336
Hoffnungen hergeleitet. Diese Hoffnungen sprechen sich deutlich in dem Programmeiner neuen Gesellschaft aus, welche gegen die Katholiken unter der Benennung:„Genfer Gesellschaft für protestantische Interessen" kürzlich gebildet wurde. DiesesProgramm ist von 34 Personen unterzeichnet und ganz, so gehalten, wie man solcheActenstücke schon mehrfach gesehen hat. Die Herren betheuern ihre Liebe für denFrieden, die Eintracht, die Toleranz, sie wollen nicht angreisen, sie wollen sich nurgegen die immerwährenden Angrisse der Katholiken vertheidigen. — Auf alle Fälleist es gut zu wissen, waS hier unter Angreifen verstanden wird. In der Stadt Genf sind 1-4,000 Katholiken, ihre Kirche saßt aber kaum 1000 Personen, sie bauen ausihre Kosten eine zweite Kirche; — das ist ein Angriff. Auf den protestantischenKanzeln wird fortwährend der katholische Glaube entstellt und angegriffen, — diekatholischen Geistlichen bemühen sich zu antworten und die katholische Lehre in ihrerReinheit darzustellen: — das ist ein Angriff. Die Protestanten haben sechs Zeitungen,welche täglich gegen die Katholiken loSgehen, welche für sich eine kleine Monatsschriftunter dem Titel: „Katholische Annalen" gegründet haben, in welchen sie sich zuweilenerlauben, ihre Gegner zu widerlegen: auch das ist ein Angriff. — So verhält essich mit allem Uebrigen. In den Augen mancher Protestanten ist jede Lebensäußerungder katholischen Kirche ein Uebergriff. (Münst. S.-Bl.)
DaS Christenthum in Siam.
H, Pallegoir, Bischof von MalluS und apostolischer Vicar in Siam, zähliein einer Versammlung der orientalischen Gesellschaft zu Paris nachfolgende Verhält-nisse als die größten Hindernisse für die Fortschritte des Christenthums in Siam auf.DaS erste ist die Polygamie der Großen, indem jeder Reiche und Vornehme, nachMaaßgabe seiner Mittel, so viel Concubinen hält als er mag. DaS zweite Hindernißist die Erziehung der Jugend in den Pagoden: die buddhistische Secte hält strengdaraus, daß alle Knaben einige Jahre in den Klöstern unter der Leitung der Tala-poinen zubringen; selbst die Söhne des Königs sind hievon nicht ausgenommen. Allejungen Leute, welche das zwanzigste Jahr zurückgelegt haben, müssen sich zu Bonzenmachen lassen. Daher kommt eS, daß man bloß in der Hauptstadt etwa 200 Klösterzählt, die mindestuis 12,000 Talapoinen enthalten. Wenn dann diese jungen Leutein's Laienthum zurücktreten, sind sie dem Aberglauben, den sie in frühester Jugend inden Klöstern eingesogen haben, ausnehmend zugethan. Das dritte Hinderniß ist dasMißtrauen vor dem um sich greifenden Geist der Europäer . Die Stamesen und ihreNachbarn haben von den Eroberungen der Europäer und ihren Kolonien in fremdenLändern gehört; namentlich wissen sie, daß England sich nach und nach des unge-heuren indischen Kontinents bemächtigthat, den die Stamesen'die „sechzehn großenReiche" nennen, daß eö Malacca , Pulo Pinang, einen Theil von Quedah und meh«rere andere malayische Länder und mächtige Zinnminen auf der Westküste von Malacca genommen hat; daher das große Mißtrauen gegen die Europäer, die sie unter demallgemeinen Namen Farang bezeichnen, als wäre eS eine und dieselbe Nation. Auchhalten sie meist die Misstonäre für eben so viele Spione der Könige Europas , um sichunter dem Vorwande der Religion eine Partei zu machen, die im Falle eines Kriegsmit den Europäern ihr Land verrathen würde. (Revue de l'Orient,)
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.