Ausgabe 
13 (11.12.1853) 50
Seite
393
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Dreizehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

11. December M- ZO. 1853.

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Hermann von Bicari, Erzvifchof von Freiburg im Großherzog-

rhum Baden.

Dieser bereits im 82sten Lebensjahre stehende und doch so heldenmütige Kämpfersür das Recht und die Freiheit der heiligen Kirche ist geboren zu Aulendorf in Ober-schwaben , wo sein Vater ein herrschaftlicher Oberamtmann war. AIs Jünglingwidmete sich Hermann von Vicari den Studien zuerst in Konstanz , dann im Kolle-gium der Jesuiten zu Augsburg und endlich an der Rechtssacultat zu Wien . ?!uSder Kcnserstadt zurückgekehrt, practicirte der talentvolle junge Mann vom Jahre 1795an im Amte und unter der Leitung seines VaterS; mittlerweile unterzog er sich jedochden strengen Prüfungen an der Universität zu Dillingen, und erwarb die Würde einesDoctors beider Rechte. Nach dem bald darauf erfolgten Tode seines Vaters wider-stand er nicht länger mehr seiner Neigung zum geistlichen Stande und wurde, nach-dem er die theologischen Prüfungen abgelegt hatte, im Jahre 1797 zum Priestergeweiht. Da seine Geschäftslüchtigkeit allgemein bekannt war, so wurden ihm baldvon seinem Oberhirten, dem Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg , Bischof vonKonstanz , die wichtigsten Aemter übertragen. Auch nach Errichtung des ErzbisthumSFreiburg anstatt des Bisthums Konstanz, im Jahre 1827, wurde Hermann von Vicari hochgeehrt und vielfach verwendet. Sein Erzbischof ernannte ihn zum Generalvicar,dann zum Domdechant und im Jahre 1832 zum Weihbischofe, als welcher er nacherfolgter Bestätigung des heiligen Vaters zu Rom am 8. April unter dem Titel einesBischofes von Macra in pgrtibus consecrirt wurde. Nach dein Tode deS damaligenErzbischoss Bernard wurde Hermann von Vicari im Jahre 1836 von den Domherreneinstimmig zum Capitular-Generalvicar und hierauf zum Erzbischofe erwählt; alleinder wackere Mann GotteS konnte durchaus nicht zur Annahme dieser hohen Würdebewogen werden. Im Jahre 1842 jeooch fiel nach dem Tode des Erzbischoss Jgnazdie Wahl abermals einstimmig auf den hochverehrten Hermann von Vicari , und nunkonnte er sich der Würde unv Bürde eines ErzbischojS und Metropoliten der ober-rheinischen Kirchenprovinz nicht wieder entziehen.

Mit Muth und Verlraum auf Gott trat der ehrwürdige Greis sein überausschweres Amt an. Im Jahr 1847 stierte er still und zurückgezogen vom Geräuscheder Welt sein Priesterjubiläum beim Grabe des heiligen Leopold zu Klosterneuburg.Kaum waren dann die Stürme des Jahres 1848 vorübergegangen, als der fromme,gewissenhafte Oberhirte schon den Kampfplatz betreten mußte, um das gute Rechtund die Freiheit der heiligen Kirche zu erringen und zu vertheidigen. Jene Federhel-den nämlich, die vor einem Hecker kopflos und feige davongeflohen waren, oder garseine Partei ergriffen halten, die bekamen wieder Muth, als die preußischen Pickel-hauben im Badner Lande Wache hielten. Leider zeigten sie wie gewöhnlich ihren