Ausgabe 
13 (4.12.1853) 49
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an einem SamStage, empfing Hermann die von ihm schon lange ersehnte Tanfe.Er hatte sich zu diesem Acte durch ein ernsthaftes Studium der Glaubenslehren unddurch eine sehr erbauliche Retraite vorbereitet. Seine Taufpalhen waren Herr HenriGourand, ein Arzt in Paris in der Straße des Saints Peres, und die Frau Her-zogin von Ranzau, beide durch ihre erleuchtete und aufrichtige Frömmigkeit ausge-zeichnet. Herr Abb6 Legrand ertheilte die Taufe in der Capelle von Notre-Dame-de-«vion in der Rue du Regard Nr. 11. Aeußerst ergreifend war die Taufhaudlung ineinem solchen Orte, in Mitte einer Heerde, die nicht weniger Verwunderung als ihrVorsteher erregt. In dieser Anstalt befinden sich unter der Leitung deS Herrn Abv6Marie Theodore Ratisbonne, der an ihrer Spitze steht und deren Gründer er ist,eine gewisse Anzahl Klosterfrauen, die seit wenigen Jahren den Schleier genommen,und etwa hundert junge Mädchen von jüdischer Herkunst, die von der Gnade berührt,zum Theil als Pcnsionairinnen, zum Theil unentgeltlich hier erzogen werden. AlleHausgenossen dieser gesegneten Wohnung bis auf wenige Ausnahmen, nebst demVorsteher, der die ärmste der Waisen dieser Anstalt sein liebes Kind nennt, sind allewie Hermann, durch die Barmherzigkeit Gottes in den Schooß der Kirche geführtworden. Mächtig wurde unser Dankgefühl für die große Barmherzigkeit unseres süßenHeilandes angeregt, als Herr Abb6 RatiSbvnne mit einfachen, prunklosen Worten denTcrt auslegte: ciixit ki-Zo .sesusnisi signo et, procliAia vicleritis non erecliUs,"Während des heiligen Opfers wurden wir bis zu Thränen gerührt, als die Versamm-lung in lieblichen Tönen Kirchenlieder sang unter Begleitung des melancholischenHarmoniums, daS eines der frommen Mädchen spielte.

In dieser heiligen Stätte wurde Hermann getaust. Wir wollen ihn selbst denVorgang dieser heiligen Handlung erzählen lassen; wir führen seine eigenen Wortean, wie er sich im August 1847 in einem vertraulichen Schreiben ausdrückt.WollenSie die Taufe empfangen?""Ja ich will (ja Du weißt es, o Herr, mit welcherSehnsucht ich darnach verlange, und wie sehr ich wünsche, Dir anzugehören)."Knieen Sie also nieder...""Die Erde entschwand unter mir, der Priester, derdie Schale mit Weihwasser in der Hand hielt, war für mich nicht mehr ein Mensch.Gott selbst sollte in diesem Augenblicke Sich zu mir herablassen und Besitz von mirnehmen. Während dem der Priester, nachdem er drei Mal das Kreuz machte,im Namen des Vaters, deS Sohnes und des heiligen Geistes und unter Anrufungder hochseligen Jungfrau, des heiligen Augustiuus und des heiligen Heinrich dasWeihwasser auf mein Haupt goß, überfiel mich Plötzlich ein heftiges Zittern in meinemganzen Innern, so als führen elektrische Schläge aus einer mächtigen Elektrisir-maschine durch all mein Nervengeflechte. Meine körperlichen Augen schlössen sichaber im selben Augenblicke öffnete sich das Auge meiner nun christlichen Seele; estauchte in ein übermenschliches Lichtmeer; dieses Licht durchdrang mein ganzes Wesen;der heilige Geist, gleichsam um sein Versprechen zu verwirklichen, stieg vom hohenHimmel herab, ergriff mich bei der Hand, und zeigte meinem verzückten Blick, derin ertasischem Schauer nach Oben, was nie ein endliches Wesen zu erfassen vermag...Das Unendliche!!! Ja, ich sah bei geschlossenen körperliche» Augen, aber bei, durchunsägliche Wonne weit aufgeschlossenem innern Auge, ich sah eine immense endloseKlarheit, einen schrankenlosen Raum.. . Mein Blick drang immer weiter und weiter,nirgends war eine Schranke. . . allenthalben sangen Myriaden Engel auf silberfar-benen Wolken getragen, Melodieen und Hymnen mit solcher bezaubernder Harmonie,wie noch nie ein menschliches Ohr vernommen hat . . . und Cherubinen erfüllten allesmit den süßesten Wohlgerüchen! . . , und eine sauste Wärme durchdrang mein ganzesWesen! . . . und trotz des strahlenden Lichtglanzes tauchte mein Auge mit Wonne indiese Lichtstrahlen!.. Und in der Mitte war eine alles überglänzende, schimmerndweiße Klarheit! ... Da war ein glorreicher Thron und auf dem Throne saß nnserHerr JesuS mit ewiger Jugendschöne angethan; zu seiner Rechten eine himmlischevielgeliebte Mutter! ... zu seinen Füßen in weiten Kreisen das Heer der mit lieblichenRegenbogenfarben umkleideten Heiligen---- Die Heiligen lagen anbetend am Fuße