352
und was ist wunderbarer geeignet, die Menschheit umfaßt zu halten in allen Phasenihrer Entwickelung, als die Verfassung der wahren Kirche Christi?
Was ist eS, das uns vor Allem Noth thut zu sicherer Fahrt aus diesem Geleise?Ein Auge, hoch genüg gestellt, um dem unermeßlichen Zuge folgen, die Heizer, Ma-schinisten ic. überwachen, auf Verlachlässigungen, Versehen, Fehler und Gefahren auf-merksam und die aus der Richtung kommenden wieder einbiegen zu machen, Streitendeaussöhnen zu können, u. s. w.: und dieß hochgestellte Auge, wir besitzen eS in demNachfolger dessen, an den die Verheißung des MenschensohneS ergangen: „Du bistPetrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Höllewerden sie nicht überwältigen."
Wir bedürfen anderer Augen, welche den verschiedenen Abtheilungen deS ZugeSvorstehen und das Wort deS obersten Lenkers wiederholend weiter geben: und dieseAugen besitzen wir in unsern Bischöfen.
Wir bedürfen aller der untergeordneten Zugbeamten bis zum Bahnwärter hinab,bedürfen Feldspitäler und Aerzte, Pfleger und Wärterinnen der Kranken und Ver-wundeten — an denen eS niemals sehlen wird —: und das find die Priester, Ordens-leute und Klosterfrauen aller Art. Mit einem Worte, wir bedürfen der ganzen undvollen, freien, gesegneten Thätigkeit der Kirche, und, sehen Sie, meine hochverehrtenVcreinsgenossen und Freunde, der Kamps der weltlichen Gewalt gegen die Unabhän-gigkeit der Kirche dreht sich allüberall nur um die mangelnde Erkenntniß dieser Einengroßen Wahrheit.
Unsere Aufgabe nun dieser geistigen und materiellen Entwickelung gegenüber?O, die ist unS auf unserer vorjährigen Generalversammlung von dem hochwürdigstenBischöfe von Münster , und in den Worten der Weihe, welche Se. sürsterzbischöflicheGnaden, der hochwürdigste Oberhirt dieser Erzdiöcese, gestern Morgen zu uns gesprochenhat, so einfach und klar vorgezeichnet worden, daß eS genügt, an solche gute, getreueGedanken zu erinnern. — Wir sollen für Eins fundamentiren helfen: den neuenAufbmi der Gesellschaft und alle Bestrebungen fördern, welche auf Wiedergewinnungwahrhaft katholischer Lehranstalten, Universitäten, Akademien u. s. w. sich beziehen,und in Beförderung der Borromäus- und BonifaciuSvereine gut machen helfen, wasdurch schlechte Lectüre und unkirchlichen Unterricht verdorben worden ist. — Wir sollenzum Anderen helfen, durch Förderung der Wohlthätigkeitsvereine aller Art, namentlichder Vinccnz- und Elisabethenvereine, so wie insbesondere der uns gestern so warman'S Herz gelegten Gesellenvereine, die kranken Zustände der Gesellschaft zu heilen.Wir sollen endlich fördern helfen ein wahrhaft inneres, durch Zucht und Gesittung sichglaubenstreu erweisendes, frommes GebetSleben im Geiste unserer heiligen Kirche.
Soll eS besser werden, meine hochansehnliche Versammlung, soll es besser werden,so muß eS besser werden im Innern des Individuums; besser, christlicher, katholischerin den Herzen des Einzelgestellten, wie des Familienvaters, der Gemeindebürger wieder Staatsangehörigen, der Gehorchenden wie der Befehlenden. Die bessere Zeit, sieist da, sobald die Menschen besser, kirchlicher geworden sind. Und unsere Fürsten,vielfach nur mißleitet von einer corrumpirten öffentlichen Meinung der sogenannten Auf-klärungSzeit, welcher alles christliche, insbesondere alles specifisch katholische Bewußt-seyn abhanden gekommen war, sie werden, ist erst auf diese Weise die öffentliche Mei-nung corrigirt und sehen sie ihre katholischen Unterthanen, getragen von lebendigem,in Zucht und Gesittung sich aussprechenden katholischen Bewußtseyn, getragen vontreuer, inniger Anhänglichkeit an ihre Kirche, bereit, Leib und Gut und alle ihre edelstenKräfte einzusetzen für die Verherrlichung Gottes in seiner Kirche, sie werden dann,dessen bin ich fest überzeugt, sie werden den überall nur auf göttliche Anordnung be-ruhenden Forderungen unserer Bischöse gerne in allen Wegen gerecht werden.
Berichtigung.Zu dn vorigen Nummer ist S. S4L. Z. 2. v. o. statt Christenschast zu lesen Priesterschast.
Verautw-rtlichn Redacteur: L. Schöucheu.