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Wahrheit, Freiheit der Gnade, Freiheit der Tugend, daS ist die ganze Macht derKirche, das ist ihr ganzes Recht, daS ihr ganzer Ehrgeiz.
sSchluß folgt, >
Gfrörer.
Der berühmte Historiker ist in den Schooß der katholischen Kirche zurückgetretenund zwar zu Freiburg (wo er an der Universität ordentlicher Professor der Geschichteist); gleich nach dem Tage, an welchem der Hirtenbrief des Erzbischofs verkündigtworden war. Gfrörer ist nach seiner eigenen Aeußerung durch das Studium derGeschichte zum Glauben an Christus den Sohn Gottes und den Menschensohn —und zur Ueberzeugung von der Wahrheit der katholischen Kirche gekommen. Ich binder Meinung, Gfrörer wird es nicht übel nehmen, wenn ich einige Aeußerungen hierwiedergebe, welche ich von demselben im Jahre 18ä9 am Allerseelentage vernommenhabe. ES war damals noch eine sehr bewegte Zeit — kaum daS erste Ausschnaufenvon einer großen unseligen Bewegung in Mittel- und Südeuropa begonnen. Gfrörerwar am besagten Tage an zwei Stunden in meiner Wohnung, was mir große Freudemachte; denn mit ihm zu reden ist ein wahres Vergnügen — was nicht bei jedemGelehrten und jeder Celebrität der Fall ist. Gfrörer ist ein wahrhaft edler biedererSchwabe, der das Herz auf der Zunge trägt — seine Bemerkungen über öffentlicheZustände sind gewöhnlich scharfsinnig, geistreich und schlagend. Wir redeten Vielesüber die Geschicke der Kirche in der nächsten Zukunft; mitunter flocht Gfrörer subjektiveBemerkungen über seine innere Stellung zur katholischen Kirche ein — die mich aufsliesste rührten, und ich bin in der Regel nicht leicht bewegt. Unter anderm sagte, er:„Nachdem ich durch die Schulen ex oktioiv um den Glauben gebracht war, bin ichauf historischem Weg zu meinem jetzigen Glauben wieder gekommen, und auf histo-rischem Weg kann ich einmal auch noch ganz in die katholische Kirche kommen; zuerst imponirte mir der ganze Organismus der Kirche, es gibt nichtsGrößeres, nichts Herrlicheres." Die Worte des Mannes haben sich erfüllt. ESwar ein großartiges Stück Weltgeschichte und Kirchengeschichte, dassich jüngster Tage in Freiburg abgewickelt hat — da kam es in Gfrörer, der davonnächster Augenzeuge war, vollends zum Durchbruch; seine noble Natur konnte eS imProtestantismus nicht mehr aushalten, er konnte das Schwanken nicht länger ver-tragen; er wollte einmal einen festen Grund unter seinen Füßen haben. Ueber dienächsten Geschicke der Kirche sagte Gfrörer am selben Tage vor vier Jahren (und icherinnere mich noch gut seiner Worte): „Wird eS ruhig, so wird sich der Radikalismusmit der Larve der Legalität an die katholische Kirche machen, und gerade in denkleinen deutschen Ländern wird man's am ärgsten treiben — dann wird's aber auchzum Bruche kommen. Man wird meinen, die Ruhe sey geeignet, um die unhaltbarenZustände mit der Kirche sicher zu befestigen." Auch diese Worte Gfrörers haben sicherfüllt. Nebenbei sind mir noch viele andere Aeußerungen Gfrörers im Gedächtniß,ich habe aber Grünve, selbige in petto zu behalten; bin aber der Meinung, derHistoriker, von Freiburg werde auch hierin den Nagel auf den Kopf getroffen haben.Gfrörer scheint — wie er großen Scharssinn in der Combination der Verwicklungenlängst entschwundener Zeiten bewiesen hat, auch einen ähnlichen Scharfsinn für dieCombination zukünftiger Zustände zu besitzen. (W. K.-Z)
Sie halten zusammen.
Wer jetzt Augen hat, der kann sehen, und wer Ohren hat, der kann hören.Bei der badischen Verwickelung ist die radicalz Presse ungemein thätig, sie kann ihrBlut nicht verläuzneu und nicht von ihrer Art lassen. Die radikale Presse bestehtaber eigentlich und natürlich aus den radikalen Persönlichkeiten, welche diese Presse