Ausgabe 
13 (30.10.1853) 44
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alle Zelten, verbleiben, oder Andern verfallen soll, die der Sohn hiezu nimmer sich«übersehen nnd berufen hat. Aber ich weiß auch, dieser Kampf wird, wie er bereitsin Aller Munde ist, so auch von allen katholischen Herzen, die da warm schlagenfür die heilige Sache der Kirche, mit so lebendigem Mitgefühle und mit so beißenGebeten begleitet, daß es nicht erst meiner Worte bedarf, Ihre Theilnahme zu wecken.Besorg-» Sie auch nicht, daß ich Ihnen etwa das staatsrechtliche Moment in diesemKampfe, daß ich das positive Rechtsverhältniß Ihnen auseinandersetzen werde, welchesden Katholiken der bezeichneten Staaten und ihren Hirten zur Seite steht: PaS habendie hochwürdigsten Erzdtfchof und Bischöfe so klar uuv überzeugend dargelegt, daß eseiner Vermessenheit ähnlich sehen würde, wollte ich an dieser Sielle ihrer AnSführnng,die ja auch bereits in Aller Händen ist, noch das Mindeste beifüge».

Erlauben Sie mir vielmehr, iu einem kurzen Rückblicke auf den Gang der gei-stigen und materiellen Entwicklung, welchen die Gesellschaft seit einem halben Jahr-hundert genommen, die Lichlmomente aufzusuchen und anzudeuten, welche den Blick indie Zukunft zu erheitern und zugleich die Bahn zu bezeichnen geeignet sind, welche dieKatholiken überall, uuv insbesondere wir, die Männer der katholischen Vereine, zuverfolgen habeu, um als nützliche Werkzeuge der Kirche mitzuwirken zu der Herbei-führung und Begründung einer besseren Zukunft.

Wenn ich von der geistigen Entwickelung 5er Gesellschaft zu sprechen gedenke,so weiß ich wohl, daß ich an dieser Stelle, wo dem Einzelnen für den Umfang dessen,was er zu sagen wünscht, nur die engen Gränzen weniger Minutcu vergönnt seynkönnen, heule nur die Entwickelung dcS kirchlichen Lebens berühren darf. Blickenwir unn zurück ans die kirchlichen Zustände der letzten fünfzig Jahre! O, ich will eS-nicht entrollen vor Ihrem Auge das endlose Verzeichnis aller Entbehrungen und Be-drängnisse, unter welchen das katholische Volk seine Kirche in dieser Zeit, namentlichseit dem unglückseligen Jahre der sogenannten Säkularisation und in immer steigendemMaaße seii jenem verhängnisvollen Tage seufzen sah, wo der unaufhaltsame Stromunheilvoller Ereignisse mit den Trümmern deK heiligen römischen Reiches deutscherNation auch den letzten Rest kaiserlicher Schirmvogtei verschlungen hatte. Wahrlich,wir müssen es mit dankbarer Rührung als ein Wunder verehren, daß in Mille all'der unnennbaren Misere, die selbst das Salz der Erde zum guten Theile raub werdenund so manches Licht unter den Scheffel sich verkriechen ließ, der Kern unseres wackerenkatholischen Volkes gleichwohl noch so viele treue Anhänglichkeit an seine Kirche undseineu Glauben sich bewahrte. Aber, bei Gott, länger hätte dieß kirchliche Elendnicht währen dürfen, wenn die katholische Kirche aus Deutschland nicht gänzlich ver-schwinden, wenn nicht znlctzt auch im Volke katholischer Glaube, katholische Gesittung,,katholisches Bewußtseyn hätten abhanden komm n sollen. Ein lief inneres Weh lastetedumpf nnd fchwer auf den Herzen der schlichten Bürgers- und Landleute, als sie ihrelieben Klöster mit ihren Schulen und Armeu- und Krankenanstalten, ihre thenre Gna-denonc, Wallfahrten, Missionen unv alle die segenbringeudcn Institutionen ihrer Kirche,eine um die andere, sich genommen unv dagegen eine Generation veS Unglaubensund der Zuchllosigkeil wuchernd in die Höhe schießen sehen mußten, und das immer mehrzusammenschmelzende Hänflein der besseren Elemente der Gesellschaft seufzte in stillerKlage über die totale Verlassenheit unv Schutzlvsigkeit der allen äußeren unv innerenAngriffen Preis gegebenen Kirche. Glauben Sie nicht, meine hochansehnliche Ver-sammlung, daß ich hier überireibe. Haben wir nicht in Mitte alle der Unfreiheit nndNoth, womit die Kirche nach außen zu kämpfen hatte, Philosophie uud Geschichte,Natur- und StaaiSrecht, kurz alle Wissmschaften und selbst die Künste wider die Kirchealö ein Werk deS Aberglaubens und des Fanatismus verschworen im Bunde gesehen?Ist nicht, waS die Wissenschaft Glänzendes, was die Beredtsamkeit Verführerisches, wasdie Salyre Äetzenvcö, was die Einbildungskraft dcS Romanschreibers Schmutziges undSchamloses aufzubieten vermochte, gleichzeitig in Bewegung gesetzt worden, um denGlauben, die Silteulehre, die Verfassung, die Institutionen und die gcsammle Geschichteder Kirche Christi dem Hohngelächter ewiger Verachtung zn überantworten??