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Schwede».
Dem „Journal de BrurelleS" entnehmen wir folgende Mittheilung: „Oft schonboten sich unö Gelegenheiten zu zeigen, wie mau in manchen protestantischen Länderndie Toleranz übt. Schweden verdient in dieser Beziehung ganz besonders erwähnt zuwerden. Kürzlich ereignete sich in Stockholm folgender Fall: Zwei Lutheranerinnen,die eine von 25, die andere von 18 Jahren, kamen zum katholischen Pfarrer und er-klärten ihm, sie wollten zur katholischen Kirche zurückkehre». Um sie zu prüfen, for-dert der Pfarrer sie auf, sie möchten über den wichtigen Schritt, den sie thun wollten,reislich nachdenken. Nach 1-4 Tagen kamen sie wieder zu ihm, und erklärten, siehätten sich sest entschlossen. Da erbot sich der Parrer, ihnen den nothwendigen Unter-richt zu ertheilen, welcher am 5. August beginnen sollte. Am 6. Angust wurden diebeiden Personen vor die Polizei beschieden und katholischer Bestrebungen angeklagt.Ein protestantischer Prediger trat als öffentlicher Ankläger aus. Das Verhör dauerteneun Stunden, man quälte die Angeklagten mit den verschiedensten, zuweilen auch mitden ungeziemendsten Fragen. Der Polizeicommissär fragte sie unter Anderm, ob sieauch wohl wüßte», daß es unter 10 Thaler Strafe verboten sey, einen andern alsseinen Gottesdienst zu besuchen. Der Ankläger hatte zu seinem Unglück TageS vorherden Angeklagten eine Bescheinigung ausgestellt, daß sie ihren Katechismus gut wüßten,eiu ordentliches Leben führten u. s. w., mit einem Worte das, waö man in Schweden einen Kirchenpaß nennt. Der Ankläger kam dadurch in große Verlegenheit. DerPolizeicommissär kümmerte sich aber um solche Kleinigkeiten nicht, er sagte: Das istmir einerlei, ich werde euch die Lust zu nehmen wissen, in die päpstliche Kirche zulaufen, ich werde euch Personen übergeben, welche darauf achten werden, daß ihrregelmäßig in die Kirche geht, und wenn das nicht hilft, werde ich die ganze Strengedes schwedischen Gesetzes gegen euch gebrauchen. Der Polizeicommissär hat Wortgehalten und die beiden Personen unter die Aufsicht desjenigen lutherischen Predigersgestellt, welcher durch seinen blinden Fanatismus und durch seinen Haß gegen ÄlleS,was katholisch heißt, am bekanntesten ist. So achtet man die persönliche Freiheil,uud das versteht man unter Religionsfreiheit in Schweden .
Seit zwei Jahren werden die Katholiken in Genf auf alle mögliche Weise an-gefcmdet. Sechs Prediger haben sich vereinigt, die Grundsätze des reformirten Glau-bens auseinander zu setzen, d. h. die antikatholischen Verneinungen, welche das pro-testantische Glaubenöbekeuntniß ausmachen. Die Zuhörer waren von dieser Verthei-digung des reformirten Glaubens entzückt, welcher auf deu einen Glaubensatz beschränktwuroe: gute Werke»seyen nicht nothwendig, um selig zu werden. Uebri-genö ergingen sie sich in Ausfälleu gegen die Katholiken, welche hundert, und tausend-mal widerlegt sind, nichts desto weniger aber immer von Neuem wieder vorgebrachtwerden. — Der Erfolg ihrer Vorträge veranlaßte die Prediger, eine Proselytenschulezu errichten, in welcher die Katholiken, welche Protestanten werden wollten, Unterrichterhalten könnten. Um nun aber nicht ohne Erfolg zu predigen, erkaufte man durchGeld und allerlei irdische Verführungen dreißig unglückliche Katholiken, welche am1. September öffentlich ihren Glauben abschwuren. Seit langer Zeit sind die Katho-liken in Genf solchen Verführnngsvcrsuchen ausgesetzt. Es kommt sast kein Jahr vor,in welchem nicht unglückliche Savoyarden oder Franzosen aus Hunger ihr Gewissenverhandeln. Auch wirken die gemischten Ehen oft sehr nachtheilig. Die katholischeBevölkerung der Stadt Genf beträgt 1^,000 Seelen. Die Ankommenden zeichnen sichnicht immer durch ihr sittliches Benehmen aus, auch sind sie nicht erfahren genug,um genugsam aus ihrer Hut zu seyn gegen solche immerwährende Angriffe. — AuSdem oben genannten Erfolge haben manche Protestanten schon ganz ausschweifende