium auS allen Ständen abgehalten wurde, undmüssen gestehen, daß wir den Gründen für die Nothwendigkeit solcher Vorträge nebenden sonn- und festtägigen Predigten, die der Prediger in diesem Vortrage darlegte,vollkommen beistimmen können.

Der Hauptgrund, sagt der Katechet, liege in der Mißkennung des Zweckes dersonntägigen Christenlehren von Seite der meisten Christen, Man halte sie,besonders in Städten, nur eigentlich fürKinderlehren", weßwegen sie von Seite er-wachsener Christen sich fast gar keiner Theilnahme zu erfreuen hätte», wie die Er-fahrung lehre; während doch gerade die sonntägigen Christenlehren von der Kirche zudem Zwecke angeordnet seyen, allen Christen ohne Ausnahme, die nicht eine ander-weitige Gelegenheit haben, sich unterrichten zu lassen, eine Gelegenheit zu bieten, ihrin der Jugend erhaltenes Glaubenswissen zu erneuern, das etwa noch Lückenhafte aus-zufüllen, aber auch in manchen Puncten vermöge der nun zu gebenden tieferen Be-