393
des Thrones, und wendeten dennoch ihre Blicke ans mich, mit einem lieblichen wohl-wollenden Lächeln und der ganze Himmel mit seinen sämmtlichen Bewohnern schiensich meiner Taufe zu erfreuen, gleichsam als konnte eine arme, kleine, sündhafteSeele in der Wagschaale der Ewigkeit von irgend einem Gewichte seyn!... Achmein werthester Vater", fuhr Hermann fort in seinem Schreiben an Herrn MarieAlphonso Ratisbonne, „wie durste ich mich unterstehen, daS mit Worten auszudrücken,was ich sah! . . . Ich sollte m der That das Blatt zerreißen, worauf ich dieß schrieb,denn matt, ja äußerst matt, im Vergleich der Wirklichkeit, die ich schante, ist dasBild, das ich davon zeichnete! . . . Denn ich sah wahrhaft daS Paradies der trium-phirenden Kirche!!... ES war kein Phantasiebild, eö war eine Erscheinung derWirklichkeit!... Ja, Gott ließ eö geschehen, daß ich elender Erdenwurm einenflüchtigen Blick werfen dnrfte auf das, was den Gerechtesten während ihres irdischenLebens verborgen bleibt! . . . Ihre schöne ascetische Seele wird in ihrem hohenSchwung ergänzen, was ich so ungeschickt mit Worten ausdrücke. Sie werden viel-mehr durch eine innere Anschauung empfinden, was ich durch eine matte ungenügendeBeschreibung Ihnen begreiflich zu machen suche, . . In Gott werden Sie mich ver-stehen, so wie wir unS in Christo lieben. Ja, ich fühle es deutlich, daß Gott die-jenigen nicht verläßt, die auf ihn hoffen! ... Ich fühle eine süße Ruhe in meinemganzen Wesen; mein Geist genießt der Nnhe; es ist mir wie einem Kinoe, daS aufdem Schooße seiner Mntter sich wieget. Ich verlange, ich fürchte nichts mehr fürmeine Person; ich lasse mich lenken und leiten. Wenig kümmert mich, was Anderevon mir denken; ich verrichte jetzt alle meine Handlungen ohne Haß, mit sanfter,heiterer Unbefangenheit, ohne mich weiter um den Erfolg zu kümmern. Ich denkenicht mehr über mich nach, und lasse unbesorgt Andere von mir denken waS sie wollen.Unnütze Besorgnisse beschleichen nicht mehr meine Seele. .. ."
Diese letzten Worte, die er bald nach seiner Taufe niederschrieb, zeigen zurGenüge, daß er der Welt sein Lebewohl sagte, und daß er jetzt einer andern Ord-nung der Dinge folgt; sein Wahlspruch ist jetzt: alles für Jesum. Diese WortelieSt man im Eingänge aller seiner Briefe.
(Fortsetzung folgt.)
Dem Meister I. SchraudolphuS, dem Schöpfer der Fresken im
Jünger, den LukaS vor Vielen erkor,Stiegst in den Himmelsdom selber empor,Cartonirtcst der Heiligen Chor;Holtest die Farben aus Lukas Schrein,Riebst unter frommen Gebeten sie ein;Ahmtest die Himmclsgcstalten nach,Unten war Schatten, dort oben war Tag;Dort saß Gott selbst deiner schaffenden Hand,Oben der Geist, zur Rechten der Sohn;Lichtengcl sahst um Maria« Thron,Petrus und Paulus und Vater Bcrnard,Heinrich und Ludwig und Hildegard , . .Urbilder sind'S an des,Himmels Wand,Schraudolphus ihr Maler im Erdcnland!
L. Schneider,
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Aremer.