Ausgabe 
13 (11.12.1853) 50
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handhaben, und diese sind einmal durch keine Polizei zu überwachen. Wir haben inOesterreich so gut unsere radicale Presse als anderwärts, Sie weiß mit großerSchlauheit und Pfiffigkeit die radicalm Interessen zu vertreten. Wir werden denBeweis liefern. In ganz Deutschland ist diese radicale Presse gegen den Erz-bischof von Freiburg und für das badische Ministerium. Natürlich auch diese besagte Presse weiß es immer sehr gut, wer in ihrem Interesse und wergegen dasselbe arbeitet. Wie die Kirche Macht gewinnt, so fallen die Aclien derrevolutionären Propaganda gegen die Kirche muß daher mit aller Anstrengunggearbeitet werden. In Oesterreich gibt es nun große, vielgelesene Blätter, die fangenan, sehr pfiffig ihre alten Tendenzen von 1849 wieder hervorzukehren; in der SachedeS ErztischosS von Freiburg suchen sie die öffentliche Meinung total hinterS Licht zuführen, und das geschieht nicht durch Leitartikel oder Originalarlikel, sondern durcheine sehr einfache Manipulation. Es wird das rotheFrankfurter Journal" undandere Blätter gleicher Färbung benützt und diese trüben, schmutzigen Quellen in dieGartenvetlltin besagter Journale hineingeleitet. Wer kann einen Redacteur zwingen,aus diesem oder jenem Journal seine Artikel zu nehmen? DaS geht nicht an, eS isteine Unmöglichkeit. Wir behaupten daher: alle Ucberwachung, der Presse nütztnichlS wenn die Persönlichkeilen keine Garantien in ihrem Charakter darbietenwie sollen aber jene Persönlichkeiten eine Garantie geben die, so lang es möglichwar und mit so großem Seeleueifer, als eS für ihr Leibesheil räthlich war, mitder Revolution gehalten haben, und die sich erst dann bekehrten, als siedurch äußerlich zur Schau getragenen Schafspelz (bei innerlicher Wolfverbleibung)ihre Eristenz wieder beginnen konnten, oder wenn sie nicht unterbrochen war, bewah-ren konnten. Wer tiefer schaut, als auf daS, was die Oberfläche darbieter, der siehtdurch den glatten Wasserspiegel die scherzenden Seeungeheuer ihr Spiel treiben. Dieeine Thatsache aber sollten sich alle Staatsmänner in Anbetracht des Freiburger Con-flictes ins Herz schreiben: Wie kommt es, daß die ganze radicale Pressefür das badische Ministerium arbeitet und gegen den Erzbischof auf-tritt? Das kommt daher, weil die radicale Presse eS sehr gut, und besser als allejene, welche sie, ohne Besitz der rechten Waffen, bekämpfen wollen, weiß, wo eigent-lich das Ferment deS Umsturzes ist und was die beliebte Gähiung fördern kann.Darum sagten wir, man braucht nur die Augen aufzumachen, um zu sehen, und dieOhren, um zu hören. (W. K.-Z.)

Preßburg.

Aus Preß bürg 22. Nov. wird der W. Kirchenzeitung geschrieben: Da ichalleS Wichtige und Erwähnenswerthe Ihnen mitzutheilen versprach, dürften Siebereits meinetwegen auf sonderbare Gedanken gerathen seyn, weil ich eines der wich-tigsten und segensreichsten Ereignisse, daS die katholische und nicht katholischeBevölkerung unserer Stadt mitgelebt, und dem sie eine ausdauernde Aufmerksamkeitzugewendet, bisher unerwähnt ließ. Daß ich hier die heilige Mission der hochwür-digen Jesuitenväler, die am 30. Octvber begonnen und am 13, November beschlossenwurde, meine, liegt auf der Hand, aber nicht so handgreiflich ist die wahre Ursachemeines langen Schweigens darüber; Sie darüber aufzuklären, muß ich Ihnen offengestehen, daß ich die heilige Misston für ein Werk Gottes angesehen, daS himmel-weit von den Werken der Menschen absticht, und sich in seinen Wirkungen und Folgenselbst lobet und rühmet, und nicht wie allenfalls das Auftreten eines Komödianten,den fünf baare Gulden zum Künstler und Genie stempeln, während er ohne diese einganz gewöhnlicher Acteur bleibt, der Feder eines Sterblichen bedarf. Also nicht alsSpeklakelstück, daS gleich nach der Aufführung recensirt werden muß, sondern als einWerk GotteS betrachtete und betrachte ich die heilige Mission, und schreibe darumzwölf Tage nach deren Schluß über ihre Folgen, aber nicht über vereinzelte Erschei-nungen, die man leicht als momentane Einflüsse der Redekrast schildern könnte, und