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Grunde gehen müsse. Da erklärten sie, wenn die Regierungen diese Verordnung nichtzurücknähmen, würden sie auf eigene Verantwortung vorschrciten. Der Herr ErzbischofHermann von Freiburg macht den Ansang. Nun sogt die Regierung: Du verletzestdie Landesgesetze und bist ein Rebell; aber der Erzbischof sagt: Die katholische Kirche ,deren Organ ich bin, hat diese Landesgesetze nie anerkannt, und ihr hättet dieselbengar nie ergehen lassen sollen; indem ihr es aber doch gethan habt, habt ihr den mitdem Oberhaupte der katholischen Kirche abgeschlossenen Vertrag verletzt. Ihr habt eSnie gut gemeint mit der katholischen Kirche , habt hinterlistig und perfid an ihr gehan-delt, indem ihr durch diese „landesherrliche Verordnung" mit der andern Hand wiedernähmet, was ihr mit der einen gäbet. Die Kirche mit ihrer göttlichen Grundlagekann nicht nachgeben; ihr müsset nachgeben; denn eure Verordnungen sind mensch-liche Verordnungen, die ihr alle Tage ändern könnt. Wir fragen nochmal: Ist derErzbischof ein Rebell? Waren die Apostel und die ersten Christen Rebellen, als sie,in geistlichen Dingen zu Unbilligem aufgefordert, antworteten: Man muß Gott mehrgehorchen als den Menschen.
Wunderbare Bekehrungsgeschichte des berühmten TonkünstlerS
Hermann Kohn,
ausgezogen aus dem Werke 8c>uvenir äes rscits eontemporaing.
(Fortsetzung.)
Herr Asnorez wiederholte uns die Worte Hermanns zwar nur so, wie sie ihmnoch erinnerlich waren, bemerkte uns aber, daß seine Erzählung wohl vielleicht hin undwieder einige Unrichtigkeiten enthalten möge; daß''aber, im Ganzen genommen, Allesseine Richtigkeit habe, und mit der Mittheilung, die ihm gemacht wurde, überein-stimme. Uebrigens versicherte er uns, und noch mehrere andere Personen bestätigtenes, daß bald nach dieser Unterredung Herrmann seine Schuld bei seinem Professorabtrug, so wie er auch seine übrigen Gläubiger befriedigte. Es stellt sich klar heraus,daß gerade in dem Augenblicke, wo die Welt alle möglichen Begünstigungen undLockungen ihm bot, Gott ihm die Kraft ertheilte, dieselben mit Verachtung zurückzu-weisen. Trotz der Revolution von 1843, die so viele Künstler brodlos machte,konnte in demselben Jahre Hermann 25—30,000 Frs. Schulden abtragen. „Freilich",schrieb er uuS eines TageS, „ist eS also. Am ersten Jänner ersuchte ich den heiligenJoseph, meine Schulden zu bezahlen." Wir wollen aber der Geschichte nicht vor-greifen, und den Faden bei dem Zeitpuncte wieder aufnehmen, wo wir ihn ließen.
Wir theilen nachstehend einen Auszug aus einem Briefe mit, den er zu jenerZeit an den Pater Maria Alphonso RatiSbonne schrieb, auf die Gefahr hin, unseiniger Wiederholungen schuldig zu machen.
„An einem Freitage im Mai 1347", schrieb er ihm, „ließ mich der Fürst vonder Moskowa ersuchen, an seiner Stelle die Leitung eines Musikchors von Dilettantenin der Kirche von St. Valere zu übernehmen. . . . Während des Segens empfandich zum ersten Male eine sehr lebhafte Anregung, die ich nicht zu beschreiben vermag.Den folgenden Freitag bemächtigte sich diese Anregung meiner noch weit stärker; ichhatte die Empfindung, als zöge ein schwell Gewicht meinen Körper nach abwärts,meine Kniee beugten sich, ja, es zog mich ganz zur Erde hin wider meinen Willen."
Einige Zeit nachher äußerte er sich gegen denselben folgendermaßen: „Ich hatteGelegenheit, die Frau Herzogin von Nanzau zu sprechen; ich äußerte ihr den Wunsch,mich mit einem Priester zu besprechen über die Unruhe, die meinen Geist unaufhörlichquälet seit jenem außerordentlichen Ereignisse. — Bis dahin waren die Geistlichenin meinem Sinne eine Art Ungethüme, denen man ausweichen müsse; ich begreifenicht, welche unwiderstehliche Macht mich antrieb, nun einen Geistlichen aufzusuchen.Der Böse war demnach noch nicht überwunden. Die Concerte, die Lustpartieen, dieFestgelage nahmen mich immer noch stark in Anspruch; ich vermochte nicht zu wider-