Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Aygsburger PostMnng.
6. November M ^tS.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouncmentsvrei«4V kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kunn
Hirtenbrief des Fürstbischofs von BreSlau .
(Fortsetzung.)
Aber wie heilsam eS ist, unser Auge vor den Gefahren nicht zu schließen, dieuns umgeben und unsere Blicke nicht abzuwenden von den Heimsuchungen und Kämpfe»,durch die wir nun einmal hindurch müsse», so geziemt es sich, auf die Hilfe Dessenzu hoffen, „welcher," wie der große BasiliuS sagt, „durch uns um so mehr wirk«,je fester wir auf Ihn bauen." Darum rufe ich mit dem heiligen Paulus nicht nur:Mir ist bange, sondern auch: ich verzage nicht. Ist eS denn mein Werk, dasich treibe; nicht Gottes Werk? Ist es denn meine Ehre, die ich suche; nicht GottesEhre? War eö denn mein Verlangen und Gelüsten, das mich nach der heißen bren-nenden Höhe hinan getrieben, von der ich heute zu Euch rede; nicht GotteS Ruf undWille? Wohl ist meine Kraft schwach und hinfällig; aber wann hat der Herr ansMenschenkraft seine heilige Sache gebaut? Wohl ist mein Wissen arm und nichtig;aber wann hat der Herr seine ewige Wahrheit auf die künstlichen Gerüste menschlicherWeisheit gestützt? Wohl kann ich von mir nichts anderes bekennen, als daß ich einunnützer Knecht bin und alles Ruhmes vor Gott ermangle; aber wann hat der Herrden Fortgang seines göttlichen Werkes an das Verdienst und die Vorzüge seinerWerkzeuge auf Erden gebunden? „Sehet nur auf euren Beruf," schreibt der heiligePaulus, „nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen: sondern was vorder Welt thöricht ist, hat Gott erwählt, niu die Weisen zu beschämen, und dasSchwache vor der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschäme», und dasGeringe vor der Welt, und das Verachtete, und das, was nichts ist, hat Gott er-wählt, um das, was stark ist, zu Nichte zu machen: damit kein Mensch sich vorIhm rühme." Um nach diesen inhaltsreichen Worten des Apostels in dem Geiste unvder Weise eines andern apostolischen Mannes, des heiligen «ugustiu, weiter zu reden,so denkt Euch, daß Christus iu dem Augenblicke, da Er seine Lehre über die Welrauszubreiten gedachte, die Weisen des Heidenthums zn Rathe gezogen nnd ihnen ge-sagt hätte: Ihr wisset, wie die Welt Mich haßt, wie sie mein Evangelium verfolgt,wie sie gegen meine Gebote sich auflehnt. Dennoch will Ich meine Lehre herrschendmachen unter den Menschen; bisher habe Ich sie nur im Iudenlanve verkündet, baldsollen sie alle Völker vernehmen; der ganze Ervboden soll sich beugen vordem Aerger-nisse des Kreuzes; das abgöttische Nein soll der Mittelpunct meiner Kirche werde»;seine Götzen sollen fallen, seine falschen Altäre in Trümmer sinken, wo jetzt die Cä-saren thronen, will ich den Sitz meines Stellvertreters ausrichten. Und dieß Alleswill ich thun durch zwölf arme Fischer, welche die Welt nicht kennt und welche dieWelt nicht kcttnen. Würden die heidnischen Weisen, fragt der heilige Augnstiu, einersolchen Sprache Glauben geschenkt, würden sie dieselbe nicht für thöricht und irriggehalten haben? Und doch ist das eben das Wunder aller Wunder, das Wunder der