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stehen, — Ich hatte endlich eine Unterredung mit dem Herrn Abb6 Legrand, demjetzigen Pfarrer zu St, Germain l'Aurerrois, Ich erzählte ihm, was mir begegnetwar; eS schien ihn zu interessircn; er gab mir Lhomands <zxpos6 6e Is ciootrmeekretierme. Kurze Zcit, nachdem ich mich mit dieser Lectüre beschäftigte, kam es mirin den Sinn, der Messe beizuwohnen; bald darauf hörte ich jeden Sonntag eineMesse. Um diese Zeit ging ich nach Eins, um dort ein Concert zu gebe«. Währendmeines Aufenthaltes in dieser Stadt ließ ich mich aus Menschenfurcht nicht davonabhalten, und den ersten Sonntag (8. August 1847) erhielt ich die Gnade einerübernatürlichen Rene. Die Sache verhielt sich also: Ich ging in die Messe; dieCeremonien nahmen, wie gewöhnlich, meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch; nachund nach aber brachte der Gesaug, die Gebete vor dem Hochwürdigsten, die Anwesen-heit einer übermenschlich unsichtbaren, aber mir fühlbaren Macht, eine starke Aufregung,eine Verwirrung und ein" Zittern in mir hervor, kurz es gefiel der göttlichen Gnade,in ihrer ganzen Macht auf mich einzudringen. Bei der Wandlung, als der Priesterdie geweihte Hostie emporhob, fühlte ich plötzlich aus meinen Augen einen Thränen-strom sich ergießen, welche unter den wonnigsten Gefühlen ununterbrochen über meine
glühenden Wangen herabrollten..... O selige Stunde, ja selig und unauslöschlich
für das Heil meiner Seele...... Noch steht sie lebhaft vor meiner Seele, im Ge-
folge aller jener himmlischen Gefühle, die sie durchzuckten.... Noch zur Stundeflehe ich inbrünstig zum allmächtige», allbarmhcrzigen Gott, er möchte mir vergönnen,daß dieß unsägliche, wonnevolle Gefühl mit lebhaften Zügen des Glaubens in mei-nem Herzen immer tief eingegraben bleibe, und in demselben beständig ein lebhaftesDankgefühl crhalre, das jener Wohlthat entspräche, die er mir zu spenden geruhthat! . . . Ohne Zweifel empfand ich dasselbe Gefühl, das der heilige Augustinus halte iu jenem Garten von Cossiacnm, als er daS berühmte tolle, lege vernahm.Auch Sie, werthester Vater, haben wohl eine ähnliche Empfindung gehabt, als Siein einer Kirche Roms von einer Erscheinung der hochheiligen Mutter Gottes beglücktwurden. — Ich erinnere mich wohl, in meiner Kindheit manchmal gemeine zuhaben,aber nie vorher, nie kannte ich solche Thränen; während dem sie in Strömen flössen,entstiegen auS der Tiefe meines zerrissenen Herzens die bittersten Gewissensbisse übermein vergangenes Leben.. . . Plötzlich wurde ich durch eine innere Anregung, ohnedie geringste äußere Veranlassung angelrieben, Gott eine innere, raschvollbrachte Ge-neralbeichte über alle meine ungeheure Vergehen seit meinem Kinvesalter abzulegen.Ich schaute sie vor mir auftreten alle meine Sünden in ihrer empörenden, abstoßenden
Scheußlichkeit, den Zorn des gerechten Richters herabziehend..... Dabei empfand
ich dennoch eine von mir nach nie gekannte innere Ruhe, die wie ein wohlthätigerBalsam sich über meine Seele verbreitete; cö war die Hoffnung, der barmherzigeGott verzeihe mir und wende seinen Blick von meinul Verbrechen hinweg, daß ergnädig meine aufrichtige Reue und meinen bittern Schmerz ausnehmen werve. . . . .Ja, ich fühlte die Zusicherung seiner Gnade, daß er meinen festen Entschluß, ihnüber Älleö zn lieben und mich nun ausrichtig zu bekehren, als eine Sühne für meineVergehen annehme. Als ich aus der Kirche trat, war ich schon ein Christ; ich wareS, in so fern man es seyn kann, ohne getauft zu seyn."
Hermann kam von EmS wieder nach Paris zurück. „Eine fromme, hochgestellteDame," schrieb er in einem andern Briefe, „und ihr Gatte bemerkten die Verän-derung, die in mir vorgegangen war. Nachdem sie mich hierüber vernommen hatte,sagte sie mir, ich müsse alle jene kostbaren Gnaden, die mir zugekommen, der Für-bitte der hochheiligen Jnngfrau Maria zuschreiben; sie munterte mich auf, ihreine besondere Verehrung zn erweisen, und schenkte mir ein Bild, Mariä-Himmelfahrtvorstellend. Von diesem Tage an verdanke ich alle Schritte, die ich das Glück hatte,in den Pfaden des Christenthums vorwärts zu thun, und deren waren es viele, wennich aus meine Vergangenheit zurückblicke, der lieben Mutter Gottes, der Zuflucht derSüuder, die ich jeden Tag inbrünstig uud vertrauensvoll anrief."
Am 28. August desselben Jahres 1847, am Feste des heiligen Augustinus,