Ausgabe 
13 (30.10.1853) 44
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denn er ist stark in dem Schwache», und was Du in seinem Namen thun wirst, daswird Er segnen. Und so habe ich, wenn auch mit zagender Hand, doch mit gott-vertrauendem Herzen den Hirtenstab ausgehoben, der unsers Diepenbrockö müder Handentsunken war und trete vor Euch her, geliebte Mitpriester und Diöcesanen aber-mal mit dem Worte: Mir ist bange, aber ich verzage nicht.

Mir ist bange vor einer Würde, welche so hoch uud heilig, vor einem Amte,welches so umfassend und vielfordernd, vor einem Tagwerk, welches so schwer uudverantwortungsvoll ist, daß die größten Heiligen davor zurückbebten. Chrvsostomus,nachdem er von dem Priefterthume überhaupt gesagt:Es wird zwar auf Erden ver-waltet, hat aber seine Stelle in der Reihe und Ordnung himmlischer Dinge, denn nichtein Mensch, nicht ein Engel, nicht ein Erzengel, sondern der heilige Geist selbst hatdiesen Stand angeordnet;" nennt das bischöfliche Amtein erschreckliches Amt" undbeschwor den Kaiser Arkavius, der ihn dafür ausersehen, eine so unerträgliche Lastnicht auf seine Schultern zn legen. Der heilige AmbrosiuS verschmähte es nicht, zueiner List seine Zuflucht zn nehmen, um diese Würde von sich fern zn halten, nndder heilige AthauasiuS, als der sterbende Patriarch von Alerandrieu ihn dreimal beimNamen rief und so a!S seinen Nachfolger bezeichnete, ergriff die Flucht. Und wiehandelte und sprach der große Gregor, als er die Bestätigung seiner Wahl vernommen?Er verbarg sich in Wäldern uud Höhlen; und da er deunoch aufgesuudeu und vondem Volke im Triumphe zurückgeführt worden war, schrieb er an die Schwester desKaisers Theoktista:Ich habe alle Süßigkeit der Ruhe verloren uud indem ichäußerlich hinaufzusteigen scheine, bin ich innerlich herabgefallen. Der Kaiser aber," sofügle er hinzn,hat wohl meine Wahl bestätiget, das erforderliche Verdienst jedochuust die nothwendigen Tilgenden kann er mir nicht geben." Und daö waren die größtenMänner und die erhabensten Lehrer, die je auf dem Leuchter der Kirche gestanden undbei denen es uns zweifelhast ist: ob wir mehr ihr heiliges Leben, oder ihr umfassendesWissen oder ihre rührende Aufopferung für Christus und seine göttliche Sache bewun-dern sollen. Oder branme vielleicht nnr dama! die Miira so heiß in die Stirne uudwar mir damal der Hirtenstab so schwer in der Hand, als, die sie trugen, fast lauterAnöerwählte waren? und ist, seit die Wissenschaft der Heiligen rar worden ist in demGeschlechte der Menschen, das Amt cineS Bischofs leicht worden? Statt aller Antwortlasset mich Euch an den edlen, uuveigeßlichen Mann erinnern, den Ihr Alle kenntund liebt, der mein Vorgänger war nnd der die Wichtigkeit und VerantwortlichkeitdeS OberhirtenamteS in der Kirche zu würdigen verstand. Wie er, um in derschristerfülllcu Sprache eiueS Gregor von Nazianz zu reden:seit ihn der Herr er-wählt, daß er diese Heerdc weide mir dem Stäbe eines weisen Hirten imv seit seineFüße standen ans dem hohen Felö all seine Schritte auf Gott gerichtet, daß sienicht waukleil noch anSgleilcten": wie sein Streben einzig dahin ging,sich einefleckenlose, glänzende Heerde zu bilden, werth der himmlischen Hürde dort in derWohnung der Jubelnden im Schmucke" das wisset Ihr. Aus der Kraft undSüßigkeit seiner Hirtenworte erkannten wir:wie seine Lippen geschlossen waren, umzu verkosten das Göttliche und geöffnet zum Reden zur rechten Zeit." Ans seinenLied.rn fühlte» wir:wie seine Zunge mit Jubel erfüllt war, ein Werkzeug himmli-scher Melodie», frühe geweckt bei der Morgenröthe, bis sie am heißen Tage schwererZeit nnd großer Leiden verstummte." Und dieser Mann, ein auSerwähltes Rüstzeugin GolteS Hand, konnte zu dem Gefühl seiner Würdigkeit und Fähigkeit sür dasbischöfliche Amt sich nicht emporringen. Er wies den ersten Ruf der Sendboten, diewir zu ihm geschickt, entschieden ab und vermochte nur mit Thränen uud Seufzen sichder ausdrücklichen Mission des heiligen Vaters zn nnterziehen und ein Opfer zu brin-gen, von dem er gleich Anfangs fühlte und verkündete, daß es kein langes seyn würde.In die Sielle, die Er zu früh verlassen, soll ich treten; den Stuhl, der durch seinScheiden leer worden, soll ich einnehmen; die Last, unter der er sobald erlegen ist,soll ich tragen: saget selbst, ob mein Gruß au Euch anders beginnen kann, als mitdem Geständnisse: Mir ist bange!